Schei­dung: wem gehört der Hund?

Bei Schei­dungs­hun­den besteht kein gesetz­li­cher Anspruch auf die Rege­lung eines Umgangs­rech­tes mit dem Hund. Eine Zutei­lung von im Allein­ei­gen­tum eines Ehe­gat­ten ste­hen­den Haus­halts­ge­gen­stän­den – und damit auch Tie­ren – anläss­lich der Schei­dung an den ande­ren Ehe­part­ner ist nicht gesetz­lich vor­ge­se­hen.

Schei­dung: wem gehört der Hund?

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Zuwei­sung eines Hun­des nach der Schei­dung der Hun­de­hal­ter an die Ehe­frau ver­neint. Die seit Sep­tem­ber 2018 geschie­de­ne Ehe­frau hat die von den Ehe­leu­ten bereits vor­ehe­lich ange­schaff­te Labra­dor­hün­din L. bereits nach der Tren­nung 2016 und erneut nach dem Schei­tern einer zunächst erst­in­stanz­lich ver­ein­bar­ten Umgangs­ver­ein­ba­rung her­aus­ver­langt. Nach­dem sich die Ehe­leu­te noch in einer ers­ten münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Fami­li­en­ge­richt Sig­ma­rin­gen über einen regel­mä­ßi­gen Umgang des Frau­chens mit L. geei­nigt hat­ten, hat­te das Fami­li­en­ge­richt nach einem strei­ti­gen zwei­ten Ver­hand­lungs­ter­min den Antrag der Ehe­frau auf Her­aus­ga­be und Umgang mit L. zurück­ge­wie­sen 1. Um ihr Ziel wei­ter zu ver­fol­gen hat die Ehe­frau Beschwer­de ein­ge­legt.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Stutt­gart habe die Ehe­frau ihr Eigen­tum oder ein gemein­sa­mes Eigen­tum an der Hün­din nicht nach­ge­wie­sen. Viel­mehr sei aus dem Abga­be­ver­trag des Tier­hil­fe­ver­eins, bei dem die spä­te­ren Ehe­leu­te den Wel­pen kurz vor der Hei­rat gekauft hat­ten, ersicht­lich, dass der Ehe­mann Eigen­tü­mer von L. gewor­den sei. Dar­an ände­re auch die Tat­sa­che, dass die Beschwer­de­füh­re­rin sich um L. wie ein Kind geküm­mert haben will, nichts.

Dar­über hin­aus ver­weist das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart auf sei­ne frü­he­re Recht­spre­chung aus dem Jahr 2014 zur Zuwei­sung der Mal­te­s­er­hün­din Bab­si wäh­rend des Getrennt­le­bens von Ehe­leu­ten, wonach auf Tie­re gemäß § 90 a Satz 3 BGB grund­sätz­lich die für Sachen gel­ten­den Vor­schrif­ten des Bür­ger­li­chen Gesetz­bu­ches (BGB) anzu­wen­den sind. Die Zuwei­sung eines Hun­des nach der Schei­dung rich­te sich somit nach der für Haus­halts­ge­gen­stän­de gel­ten­den Vor­schrift des § 1568 b Abs. 1 BGB, die eine gericht­li­che Über­las­sung an einen Ehe­part­ner nur bei im gemein­sa­men Eigen­tum ste­hen­den Haus­halts­ge­gen­stän­den vor­sieht. Dem­ge­gen­über ist eine Zutei­lung von im Allein­ei­gen­tum eines Ehe­gat­ten ste­hen­den Haus­halts­ge­gen­stän­den – und damit auch Tie­ren – anläss­lich der Schei­dung an den ande­ren Ehe­part­ner nicht mehr gesetz­lich vor­ge­se­hen. Außer­dem sei nach der Über­zeu­gung des Ober­lan­des­ge­richts selbst bei nach­ge­wie­se­nem Mit­ei­gen­tum der Beschwer­de­füh­re­rin aus Kon­ti­nui­täts­grün­den rund 3 Jah­re nach der Tren­nung der Ehe­leu­te eine Auf­ent­halts­ver­än­de­rung von L. nicht tier­wohl­ad­äquat. L. leb­te seit­her beim Ehe­mann im frü­he­ren ehe­ge­mein­sa­men Haus mit gro­ßem Gar­ten im Land­kreis Sig­ma­rin­gen.

Wei­ter­hin hat das Ober­lan­des­ge­richt auch die Fest­stel­lun­gen des Fami­li­en­ge­richts, dass ein gesetz­li­cher Anspruch auf die Rege­lung eines Umgangs­rech­tes mit dem Hund nicht bestehe, bestä­tigt. Ein der­ar­ti­ges Recht las­se sich weder aus der Haus­rats­ver­ord­nung noch aus den gesetz­li­chen Rege­lun­gen zum Umgangs­recht mit Kin­dern her­lei­ten.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 16. April 2019 – 18 UF 57/​19

  1. AG Sig­ma­rin­gen, Urteil vom 06.02.2019 – 1 F 36/​17[]