Rechts­be­schwer­den in Fami­li­en­sa­chen – und der Anwalts­zwang

Rechts­be­schwer­den oder ande­re Rechts­be­hel­fe zum Bun­des­ge­richts­hof kön­nen in Fami­li­en­sa­chen von einem Betei­lig­ten form­ge­recht nur durch einen bei dem Bun­des­ge­richts­hof zuge­las­se­nen Rechts­an­walt ein­ge­legt wer­den (§ 10 Abs. 4 Satz 1 FamFG). Dies gilt seit Inkraft­tre­ten des Fami­li­en­ver­fah­rens­ge­set­zes ohne Aus­nah­me.

Rechts­be­schwer­den in Fami­li­en­sa­chen – und der Anwalts­zwang

Ent­spricht eine als Rechts­mit­tel bezeich­ne­te oder als sol­ches aus­zu­le­gen­de Ein­ga­be, die bei dem Bun­des­ge­richts­hof ein­ge­reicht oder ihm von der unte­ren Instanz zustän­dig­keits­hal­ber vor­ge­legt wird, – wie hier – die­ser for­mel­len Anfor­de­rung nicht, ist sie als unzu­läs­sig zu ver­wer­fen.

Es besteht auch kei­ne Not­wen­dig­keit, von der Rege­lung des § 10 Abs. 4 Satz 1 FamFG für Fäl­le, das die Sache dem Bun­des­ge­richts­hofs von der unte­ren Instanz zustän­dig­keits­hal­ber vor­ge­legt wer­den, Aus­nah­men zuzu­las­sen.

Im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren hat der Ver­fah­rens­bei­stand die Rechts­be­schwer­de "namens und in Voll­macht des betrof­fe­nen Kin­des" ein­ge­legt. Ob der Ver­fah­rens­bei­stand, der nach § 158 Abs. 4 Satz 6 FamFG nicht gesetz­li­cher Ver­tre­ter des Kin­des ist 1, das Kind aus­nahms­wei­se als anwalt­li­cher Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ter ver­tre­ten durf­te 2, kann hier schon des­halb dahin­ste­hen, weil es ihm jeden­falls unbe­nom­men geblie­ben ist, für das Kind Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe zu bean­tra­gen. Er hat weder dar­ge­tan, dass die Vor­aus­set­zun­gen für eine Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe­be­wil­li­gung nicht vor­lie­gen, noch vor­ge­tra­gen, dass die Eltern nicht gewillt wären, die dazu erfor­der­li­chen Anga­ben zu den per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­sen des Kin­des zu machen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. März 2019 – XII ZB 66/​19

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 27.06.2018 XII ZB 46/​18 Fam­RZ 2018, 1512 Rn. 13 mwN[]
  2. vgl. dazu BGH, Beschluss vom 31.10.2018 XII ZB 288/​18 NJW-RR 2019, 129 Rn. 7[]