Rück­for­de­rung über­zahl­ter Betreu­er­ver­gü­tung – und der Ver­trau­ens­grund­satz

Einer Rück­for­de­rung über­zahl­ter Betreu­er­ver­gü­tung kann der Ver­trau­ens­grund­satz ent­ge­gen­ste­hen, wenn eine Abwä­gung ergibt, dass dem Ver­trau­en des Berufs­be­treu­ers auf die Bestän­dig­keit der ein­ge­tre­te­nen Ver­mö­gens­la­ge gegen­über dem öffent­li­chen Inter­es­se an der Wie­der­her­stel­lung einer dem Gesetz ent­spre­chen­den Ver­mö­gens­la­ge der Vor­rang ein­zu­räu­men ist [1].

Rück­for­de­rung über­zahl­ter Betreu­er­ver­gü­tung – und der Ver­trau­ens­grund­satz

Zwar ist die Staats­kas­se dem Grund­satz der Gesetz­mä­ßig­keit der Ver­wal­tung ver­pflich­tet, so dass ihr Inter­es­se dar­auf gerich­tet sein muss, eine ohne Rechts­grund ein­ge­tre­te­ne Ver­mö­gens­ver­schie­bung zu besei­ti­gen und den recht­mä­ßi­gen Zustand wie­der­her­zu­stel­len. Nach­dem das Gericht in dem Fest­set­zungs­ver­fah­ren nach § 168 Abs. 1 Satz 1 FamFG nicht an die vor­an­ge­gan­ge­ne Anwei­sung der Betreu­er­ver­gü­tung im Wege des ver­ein­fach­ten Jus­tiz­ver­wal­tungs­ver­fah­rens gebun­den ist, kann die zu viel gezahl­te Betreu­er­ver­gü­tung grund­sätz­lich zurück­ge­for­dert wer­den [2].

Jedoch kann einer (Neu)Festsetzung der Betreu­er­ver­gü­tung, wel­che eine Rück­for­de­rung über­zahl­ter Beträ­ge zur Fol­ge hät­te, im Ein­zel­fall der Ver­trau­ens­grund­satz ent­ge­gen­ste­hen, wenn das Ver­trau­en des Betreu­ers auf die Bestän­dig­keit einer ihm in der Ver­gan­gen­heit rechts­wid­rig gewähr­ten Ver­gü­tung schutz­wür­dig ist. Der Ver­trau­ens­schutz ist bereits bei der Fest­set­zung der Betreu­er­ver­gü­tung im gericht­li­chen Ver­fah­ren nach § 168 Abs. 1 Satz 1 FamFG zu prü­fen, denn mit der gericht­li­chen Fest­set­zung der Ver­gü­tung wird im Fal­le bereits zuviel erhal­te­ner Leis­tun­gen zugleich der Rechts­grund für deren Rück­for­de­rung geschaf­fen [3].

Der öffent­lich­recht­li­che Erstat­tungs­an­spruch auf Rück­for­de­rung über­zahl­ter Betreu­er­ver­gü­tung kann ent­fal­len, wenn eine Abwä­gung im Ein­zel­fall ergibt, dass dem Ver­trau­en des Berufs­be­treu­ers auf die Bestän­dig­keit der ein­ge­tre­te­nen Ver­mö­gens­la­ge gegen­über dem öffent­li­chen Inter­es­se an der Wie­der­her­stel­lung einer dem Gesetz ent­spre­chen­den Ver­mö­gens­la­ge der Vor­rang ein­zu­räu­men ist. In die­sem Fall ist schon eine abwei­chen­de Fest­set­zung im gericht­li­chen Fest­set­zungs­ver­fah­ren aus­ge­schlos­sen [4].

Bei der Beur­tei­lung, ob im Rah­men der Her­ab­set­zung der Betreu­er­ver­gü­tung das Ver­trau­en des Betreu­ers in die Bestän­dig­keit der ein­ge­tre­te­nen Ver­mö­gens­la­ge schüt­zens­wert ist, hat der Bun­des­ge­richts­hof im Aus­gangs­punkt dar­an ange­knüpft, dass ein Betreu­er grund­sätz­lich dann mit einer spä­te­ren Ände­rung der im Ver­wal­tungs­we­ge erfolg­ten Aus­zah­lungs­an­ord­nung rech­nen muss, wenn er die förm­li­che Fest­set­zung sei­ner Ver­gü­tung nicht selbst bean­tragt hat­te [5].

Im vor­lie­gen­den Fall hat das Land­ge­richt Lüne­burg die Ver­gü­tungs­an­trä­ge der Betreue­rin in recht­lich nicht zu bean­stan­den­der Wei­se dahin aus­ge­legt, dass bereits von vorn­her­ein eine förm­li­che Fest­set­zung der Ver­gü­tung durch Beschluss bean­tragt war (§ 292 Abs. 1 iVm § 168 Abs. 1 Satz 1 FamFG), und anknüp­fend dar­an ange­nom­men, dass eine Rück­for­de­rung bereits ver­brauch­ter über­zahl­ter Betreu­er­ver­gü­tung nach Treu und Glau­ben unter dem Gesichts­punkt des Ver­trau­ens­schut­zes aus­ge­schlos­sen sei [6]. Dage­gen ist für den Bun­des­ge­richts­hof aus Rechts­grün­den nichts zu erin­nern.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 11. Dezem­ber 2019 – XII ZB 129/​19

  1. im Anschluss an BGH, Beschlüs­se vom 13.11.2019 – XII ZB 106/​19; und vom 06.11.2013 – XII ZB 86/​13, FamRZ 2014, 113[]
  2. BGH, Beschluss vom 18.02.2015 – XII ZB 563/​14, FamRZ 2015, 845 Rn. 17[]
  3. BGH, Beschluss vom 18.02.2015 – XII ZB 563/​14, FamRZ 2015, 845, Rn. 18, mwN[]
  4. BGH, Beschlüs­se vom 13.11.2019 – XII ZB 106/​19; und vom 18.02.2015 – XII ZB 563/​14, FamRZ 2015, 845, Rn.19, mwN[]
  5. BGH, Beschluss vom 06.11.2013 – XII ZB 86/​13, FamRZ 2014, 113, Rn. 29[]
  6. LG Lüne­burg, Beschluss vom 11.03.2019 – 8 T 23/​19 und 8 T 48/​19[]