Nach­be­ur­kun­dung von Gebur­ten im Aus­land bei Leihmutterschaft

Die Beur­kun­dung der Geburt (§ 36 Abs. 1 S. 1 PStG) eines in den USA von einer Leih­mut­ter aus­ge­tra­ge­nen und gebo­re­nen Kin­des mit deut­schen gene­ti­schen Eltern und gewöhn­li­chem Auf­ent­halt in Deutsch­land kann nicht erfol­gen, da es nicht die deut­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit durch Geburt von den gene­ti­schen Eltern erwor­ben hat. Denn für sei­ne Abstam­mung ist deut­sches Recht maß­ge­bend (Art. 19 Abs. 1 S. 1 EGBGB). Danach ist Mut­ter des Kin­des die Frau, die es gebo­ren hat (§ 1591 BGB), also die Leih­mut­ter, und sein Vater deren Ehe­mann (§ 1592 Nr. 1 BGB). Die gene­ti­schen Eltern kön­nen die recht­li­che Abstam­mung (Mut­ter­schaft und Vater­schaft) nur durch eine Adop­ti­on herbeiführen.

Nach­be­ur­kun­dung von Gebur­ten im Aus­land bei Leihmutterschaft

Im hier vom Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart ent­schie­de­nen Fall sind die Betrof­fe­nen in den USA gebo­ren. Ein Antrag auf Beur­kun­dung ihrer Geburt im Gebur­ten­re­gis­ter nach § 36 Abs. 1 S. 1 PStG setzt vor­aus, dass sie deut­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge im Zeit­punkt der Antrag­stel­lung sind. In Betracht kommt ledig­lich der Erwerb der deut­schen Staats­an­ge­hö­rig­keit durch Geburt (§§ 1, 3 Abs. 1 Nr. 1, 4 Abs. 1 S. 1 StAG). Dann müss­ten die Betrof­fe­nen von den Beschwer­de­füh­rern abstam­men. Inso­weit unter­liegt gemäß Art. 19 Abs. 1 S. 1 EGBGB die Abstam­mung eines Kin­des dem Recht des Staa­tes, in dem es sei­nen gewöhn­li­chen Auf­ent­halt hat. Die­ser befin­det sich in Deutsch­land, so dass sich die Abstam­mung (Mut­ter­schaft und Vater­schaft) der bei­den Betrof­fe­nen nach deut­schem Recht bestimmt. Für die Mut­ter­schaft ist § 1591 BGB maß­ge­bend. Danach ist Mut­ter eines Kin­des die Frau, die es gebo­ren hat.

Bis zum 1. Juli 1998 gab es kei­ne spe­zi­el­le die Mut­ter­schaft regeln­de Norm – und zwar in der Vor­stel­lung, die gebä­ren­de Frau sei natür­lich auch die gene­ti­sche Mut­ter des Kin­des. Erst seit die moder­ne Fort­pflan­zungs­me­di­zin eine Auf­spal­tung von gene­ti­scher und Tra­ge­mut­ter­schaft ermög­licht, stellt sich für die­se Fäl­le die Fra­ge der „rich­ti­gen“ Mut­ter. Der Gesetz­ge­ber hat sich im Kin­dRG zum einen gegen eine dop­pel­te oder gespal­te­ne Mut­ter­schaft und bei der Wahl zwi­schen gene­ti­scher und gebä­ren­der Mut­ter für die Letz­te­re ent­schie­den. § 1591 BGB will eine gespal­te­ne Mut­ter­schaft ver­mei­den und die deut­sche Rechts­ord­nung ver­wirft sie auch sonst: § 1 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 6 Embryo­nen­schutz­ge­setz ver­bie­ten die medi­zi­ni­sche Assis­tenz bei Ei- und Embryo­nen­spen­de und §§ 13c und d Adop­ti­ons­ver­mitt­lungs­ge­setz unter­sa­gen die Ver­mitt­lung einer Leih­mut­ter, die nach einem Embryo­nen­trans­fer ein gene­tisch nicht eige­nes Kind gebä­ren wür­de. Das Sta­tus­recht trifft in § 1591 BGB für die Fäl­le Vor­keh­run­gen, in denen eine Eispen­de ent­we­der ver­bots­wid­rig oder im Aus­land vor­ge­nom­men wur­de und schafft nicht nur Klar­heit, son­dern regelt als Aus­nah­me von dem auf die Abstam­mung abstel­len­den § 1589 BGB, dass nur die Tra­ge­mut­ter im sta­tus­recht­li­chen Sinn Mut­ter ist, was übri­gens schon vor dem Kin­dRG die herr­schen­de Auf­fas­sung war. Grund für die Rege­lung war die Absicht, dem Kind einen mög­lichst zwei­fels­frei­en, leicht fest­stell­ba­ren und dau­er­haf­ten Sta­tus zu geben, und beab­sich­tigt ist zudem die Ver­hin­de­rung von Tra­ge­mut­ter­schaf­ten sowie Ei- und Embryo­nen­spen­den. Der Gesetz­ge­ber hat zu Guns­ten der Trag­mut­ter auch die Erwä­gung berück­sich­tigt, wäh­rend der Schwan­ger­schaft wer­de das Kind kör­per­lich von der aus­tra­gen­den Frau beein­flusst und es erwach­se eine psy­chi­sche Bezie­hung, die gewöhn­lich die Bereit­schaft zu nach­ge­burt­li­cher Betreu­ung und eine Hal­tung der Ver­ant­wort­lich­keit gegen­über dem Kind zur Fol­ge habe, was bei der Eispen­de­rin nicht im glei­chen Maße der Fall sei.

