Rechts­be­schwer­de in Fami­li­en­sa­chen – und die Anfor­de­run­gen an ihre Begrün­dung

Gemäß § 117 Abs. 1 Satz 4 FamFG i.V.m. § 575 Abs. 3 Nr. 2 ZPO muss die Begrün­dung der Rechts­be­schwer­de im Fall des § 574 Abs. 1 Nr. 1 ZPO Dar­le­gun­gen zu den Zuläs­sig­keits­vor­aus­set­zun­gen des § 574 Abs. 2 ZPO ent­hal­ten. Der Beschwer­de­füh­rer muss den Zulas­sungs­grund bzw. die Zulas­sungs­vor­aus­set­zun­gen nicht nur benen­nen, son­dern auch zu den jewei­li­gen Vor­aus­set­zun­gen sub­stan­ti­iert vor­tra­gen 1.

Rechts­be­schwer­de in Fami­li­en­sa­chen – und die Anfor­de­run­gen an ihre Begrün­dung

Gemäß § 117 Abs. 1 Satz 4 FamFG i.V.m. § 575 Abs. 3 Nr. 2 ZPO muss die Begrün­dung der Rechts­be­schwer­de im Fall des § 574 Abs. 1 Nr. 1 ZPO, also wenn die Rechts­be­schwer­de – wie hier – auf­grund aus­drück­li­cher gesetz­li­cher Bestim­mung statt­haft ist, eine Dar­le­gung zu den Zuläs­sig­keits­vor­aus­set­zun­gen des § 574 Abs. 2 ZPO ent­hal­ten. Danach ist die Rechts­be­schwer­de nur zuläs­sig, wenn die Rechts­sa­che grund­sätz­li­che Bedeu­tung hat oder die Fort­bil­dung des Rechts oder die Siche­rung einer ein­heit­li­chen Recht­spre­chung eine Ent­schei­dung des Rechts­be­schwer­de­ge­richts erfor­dert. Der Beschwer­de­füh­rer muss den Zulas­sungs­grund bzw. die Zulas­sungs­vor­aus­set­zun­gen nicht nur benen­nen, son­dern auch zu den jewei­li­gen Vor­aus­set­zun­gen sub­stan­ti­iert vor­tra­gen 2.

Gemes­sen hier­an war die Rechts­be­schwer­de in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall unzu­läs­sig:

Für die Zuläs­sig­keit der Beschwer­de kommt es im vor­lie­gen­den Fall allein auf die Fra­ge an, ob der Antrag­stel­ler trotz Feh­lens einer for­mel­len Beschwer beschwer­de­be­rech­tigt ist. Das ist nach der Bun­des­ge­richts­hofs­recht­spre­chung der Fall, wenn der Rechts­mit­tel­füh­rer das Ziel der Auf­recht­erhal­tung der Ehe ein­deu­tig und vor­be­halt­los – ent­we­der durch Rück­nah­me des Schei­dungs­an­trags oder Ankün­di­gung eines Ver­zichts – ver­folgt 3.

Die Rechts­be­schwer­de hat schon kei­nen Zulas­sungs­grund benannt; sie hält die – im Ein­klang mit der Bun­des­ge­richts­hofs­recht­spre­chung ste­hen­de – Begrün­dung des Ober­lan­des­ge­richts ledig­lich für unrich­tig. Die Rechts­be­schwer­de hat sich nicht mit der vor­ste­hen­den Recht­spre­chung aus­ein­an­der­ge­setzt. Sie hat vor allem nicht dar­ge­legt, dass trotz die­ser gefes­tig­ten Recht­spre­chung eine Zuläs­sig­keits­vor­aus­set­zung i.S.d. § 574 Abs. 2 ZPO vor­lie­ge. Sie hat auch nicht auf­ge­zeigt, dass etwa die noch zum frü­he­ren Recht ergan­ge­ne Bun­des­ge­richts­hofs­recht­spre­chung nach Inkraft­tre­ten des Geset­zes über das Ver­fah­ren in Fami­li­en­sa­chen und in den Ange­le­gen­hei­ten der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit, hier §§ 113 Abs. 1 Satz 1, 59 FamFG, kei­ne Gel­tung mehr bean­sprucht.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 2. August 2017 – XII ZB 190/​17

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 25.07.2012 XII ZB 170/​11 Fam­RZ 2012, 1561[]
  2. BGH, Beschluss vom 25.07.2012 XII ZB 170/​11 Fam­RZ 2012, 1561 Rn. 8 f. mwN[]
  3. BGH, Urtei­le vom 26.11.1986 IVb ZR 92/​85 Fam­RZ 1987, 264, 265; und vom 26.06.2013 XII ZR 133/​11 Fam­RZ 2013, 1366 Rn. 11; s. auch Keidel/​Weber FamFG 19. Aufl. § 117 Rn. 9[]