Rhein­land-pfäl­zi­scher Ehren­sold und der Ver­sor­gungs­aus­gleich

Der Ehren­sold nach dem rhein­land-pfäl­zi­schen Ehren­sold­ge­setz [1] hat kei­nen Ver­sor­gungs­cha­rak­ter und ist daher nicht in den Ver­sor­gungs­aus­gleich ein­zu­be­zie­hen.

Rhein­land-pfäl­zi­scher Ehren­sold und der Ver­sor­gungs­aus­gleich

In der Vor­in­stanz hat­te das Ober­lan­des­ge­richt Koblenz [2] ange­nom­men, der Ehren­sold sei nicht in den Ver­sor­gungs­aus­gleich ein­zu­be­zie­hen, weil es sich dabei nicht um eine Alters­ver­sor­gung bzw. eine Ver­sor­gung wegen Dienst­un­fä­hig­keit hand­le, son­dern um eine Aner­ken­nung für ehren­amt­lich geleis­te­te Diens­te sowie um einen Aus­gleich für nicht bezif­fer­ba­re Ein­bu­ßen im Rah­men der ehren­amt­li­chen Tätig­keit. Auch kön­ne ein Aus­gleich über das Ver­si­che­rungs­kon­to der Ehe­frau bei der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung nicht erfol­gen, weil dies bedeu­ten wür­de, dass die Ver­bands­ge­mein­de eine Aus­gleichs­zah­lung an die gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung leis­ten und den Ehren­sold kür­zen müs­se, was in der Sys­te­ma­tik des Ehren­sold­ge­set­zes nicht vor­ge­se­hen sei.

Die­se Aus­füh­run­gen hat der Bun­des­ge­richts­hof nun gebil­ligt: Zutref­fend ist das Ober­lan­des­ge­richt davon aus­ge­gan­gen, dass Leis­tun­gen der Ver­bands­ge­mein­de­ver­wal­tung R. an den Ehe­mann nicht in den Ver­sor­gungs­aus­gleich ein­zu­be­zie­hen sind.

Unmit­tel­bar aus sei­ner Tätig­keit als ehren­amt­li­cher Bür­ger­meis­ter einer Gemein­de in Rhein­land­Pfalz von August 1989 bis Sep­tem­ber 2004 hat der Ehe­mann kei­ne Ver­sor­gungs­an­wart­schaf­ten erwor­ben. Nach § 54 Abs. 1 GemO RP [3] iVm § 188 LBG RP hat ein ehren­amt­li­cher Bür­ger­meis­ter (§ 51 GemO RP) den Sta­tus eines Ehren­be­am­ten. Der Ehren­be­am­te steht wie jeder ande­re Beam­te in einem öffent­lich­recht­li­chen Dienst- und Treue­ver­hält­nis zu sei­nem Dienst­her­ren, ist also ein „ech­ter Beam­ter[4].

Aller­dings erhal­ten Ehren­be­am­te mit Aus­nah­me der in § 68 BeamtVG gere­gel­ten Unfall­für­sor­ge­leis­tun­gen kei­ne Dienst­be­zü­ge und kei­ne Ver­sor­gung nach beam­ten­recht­li­chen Vor­schrif­ten oder Grund­sät­zen (§ 188 Abs. 2 LBG RP i.V.m. § 5 BeamtStG [5]).

Auch der Ehren­sold, den der Ehe­mann nach Been­di­gung sei­ner Tätig­keit als Bür­ger­meis­ter seit dem 01.10.2004 von der Ver­bands­ge­mein­de­ver­wal­tung R. erhält, ist nicht Gegen­stand des Ver­sor­gungs­aus­gleichs.

Ein Ver­sor­gungs­aus­gleich fin­det nach § 1587 Abs. 1 BGB aF statt, soweit Anwart­schaf­ten oder Aus­sich­ten auf eine Ver­sor­gung wegen Alters oder ver­min­der­ter Erwerbs­fä­hig­keit der in § 1587 a Abs. 2 BGB genann­ten Art begrün­det oder auf­recht erhal­ten wor­den sind. Grund­sätz­lich sind auch lau­fen­de Ver­sor­gun­gen aus­zu­glei­chen [6].

