Nach­ehe­li­cher Unter­halt und Alters­vor­sor­ge

Auch der Unter­halts­pflich­ti­ge darf grund­sätz­lich neben der gesetz­li­chen Alters­vor­sor­ge eine zusätz­li­che Alters­vor­sor­ge betrei­ben, die beim Ehe­gat­ten­un­ter­halt mit einem Betrag bis zu 4 % sei­nes Brut­to­ein­kom­mens zu berück­sich­ti­gen ist. Dabei kommt es nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zu den wan­del­ba­ren ehe­li­chen Lebens­ver­hält­nis­sen nicht dar­auf an, ob bereits wäh­rend der Ehe­zeit Bei­trä­ge für eine sol­che Alters­vor­sor­ge gezahlt wur­den.

Nach­ehe­li­cher Unter­halt und Alters­vor­sor­ge

Die Höhe des nach­ehe­li­chen Unter­halts­an­spruchs rich­tet sich gemäß § 1578 Abs. 1 Satz 1 BGB nach den ehe­li­chen Lebens­ver­hält­nis­sen. Der unbe­stimm­te Rechts­be­griff der "ehe­li­chen Lebens­ver­hält­nis­se" ist nach stän­di­ger Recht­spre­chung des BGH aller­dings nicht mehr im Sin­ne eines strik­ten Stich­tags­prin­zips aus­zu­le­gen. Eine sol­che Fixie­rung auf einen bestimm­ten Stich­tag lässt sich der Vor­schrift des § 1578 Abs. 1 Satz 1 BGB nicht ent­neh­men. Nach Sinn und Zweck der gesetz­li­chen Rege­lung sind bei der Bemes­sung des nach­ehe­li­chen Unter­halts nach den ehe­li­chen Lebens­ver­hält­nis­sen viel­mehr spä­te­re Ände­run­gen des ver­füg­ba­ren Ein­kom­mens grund­sätz­lich zu berück­sich­ti­gen, und zwar unab­hän­gig davon, wann sie ein­ge­tre­ten sind und ob es sich um Min­de­run­gen oder Ver­bes­se­run­gen han­delt. Die in § 1578 Abs. 1 Satz 1 BGB vor­ge­ge­be­ne Anknüp­fung an die ehe­li­chen Lebens­ver­hält­nis­se kann deren grund­sätz­li­che Wan­del­bar­keit ledig­lich nach dem Zweck des nach­ehe­li­chen Unter­halts einer­seits und der fort­wir­ken­den ehe­li­chen Soli­da­ri­tät ande­rer­seits begren­zen 1.

Nach der Recht­spre­chung des BGH darf auch der Unter­halts­pflich­ti­ge von sei­nen Ein­künf­ten grund­sätz­lich neben der gesetz­li­chen Alters­vor­sor­ge eine zusätz­li­che Alters­vor­sor­ge betrei­ben, die unter­halts­recht­lich beim Eltern­un­ter­halt bis zu 5 % des Brut­to­ein­kom­mens 2 und im Übri­gen bis zu 4 % des Brut­to­ein­kom­mens 3 betra­gen kann.

Dabei kommt es nach der Recht­spre­chung des Senats zu den wan­del­ba­ren ehe­li­chen Lebens­ver­hält­nis­sen ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Beru­fungs­ge­richts jedoch nicht dar­auf an, ob bereits wäh­rend der Ehe­zeit Bei­trä­ge für eine sol­che Alters­vor­sor­ge gezahlt wur­den. Denn wenn der Unter­halts­pflich­ti­ge bereits wäh­rend der Ehe­zeit eine zusätz­li­che Alters­vor­sor­ge – wie in dem jetzt vom BGH ent­schie­de­nen FAll in Form einer Kapi­tal­le­bens­ver­si­che­rung – betrie­ben hat­te, pro­fi­tiert der ande­re Ehe­gat­te regel­mä­ßig im Zuge­winn­aus­gleich davon. Für die Zeit ab Zustel­lung des Schei­dungs­an­trags, die vom Zuge­winn­aus­gleich nicht mehr erfasst wird, kön­nen über­höh­te ehe­zeit­li­che Vor­sor­ge­kos­ten kei­ne Recht­fer­ti­gung für deren Fort­dau­er geben. Dies wür­de nun­mehr auf eine ein­sei­ti­ge Ver­mö­gens­bil­dung des unter­halts­pflich­ti­gen Ehe­gat­ten zu Las­ten der Unter­halts­an­sprü­che des unter­halts­be­rech­tig­ten Ehe­gat­ten hin­aus­lau­fen 4. Umge­kehrt ist nach der Recht­spre­chung des Senats zu den wan­del­ba­ren ehe­li­chen Lebens­ver­hält­nis­sen aller­dings auch eine erst nach­ehe­lich hin­zu­tre­ten­de zusätz­li­che Alters­vor­sor­ge zu berück­sich­ti­gen, weil dar­in kein unter­halts­recht­lich vor­werf­ba­res Ver­hal­ten liegt, wel­ches die nach­ehe­li­che Soli­da­ri­tät der geschie­de­nen Ehe­gat­ten ver­letzt 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 27. Mai 2009 – XII ZR 111/​08

  1. BGHZ 179, 196 = Fam­RZ 2009, 411, 413 f.[]
  2. BGH, Urtei­le vom 14. Janu­ar 2004 – XII ZR 149/​01Fam­RZ 2004, 792, 793 und vom 30. August 2006 – XII ZR 98/​04Fam­RZ 2006, 1511, 1514[]
  3. BGHZ 163, 84, 97 ff. = Fam­RZ 2005, 1817, 1821 f. und BGHZ 171, 206, 216 = Fam­RZ 2007, 793, 795[]
  4. vgl. zum Wohn­vor­teil BGH, Urteil vom 5. März 2008 – XII ZR 22/​06Fam­RZ 2008, 963, 965 Tz. 17 ff.[]
  5. vgl. BGHZ 179, 196 = Fam­RZ 2009, 411, 413 f.[]