Rechts­mit­tel bei Ver­ur­tei­lung zur Zah­lung von Ele­men­tar- und Alters­vor­sor­ge­un­ter­halt

Bei einer Ver­ur­tei­lung zur Zah­lung von Ele­men­tar- und Alters­vor­sor­ge­un­ter­halt ist eine Begren­zung der Revi­si­ons­zu­las­sung auf den Alters­vor­sor­ge­un­ter­halt grund­sätz­lich nicht zuläs­sig. Das gilt nicht, wenn es – etwa wegen beson­ders güns­ti­ger Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se des Unter­halts­pflich­ti­gen – einer zwei­stu­fi­gen Berech­nung des Ele­men­tar­un­ter­halts nicht bedarf 1.

Rechts­mit­tel bei Ver­ur­tei­lung zur Zah­lung von Ele­men­tar- und Alters­vor­sor­ge­un­ter­halt

Grund­sätz­lich ist bei einer Inan­spruch­nah­me des Unter­halts­pflich­ti­gen auf Ele­men­tar­un­ter­halt und auf Alters­vor­sor­ge­un­ter­halt eine Begren­zung der Zulas­sung auf den Alters­vor­sor­ge­un­ter­halt aller­dings nicht zuläs­sig, da es sich nicht – wie erfor­der­lich – um einen abtrenn­ba­ren Teil der Kla­ge­for­de­rung han­delt, der einem Teil­ur­teil zugäng­lich gewe­sen wäre oder auf den die Revi­si­on hät­te beschränkt wer­den kön­nen 2. Denn bei dem Anspruch auf Vor­sor­ge­un­ter­halt han­delt es sich nicht um einen eigen­stän­di­gen Anspruch, son­dern um einen unselb­stän­di­gen Teil des ein­heit­li­chen, den gesam­ten Lebens­be­darf betref­fen­den Unter­halts­an­spruchs 3. Betrifft die­ser – wie hier – den­sel­ben Zeit­raum wie der Ele­men­tar­un­ter­halt, ist ein Teil­ur­teil wegen der Gefahr ein­an­der wider­spre­chen­der Ent­schei­dun­gen grund­sätz­lich aus­ge­schlos­sen. Abge­se­hen davon wirkt sich die Höhe des Vor­sor­ge­un­ter­halts in der Regel auf den geschul­de­ten Ele­men­tar­un­ter­halt aus. Durch eine zwei­stu­fi­ge Berech­nung des Ele­men­tar­un­ter­halts soll sicher­ge­stellt wer­den, dass nicht zu Las­ten des Unter­halts­pflich­ti­gen von dem Grund­satz der gleich­mä­ßi­gen Teil­ha­be der Ehe­gat­ten am ehe­li­chen Lebens­stan­dard abge­wi­chen wird 4.

Im vor­lie­gen­den Fall ist die Beschrän­kung der Revi­si­ons­zu­las­sung indes­sen zuläs­sig und führt des­halb zu einer auf den Alters­vor­sor­ge­un­ter­halt beschränk­ten Über­prü­fung durch den Bun­des­ge­richts­hof. Bei beson­ders güns­ti­gen wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­sen bedarf es einer zwei­stu­fi­gen Berech­nung des Ele­men­tar­un­ter­halts nicht, weil der Vor­sor­ge­be­darf neben dem lau­fen­den Unter­halt befrie­digt wer­den kann, ohne dass des­halb der Halb­tei­lungs­grund­satz ver­letzt wird. Das kann etwa der Fall sein, wenn der Ele­men­tar­un­ter­halts­be­darf nicht nach einer Quo­te der Ein­kom­men, son­dern kon­kret ermit­telt wird, oder wenn der Alters­vor­sor­ge­un­ter­halt aus frü­her zur Ver­mö­gens­bil­dung ver­wen­de­ten Ein­künf­ten auf­ge­bracht wer­den kann. Dass zu Las­ten des Unter­halts­pflich­ti­gen über eine Halb­tei­lung hin­aus­ge­gan­gen wird, ist aber auch dann nicht zu besor­gen, wenn die errech­ne­te Unter­halts­quo­te nicht geschul­det wird, so dass der Unter­halts­pflich­ti­ge in Höhe der Dif­fe­renz zwi­schen Quo­te und Unter­halts­an­spruch ent­las­tet wird 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 30. Novem­ber 2011 – XII ZR 35/​09

  1. im Anschluss an BGH, Urteil vom 25.10.2006 – XII ZR 141/​04, Fam­RZ 2007, 117[]
  2. BGH, Urteil vom 25.10.2006 – XII ZR 141/​04, Fam­RZ 2007, 117 mwN[]
  3. BGH, Urtei­le vom 25.10.2006 – XII ZR 141/​04, Fam­RZ 2007, 117, 118; und vom 04.11.1981 – IV b ZR 625/​80, Fam­RZ 1982, 255[]
  4. st. Rspr. des Bun­des­ge­richts­hofs, vgl. etwa BGH, Urtei­le vom 25.10.2006 – XII ZR 141/​04, Fam­RZ 2007, 117, 118 und vom 25.11.1998 – XII ZR 33/​97, Fam­RZ 1999, 372, 374 jeweils mwN[]
  5. vgl. BGH, Urtei­le vom 25.11.1998 – XII ZR 33/​97, Fam­RZ 1999, 372, 374 und vom 02.10.2006 – XII ZR 141/​04, Fam­RZ 2007, 1117, 1118[]