Aus­gleichs­pflich­tig sind nur Anrech­te auf Ver­sor­gung wegen Alters, Inva­li­di­tät bzw. Berufs- oder Erwerbs­un­fä­hig­keit, wobei anhand der jewei­li­gen Aus­ge­stal­tung der Ver­sor­gungs­ord­nung oder des Ein­zel­ver­trags danach zu unter­schei­den ist, ob die Anrech­te Ver­sor­gungs- oder Ent­gelt­cha­rak­ter haben [7]. Für die Annah­me einer Ver­sor­gung wegen Alters ist erfor­der­lich, dass das betref­fen­de Anrecht wegen Errei­chens eines bestimm­ten Lebens­al­ters zur Ver­sor­gung im Anschluss an die Been­di­gung des akti­ven Arbeits­le­bens und nicht etwa als rei­ne Kom­pen­sa­ti­ons­zah­lung für den Ver­lust der Beschäf­ti­gung, als Über­brü­ckungs- oder Über­gangs­geld oder als Ver­mö­gens­an­la­ge gewährt wird [8]. Maß­ge­bend sind dabei nicht die in den öffent­lich­recht­li­chen Leis­tungs­sys­te­men vor­ge­se­he­nen Alters­gren­zen; es kommt viel­mehr dar­auf an, dass das Anrecht der Ver­sor­gung im Anschluss an die Been­di­gung des akti­ven Arbeits­le­bens dient, die Ver­sor­gung also spe­zi­ell für das Alter bestimmt ist [9]. Fehlt die Zweck­be­stim­mung wegen Alters, Berufs- oder Erwerbs­un­fä­hig­keit, so besteht kei­ne Aus­gleichs­pflicht [10].

Gemäß § 1 Ehren­soldG erhält ein frü­he­rer ehren­amt­li­cher Bür­ger­meis­ter einen Ehren­sold, wenn er das Amt in der­sel­ben Gemein­de [11] ins­ge­samt min­des­tens zehn Jah­re hin­durch wahr­ge­nom­men hat oder wenn er – ohne Rück­sicht auf die Dau­er der Amts­zeit – infol­ge eines Dienst­un­falls dienst­un­fä­hig gewor­den ist. Weder wird das Errei­chen einer bestimm­ten Alters­gren­ze vor­aus­ge­setzt, noch wird als Zweck des Ehren­sol­des die Alters­ver­sor­gung bestimmt. Ledig­lich § 3 Abs. 2 Ehren­soldG nennt ein Alter. Danach ruht der Anspruch auf Ehren­sold, solan­ge der Berech­tig­te das 55. Lebens­jahr nicht voll­endet hat. Der Anspruch als sol­cher kann aber bereits vor Errei­chen die­ser Alters­gren­ze ent­ste­hen und hat ihr Errei­chen nicht zur Vor­aus­set­zung.

Das Ehren­soldG trifft somit aus­drück­lich kei­ne Zweck­be­stim­mung dahin­ge­hend, dass der Ehren­sold der Alters­ver­sor­gung die­nen soll. Er hat auch kei­nen Ver­sor­gungs­cha­rak­ter [12]. Der Ehren­sold ist nicht als [13] Ver­sor­gungs­leis­tung zur Siche­rung der Lebens­füh­rung des Ehren­be­am­ten gedacht, son­dern viel­mehr als eine Art Treue­prä­mie, um Bür­ger­meis­tern mit beson­ders lan­ger Amts­zeit Dank und Aner­ken­nung sei­tens der Gemein­de zuteil wer­den zu las­sen [14]. Die­ser Zweck lässt sich zudem der Bezeich­nung als „Ehren„sold ent­neh­men [15].

Dane­ben kann ihm durch­aus auch der Zweck zukom­men, gewis­se wirt­schaft­li­che Ein­bu­ßen oder Nach­tei­le aus­zu­glei­chen, die der Bür­ger­meis­ter infol­ge sei­ner Amts­tä­tig­keit hin­neh­men muss­te. Dies liegt aber einer Ent­schä­di­gungs­leis­tung näher als einer zusätz­li­chen Alters­ver­sor­gung [16].