Die nach § 1591 BGB bestimm­te Mut­ter­schaft begrün­det auch die über die Mut­ter ver­mit­tel­te Ver­wandt- und Schwä­ger­schaft zu wei­te­ren Per­so­nen und der Ehe­mann der gebä­ren­den Frau gilt gemäß § 1592 Nr. 1 BGB als Vater des Kindes.

Die Zuord­nung des Kin­des an die Frau, die es gebo­ren hat, ist end­gül­tig. Bewusst sieht das Gesetz für die Mut­ter­schaft weder ein – nur in Bezug auf die Vater­schaft in den §§ 169 ff. FamFG, §§ 1599–1600c BGB gere­gel­tes – Anfech­tungs­ver­fah­ren vor, noch könn­te mit einer Anfech­tung – wie beim Vater – eine unrich­ti­ge Zuord­nung des Kin­des besei­tigt wer­den, da die Frau, die das Kind gebo­ren hat, auch dann die Mut­ter im Sin­ne des Geset­zes ist, wenn das Kind nicht von ihr abstammt. Der ein­zi­ge Weg, die gene­ti­sche Mut­ter zur Mut­ter im Rechts­sin­ne zu machen, ist der der Adop­ti­on [1].

Danach ist es zur Zeit nicht mög­lich, dem Antrag auf Beur­kun­dung einer Aus­lands­ge­burt der bei­den Betrof­fe­nen im Gebur­ten­re­gis­ter gemäß § 36 PStG mit den Antrag­stel­lern als Eltern zu entsprechen.

Die Betrof­fe­nen besit­zen nicht die deut­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit. Sie kön­nen sie nicht durch Geburt von den Antrag­stel­lern ablei­ten, da sie recht­lich nicht von die­sen abstam­men, wobei sich die Vater­schaft nur aus § 1592 Nr. 1 BGB, („Vater eines Kin­des ist der Mann, der zum Zeit­punkt der Geburt mit der Mut­ter des Kin­des ver­hei­ra­tet ist“), erge­ben könn­te. Mut­ter ist aber die Leih­mut­ter und nicht die Beschwerdeführerin.

Hier­an ändern auch nichts die Aus­zü­ge aus dem Gebur­ten­re­gis­ter des Bun­des­staa­tes Kali­for­ni­en, Ver­wal­tungs­be­zirk …-, über die Beschei­ni­gung einer Lebend­ge­burt. Abge­se­hen davon, dass in ein­zel­nen Bun­des­staa­ten der USA die Leih­mut­ter­schaft im Gegen­satz zur BRD lega­li­siert ist [2], kön­nen die­se Urkun­den nicht das nach Art. 19 Abs. 1 S. 1 EGBGB anzu­wen­den­de deut­sche Abstam­mungs­recht außer Kraft set­zen und die nach § 36 Abs. 1 S. 1 PStG erfor­der­li­che deut­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit der Betrof­fe­nen begründen.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 7. Febru­ar 2012 – 8 W 46/​12

  1. Umfas­send zu den vor­ste­hen­den Pro­blem­krei­sen: E. Ham­mer­mann in Erman, BGB, 13. Auf­la­ge 2011, § 1591 BGB Rn. 1 ff.; Nickel in Juris­PK-BGB, 5. Auf­la­ge 2010, § 1591 BGB Rn. 1 ff.; Wel­len­ho­fer in Mün­che­ner Kom­men­tar zum BGB, 6. Auf­la­ge 2012, § 1591 BGB Rn. 4 ff. bis Rn. 32; Hahn in Beck’scher Online-Kom­men­tar BGB, Stand 1. März 2011, § 1591 BGB Rn. 2 ff. bis Rn. 24; Rau­scher in Stau­din­ger, BGB, Neu­be­ar­bei­tung 2011, § 1591 BGB Rn. 1a ff. bis Rn. 26; je m.w.N.; OLG Koblenz FamRZ 2010, 481, zur recht­li­chen Mut­ter im Sin­ne des § 1591 BGB, aller­dings im Rah­men einer ande­ren Pro­ble­ma­tik[]
  2. vgl. Wel­len­ho­fer, a.a.O., § 1591 BGB Rn. 23, m.w.N.[]

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