Ohne Tren­nungs­jahr geschie­den

Einer Ehe­frau, die wäh­rend ihrer lang­jäh­ri­gen Ehe häu­fig die Aggres­si­vi­tät und Gewalt­tä­tig­keit des Ehe­man­nes aus­ge­hal­ten hat, ist ein Fest­hal­ten an der Ehe wäh­rend des Tren­nungs­jah­res nicht zuzu­mu­ten, wenn sie einen Kri­sen­an­fall bekommt und nicht mehr in der Lage ist, das Ver­hal­ten des Ehe­man­nes zu ertra­gen.

Ohne Tren­nungs­jahr geschie­den

So hat das Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg in dem hier vor­lie­gen­den Fall ent­schie­den und eine unzu­mut­ba­re Här­te fest­ge­stellt. Gleich­zei­tig ist die durch das Amts­ge­richt aus­ge­spro­che­ne Ehe­schei­dung bestä­tigt wor­den. Die Ehe­leu­te waren 26 Jah­re lang ver­hei­ra­tet. Die erwach­se­nen Kin­der hat­ten vor Gericht aus­ge­sagt, ihr Vater habe sich wie ein "Pascha" benom­men. Er sei häu­fig sehr aggres­siv und gewalt­tä­tig gewe­sen. Zuletzt sei es im Sep­tem­ber ver­gan­ge­nen Jah­res zu einem Vor­fall gekom­men, in der er die Mut­ter hef­tig geschüt­telt und gröbst belei­digt habe. Die Mut­ter habe einen Kri­sen­an­fall bekom­men und habe mit dem Ret­tungs­wa­gen abge­holt wer­den müs­sen.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Olden­burg sei dar­in eine "unzu­mut­ba­re Här­te" zu sehen. Es sei typisch für Gewalt­tä­tig­kei­ten in der Ehe, dass jah­re­lang Demü­ti­gun­gen aus­ge­hal­ten wür­den, bis es zu einem Punkt kom­me, wo dies nicht mehr gelin­ge. Die Ehe­frau habe dies über­zeu­gend geschil­dert und sich als "psy­chisch kaputt“ beschrie­ben. Der Ehe­mann kön­ne auch nicht damit gehört wer­den, dass die gro­ben und tief ver­let­zen­den Belei­di­gun­gen vor Gericht ver­fäl­schend über­setzt wor­den sei­en und eine "kul­tu­rel­le Über­set­zung“ erfor­der­lich sei. Es sei hin­rei­chend deut­lich gewor­den, wie schwer die Belei­di­gun­gen die Kin­der und die Ehe­frau getrof­fen hät­ten.

Der Ehe­mann habe durch sein Ver­hal­ten die Grund­la­ge eines wei­te­ren Zusam­men­le­bens der Ehe­leu­te zer­stört. Der Ehe­frau sei ein Fest­hal­ten an der Ehe wäh­rend des Tren­nungs­jah­res nicht zuzu­mu­ten.

Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg, Beschluss vom 26. April 2018 – 4 UF 44/​18