Auch die Zwei­fel des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts [17] an der Ver­ein­bar­keit des Ehren­sol­des mit höher­ran­gi­gem Recht, ins­be­son­de­re mit § 115 BRRG, füh­ren zu kei­nem ande­ren Ergeb­nis. Viel­mehr ist davon aus­zu­ge­hen, dass sich der Lan­des­ge­setz­ge­ber inso­weit bun­des­rechts­kon­form ver­hal­ten und mit dem Ehren­sold weder eine Art von Besol­dung noch eine Alters­ver­sor­gung schaf­fen woll­te.

Der Ehren­sold nach dem Ehren­soldG stellt somit weder ein Ver­sor­gungs­an­recht nach beam­ten­recht­li­chen Vor­schrif­ten oder Grund­sät­zen i.S.d. § 1587 a Abs. 2 Nr. 1 BGB dar [18], noch wird er von den Auf­fang­tat­be­stän­den der §§ 1587 a Abs. 2 Nr. 4 b BGB und 1587 a Abs. 5 BGB erfasst.

Weil der Ehren­sold sei­nem Sinn und Zweck nach nicht den Anfor­de­run­gen an eine Ver­sor­gung i.S.d. § 1587 BGB aF ent­spricht, kann ent­ge­gen der Rechts­be­schwer­de auch kein Aus­gleich nach § 1587 a Abs. 2 Nr. 4 b oder Abs. 5 BGB erfol­gen. Den man­geln­den Ver­sor­gungs­cha­rak­ter kann weder der Umstand ändern, dass in ihm eine durch Arbeit der Ehe­gat­ten i.S.d. § 1587 Abs. 1 Satz 2 BGB aF aus­ge­lös­te Leis­tung gese­hen wer­den kann, noch, dass die Min­dest­vor­aus­set­zun­gen für die Zah­lun­gen des Ehren­sol­des erfüllt sind [19].

Schließ­lich kommt im Hin­blick auf eine Leis­tung des Ehren­sol­des bei Dienst­un­fä­hig­keit infol­ge eines Dienst­un­falls (§ 1 Abs. 1 Satz 2 Ehren­soldG) ein Ver­sor­gungs­aus­gleich auf­grund des rei­nen Ent­schä­di­gungs­cha­rak­ters nicht in Betracht [20].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 18. Mai 2011 – XII ZB 139/​09

