Namensänderung bei Scheidungskindern

Gemäß § 3 NamÄndG darf ein Familienname nur geändert werden, wenn ein wichtiger Grund die Änderung rechtfertigt. Ein wichtiger Grund im Sinne dieser Norm liegt nur dann vor, wenn das Kindeswohl die Änderung des Familiennamens bei angemessener Berücksichtigung der für die Beibehaltung des bisherigen Namens sprechenden Gründen gebietet, also die Namensänderung im Hinblick auf das Wohl des Kindes erforderlich ist. Dieser Maßstab folgt aus einer entsprechenden Anwendung des § 1618 Satz 4 BGB1. Das Gesetz stellt dabei mit der Formulierung einer Erforderlichkeit bewusst eine hohe Hürde auf. Als für das Kindeswohl erforderlich ist eine Namensänderung daher nur anzusehen, wenn andernfalls schwerwiegende Nachteile für das Kind zu befürchten wären oder die Namensänderung zumindest einen so erheblichen Vorteil für das Kind darstellen würde, dass ein sich verständig um sein Kind sorgender Elternteil auf der Erhaltung des Namensbandes nicht bestehen würde2.

Namensänderung bei Scheidungskindern

Auch wenn es verständlich ist, dass das Kind den gleichen Namen tragen möchte wie sein Vater, bei dem er lebt, und sein Bruder, ist diese Wertung ihrerseits bereits das Ergebnis einer Abwägung widerstreitender Interessen. Denn auch die Kontinuität des Kindesnamens ist ein wichtiger Kindesbelang3. Das – im entschiedenen Streitfall 12 Jahre alte – Kind hat zeitlebens den bisherigen Familiennamen der Eltern als Nachnamen geführt. Der Name wird auch weiterhin von der Mutter und der bei dieser lebenden Schwester des Kindes geführt. Der seit dem 25.11.2008 vom Vater geführte Nachname hat demgegenüber keine historisch gewachsene Bedeutung für das Kind. Zudem würde durch eine Namensänderung das Namensband zur leiblichen Mutter, aber auch zu der Verwandtschaft väterlicherseits zerschnitten. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Kontinuität der Namensführung nicht nur für die Eltern Bedeutung hat, sondern auch einen wichtigen Kindesbelang darstellt3. Der Familienname dokumentiert nach außen hin die Abstammung des Kindes und hat damit auch identitätsstiftenden Charakter. Er begleitet die Lebensgeschichte seines Trägers und ist deshalb nicht allein aus der Perspektive der gegenwärtigen familiären Situation heraus zu beurteilen4.

Eine Namensänderung ist auch nicht bereits dann gerechtfertigt, wenn sie nur dazu dienen soll, dem Kind Unannehmlichkeiten zu ersparen, die mit der Namensverschiedenheit zum betreuenden Elternteil verbunden sind, etwa durch Nachfragen zu seinem Nachnamen in der Schule oder im sonstigen sozialen Umfeld5. Denn diese Unannehmlichkeiten sind ihrer Natur nach nur vorübergehender Art und nicht geeignet, die Entwicklung eines Kindes ernsthaft zu gefährden6.

Eine Befriedung der Familie lässt sich durch eine Namensänderung des Kindes nicht herbeiführen. Der Konflikt auf Elternebene lässt sich nicht damit lösen, dass das Kind den Nachnamen des Vaters annimmt. Den Ausführungen lässt sich vielmehr entnehmen, dass die Streitigkeiten die Ausübung der gemeinsamen elterlichen Sorge betreffen. Die Lösung diese Konflikts ist allein Sache der Eltern.

Die Namensänderung kann auch nicht mit der Vorstellung begründet werden, die Herkunft aus einer gescheiterten Ehe zu verdecken. Kinder können nicht völlig konfliktfrei ins Leben treten. In einem gewissen Umfang müssen sie mit den mit einer Scheidung der Eltern verbundenen Problemen – auch mit einer Namensverschiedenheit – zu leben lernen7.

Oberlandesgericht Stuttgart, Beschluss vom 11. August 2010 – 16 UF 122/10

  1. vgl. BVerwG NJW 2002, 2406[]
  2. BGH FamRZ 2002, 94; OLG Stuttgart FamRZ 2004, 1990[]
  3. BGH aaO[][]
  4. BGH FamRZ 2002, 1331[]
  5. vgl. OVG Brandenburg, FamRZ 2004, 1399[]
  6. OVG Brandenburg aaO[]
  7. BVerwG NJW 1983, 1866[]