Per­so­nen­stands­sa­chen – und die Beschwer­de­be­fug­nis der Auf­sichts­be­hör­de

In Per­so­nen­stands­sa­chen kann die Auf­sichts­be­hör­de für das Stan­des­amt auch dann die Rechts­be­schwer­de­instanz anru­fen, wenn sie selbst die Beschluss­fas­sung in der ange­foch­te­nen Beschwer­de­ent­schei­dung bean­tragt hat.

Per­so­nen­stands­sa­chen – und die Beschwer­de­be­fug­nis der Auf­sichts­be­hör­de

Nach § 53 Abs. 2 PStG steht der Auf­sichts­be­hör­de für das Stan­des­amt – wie schon in sei­ner zwi­schen dem 1.01.2009 und dem 31.08.2009 gel­ten­den Fas­sung und nach § 49 Abs. 2 PStG in der bis zum 31. De- zem­ber 2008 gel­ten­den Fas­sung – das Recht der Beschwer­de unab­hän­gig von einer Beschwer in jedem Fall und somit auch dann zu, wenn sie selbst die ange­foch­te­ne Beschluss­fas­sung bean­tragt hat 1. § 53 Abs. 2 PStG kon­kre­ti­siert inso­weit das den Behör­den durch § 59 Abs. 3 FamFG ein­ge­räum­te Beschwer­de­recht 2.

Einer for­mel­len oder mate­ri­el­len Beschwer der Auf­sichts­be­hör­de bedarf es auch bei der Anru­fung der Rechts­be­schwer­de­instanz nicht. Unter der Gel­tung des bis zum 31.08.2009 gül­ti­gen Geset­zes über die Ange­le­gen­hei­ten der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit (FGG) war es aner­kannt, dass der Auf­sichts­be­hör­de für das Stan­des­amt durch die Ein­räu­mung eines von der Ent­schei­dung der Vor­in­stan­zen unab­hän­gi­gen Beschwer­de­rechts eine ver­fah­rens­recht­li­che Hand­ha­be gege­ben wer­den soll­te, um in wich­ti­gen und umstrit­te­nen Fra­gen eine klä­ren­de ober­ge­richt­li­che Ent­schei­dung her­bei­zu­füh­ren 3. Nach der Neu­ge­stal­tung des Rechts­mit­tel­sys­tems durch das Gesetz zur Reform des Ver­fah­rens in Fami­li­en­sa­chen und in Ange­le­gen­hei­ten der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit (FGG-RG) zum 1.09.2009 erfüllt nun­mehr die Rechts­be­schwer­de­instanz bei dem Bun­des­ge­richts­hof die Funk­ti­on des drit­ten Rechts­zu­ges, der unter der Gel­tung des alten Ver­fah­rens­rechts durch die wei­te­re Beschwer­de (§ 27 FGG) zum Ober­lan­des­ge­richt (mit der Mög­lich­keit einer Diver­genz­vor­la­ge nach § 28 FGG an den Bun­des­ge­richts­hof) eröff­net war.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 19. Febru­ar 2014 – XII ZB 180/​12

  1. OLG Bran­den­burg StAZ 2011, 47; Gaaz/​Bornhofen PStG 2. Aufl. § 51 Rn. 23 und § 53 Rn. 7 f.; Rhein PStG § 53 Rn. 3[]
  2. vgl. BT-Drs. 16/​6308 S. 317[]
  3. BGHZ 56, 193, 194 = Fam­RZ 1971, 426; BGH, Beschluss BGHZ 157, 277, 279 = Fam­RZ 2004, 449 f.; vgl. auch BT-Drs. 16/​1831 S. 51[]