  1. Lan­des­ge­setz über die Zah­lung eines Ehren­sol­des an frü­he­re ehren­amt­li­che Bür­ger­meis­ter, Bei­geord­ne­te und Orts­vor­ste­her (Ehren­soldG), GVBl. RP 1972, 367, zuletzt geän­dert durch Gesetz vom 20.10.2010 – GVBl. RP S. 319[]
  2. OLG Koblenz, FamRZ 2010, 212[]
  3. GVBl. RP 1994, 153[]
  4. all­ge­mei­ne Mei­nung: Stegmüller/​Schmalhofer/​Bauer Beam­ten­ver­sor­gungs­recht des Bun­des und der Län­der § 68 Rn. 1; aA ohne nähe­re Begrün­dung FAKommFamR/​Rehme 03. Aufl. § 1587 a Rn. 23; Staudinger/​Rehme [2004] § 1587 a BGB Rn. 125[]
  5. frü­her aus­drück­lich: § 115 Abs. 2 BRRG; vgl. Erman/​Wellenhofer BGB 12. Aufl. § 1587 a Rn. 13; Johannsen/​Henrich/​Hahne Ehe­recht 04. Aufl. § 1587 a Rn. 20; Klat­ten­hoff in: Rahm/​Künkel Hand­buch des Fami­li­en­ge­richts­ver­fah­rens 04. Aufl. V Rn. 172; MünchKommBGB/​Gräper 05. Aufl. § 1587 a Rn. 37; Stegmüller/​Schmalhofer/​Bauer Beam­ten­ver­sor­gungs­recht des Bun­des und der Län­der § 68 Rn. 1; Wick Der Ver­sor­gungs­aus­gleich 02. Aufl. Rn. 121[]
  6. Johannsen/​Henrich/​Hahne Ehe­recht 04. Aufl. § 1587 Rn. 9[]
  7. BGH, Beschluss vom 01.06.1988 – IVb ZB 132/​85FamRZ 1988, 936, 937; Johannsen/​Henrich/​Hahne Ehe­recht 04. Aufl. § 1587 Rn. 13; Palandt/​Brudermüller BGB 68. Aufl. § 1587 Rn. 5; Wick Der Ver­sor­gungs­aus­gleich 02. Aufl. Rn. 38[]
  8. Wick Der Ver­sor­gungs­aus­gleich 02. Aufl. Rn. 38[]
  9. BGH, Beschlüs­se vom 14.03.2007 – XII ZB 36/​05FamRZ 2007, 889 Rn. 13 und vom 01.06.1988 – IVb ZB 132/​85FamRZ 1988, 936, 938; Palandt/​Brudermüller BGB 68. Aufl. § 1587 Rn. 6[]
  10. Johannsen/​Henrich/​Hahne Ehe­recht 04. Aufl. § 1587 Rn. 14[]
  11. grund­sätz­lich[]
  12. Borth Ver­sor­gungs­aus­gleich 04. Aufl. Rn. 142; MünchKommBGB/​Gräper 05. Aufl. § 1587 a Rn. 37; zum VersAus­glG: Borth, Ver­sor­gungs­aus­gleich 05. Aufl. Rn. 199; FAKommFamR/​Wick 04. Aufl. § 2 VersAus­glG Rn. 13; Johannsen/​Henrich/​Hahne Fami­li­en­recht 05. Aufl. § 2 VersAus­glG Rn. 5[]
  13. zusätz­li­che[]
  14. vgl. OVG Rhein­land­Pfalz RiA 1999, 149, 150; jeweils zum ähn­lich aus­ge­stal­te­ten Ehren­sold in Bay­ern nach dem KWBG: BSGE 50, 231, 234 f.; VG Mün­chen Urteil vom 27.07.2004 – M 5 K 03.5309 – juris Rn. 20 f.; Klat­ten­hoff in: Rahm/​Künkel Hand­buch des Fami­li­en­ge­richts­ver­fah­rens 04. Aufl. V Rn. 172[]
  15. so auch VG Mün­chen Urteil vom 27.07.2004 – M 5 K 03.5309 – juris Rn. 20[]
  16. OVG Rhein­land­Pfalz RiA 1999, 149, 150; VG Mün­chen Urteil vom 27.07.2004 – M 5 K 03.5309 – juris Rn. 20[]
  17. BVerwG, Buch­holz 230 § 115 BRRG Nr. 2[]
  18. BSGE 50, 231, 234 f.; OVG Rhein­land­Pfalz RiA 1999, 149, 150; VG Mün­chen Urteil vom 27.07.2004 – M 5 K 03.5309 – juris Rn. 20 f.; Borth Ver­sor­gungs­aus­gleich 04. Aufl. Rn. 142; Erman/​Wellenhofer BGB 12. Aufl. § 1587 a Rn. 13; Hoppenz/​Triebs Fami­li­en­sa­chen 08. Aufl. A I § 1587 a Rn. 30; Johannsen/​Henrich/​Hahne Ehe­recht 04. Aufl. § 1587 a Rn. 20; Klat­ten­hoff in: Rahm/​Künkel Hand­buch des Fami­li­en­ge­richts­ver­fah­rens 04. Aufl. V Rn. 172; Maier/​Michaelis Ver­sor­gungs­aus­gleich in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung 08. Aufl. Anm.02.4; Palandt/​Brudermüller BGB 68. Aufl. § 1587 a Rn. 17; Schwab/​Hahne Hand­buch des Schei­dungs­rechts 05. Aufl. Teil VI Rn. 63 a[]
  19. mit die­sen Argu­men­ten: Borth Ver­sor­gungs­aus­gleich 04. Aufl. Rn. 142; 05. Aufl. Rn. 199; Erman/​Wellenhofer BGB 12. Aufl. § 1587 a Rn. 13; Klat­ten­hoff in: Rahm/​Künkel Hand­buch des Fami­li­en­ge­richts­ver­fah­rens 04. Aufl. V Rn. 172[]
  20. vgl. Johannsen/​Henrich/​Hahne Ehe­recht 04. Aufl. § 1587 Rn. 14 zur Dienst­un­fall­für­sor­ge[]