Rechts­an­walts­ver­gü­tung in Unter­brin­gungs­sa­chen

Die Ver­gü­tung des in einer Unter­brin­gungs­sa­che im Wege der Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe bei­geord­ne­ten Rechts­an­walts bestimmt sich nach Num­mer 6300 RVG VV [1].

Rechts­an­walts­ver­gü­tung in Unter­brin­gungs­sa­chen

Die Ver­gü­tung des im Rah­men der Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe gemäß § 78 Abs. 1 FamFG bei­geord­ne­ten Rechts­an­walts bestimmt sich in Unter­brin­gungs­sa­chen nicht nach Nr. 3208 VV RVG i.V.m. der Vor­be­mer­kung 3.02.2 Nr. 1 b VV RVG, son­dern nach Nr. 6300 VV RVG.

Danach beträgt die Ver­fah­rens­ge­bühr für die Tätig­keit eines Rechts­an­walts in Frei­heits­ent­zie­hungs­sa­chen nach § 415 FamFG, in Unter­brin­gungs­sa­chen nach § 312 FamFG und bei Unter­brin­gungs­maß­nah­men nach § 151 Nr. 6 und 7 FamFG für jeden Rechts­zug 172 €. Die­se Ver­gü­tungs­re­ge­lung ist auch maß­geb­lich, wenn ein Rechts­an­walt in einer Unter­brin­gungs­sa­che für das Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren vor dem Bun­des­ge­richts­hof bei­geord­net wird.

Für Frei­heits­ent­zie­hungs­sa­chen nach § 415 FamFG hat dies der Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­den [2]. Begrün­det wur­de die­se Ent­schei­dung im Wesent­li­chen damit, dass die Rechts­be­schwer­de in Frei­heits­ent­zie­hungs­sa­chen nach § 415 FamFG in der Vor­be­mer­kung 3.2.2 VV RVG nicht erwähnt und ins­be­son­de­re nicht von Nr. 1 b der Vor­be­mer­kung erfasst wer­de. Danach sei der Unter­ab­schnitt 2 zwar auch in Ver­fah­ren über Rechts­be­schwer­den in Fami­li­en­sa­chen anzu­wen­den. Mit dem Begriff „Fami­li­en­sa­chen“ knüp­fe das Gesetz jedoch an § 111 FamFG an, der den Kreis der Fami­li­en­sa­chen defi­niert [3]. Kei­ne Fami­li­en­sa­chen sei­en des­halb die in Buch 3 bis 8 des FamFG gere­gel­ten Ange­le­gen­hei­ten der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit, also auch nicht die in Buch 7 gere­gel­ten Frei­heits­ent­zie­hungs­sa­chen. Da die Defi­ni­ti­on des § 111 FamFG auch für ande­re Geset­ze maß­geb­lich sei, die den Begriff der Fami­li­en­sa­che ver­wen­den [4], gel­te sie eben­falls im Rah­men der Nr. 1 b der Vor­be­mer­kung 3.02.2 VV RVG. Hät­te der Gesetz­ge­ber dort alle Rechts­be­schwer­den nach dem Gesetz über das Ver­fah­ren in Fami­li­en­sa­chen und in den Ange­le­gen­hei­ten der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit und nicht ledig­lich die Rechts­be­schwer­den in Fami­li­en­sa­chen erfas­sen wol­len, hät­te es nahe gele­gen, dies – eben­so wie in den ver­gleich­ba­ren Fäl­len der Nr. 1 c bis 1 e der Vor­be­mer­kung 3.2.2 VV RVG – durch die For­mu­lie­rung „Rechts­be­schwer­den nach dem FamFG“ zum Aus­druck zu brin­gen.

Die­ser Auf­fas­sung schließt sich der Bun­des­ge­richts­hof für die Ver­gü­tung des bei­geord­ne­ten Rechts­an­walts in Unter­brin­gungs­sa­chen nach § 312 FamFG an. Für Unter­brin­gungs­sa­chen nach § 312 FamFG ent­hält Teil 6 des Ver­gü­tungs­ver­zeich­nis­ses in Num­mer 6300 VV RVG eine Son­der­re­ge­lung. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Erin­ne­rung gilt die­se Ver­gü­tungs­re­ge­lung nach ihrem ein­deu­ti­gen Wort­laut auch für das Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren in Unter­brin­gungs­sa­chen [5]. Denn nach der Anmer­kung zu Num­mer 6300 RVG VV ent­steht die dort gere­gel­te Gebühr für jeden Rechts­zug. Eine Ein­schrän­kung dahin­ge­hend, dass die Rechts­be­schwer­de von die­ser Ver­gü­tungs­re­ge­lung aus­ge­nom­men sein soll, lässt sich der Norm nicht ent­neh­men [6].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Juni 2012 – XII ZB 346/​10

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 29.03.2012 – V ZB 309/​10[]
  2. BGH Beschluss vom 29.03.2012 – V ZB 309/​10[]
  3. vgl. Gerold/​Schmidt/​MüllerRabe RVG 19. Aufl. VV Vorb. 3.2.2 Rn. 4[]
  4. BT-Drucks. 16/​6308, S. 223[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 29.03.2012 – V ZB 309/​10[]
  6. vgl. BGH aaO[]