Post­hu­me Vater­schafts­an­fech­tung – und die Beer­di­gungs­kos­ten der unbe­kann­ten Toch­ter

Ein Vater hat nicht die Kos­ten der Beer­di­gung sei­ner "Schein­toch­ter" zu zah­len, wenn er erst mit den ange­for­der­tem Begräb­nis­kos­ten von ihrer Exis­tenz erfah­ren hat und nach­weis­lich kei­nen Kon­takt mit der Mut­ter des 1967 gebo­re­nen Kin­des seit 1965 mehr hat­te.

Post­hu­me Vater­schafts­an­fech­tung – und die Beer­di­gungs­kos­ten der unbe­kann­ten Toch­ter

In dem hier vom Amts­ge­richt Han­no­ver ent­schie­de­nen Fall hat­te ein Mann einen Antrag auf post­hu­me Vater­schafts­an­fech­tung gestellt, um nicht die Beer­di­gungs­kos­ten sei­ner angeb­li­chen Toch­ter zah­len zu müs­sen. er Antrag­stel­ler ist lan­ge Zeit als Matro­se, bzw. Maschi­nist zur See gefah­ren. Zum Zeit­punkt der Zeu­gung sei­ner Toch­ter zwi­schen Dezem­ber 1966 bis April 1967 befand er sich aus­weis­lich sei­nes See­mann­bu­ches auf gro­ßer Fahrt. Die Toch­ter wur­de im Okto­ber 1967 gebo­ren, zu die­sem Zeit­punkt leb­ten der Antrag­stel­ler und die Mut­ter bereits getrennt, von der Geburt "sei­ner" Toch­ter erfuhr der Antrag­stel­ler zunächst nichts. Erst als die Stadt Frank­furt a.M. am 14.5.2013 den Antrags­stel­ler auf Über­nah­me der Begräb­nis­kos­ten "sei­ner" Toch­ter in Höhe von 1.228,00 € in Anspruch nahm, erfuhr er von der Exis­tenz einer Toch­ter. Die Kin­des­mut­ter war mitt­ler­wei­le eben­falls ver­stor­ben. Die Ehe des See­man­nes war am 10.4.1969 geschie­den wor­den. Im Rah­men die­ses Ver­fah­rens hat­te die Ehe­frau erklärt, dass der See­mann sie 1965 ver­las­sen habe, seit­dem habe sie ihn nicht mehr gese­hen.

Nach Auf­fas­sung des Amts­ge­richts Han­no­ver sei es auf­grund der Vor­la­ge des See­mann­bu­ches und des Schei­dungs­ur­teils als erwie­sen anzu­se­hen, dass der Antrag­stel­ler nicht Vater der 2009 ver­stor­be­nen Toch­ter ist und der Vater­schafts­an­fech­tung statt­ge­ge­ben. Aus die­sem Grund wird der Antrag­stel­ler die Kos­ten der Beer­di­gung "sei­ner" Toch­ter nicht tra­gen müs­sen. Da aus­rei­chend nach­prüf­ba­re Doku­men­te vor­la­gen, war eine Exhu­mi­nie­rung der Schein­toch­ter zur Durch­füh­rung eines Vater­schafts­tests nicht mehr erfor­der­lich.

Amts­ge­richt Han­no­ver vom 12. Okto­ber 2014 – 631 F 366/​14