Schei­dungs­ter­min

Der Bun­des­ge­richts­hof setzt sei­ne neue Recht­spre­chung zur Ter­mins­be­stim­mung in Schei­dungs­sa­chen fort und nimmt dabei auch zu der Fra­ge der Frist­be­rech­nung bei soge­nann­ten rück­wärts lau­fen­den Wochen­fris­ten Stel­lung: Das Fami­li­en­ge­richt hat den Ter­min in einer Schei­dungs­sa­che so zu bestim­men, dass es den betei­lig­ten Ehe­gat­ten nach Zugang der Ladung mög­lich ist, unter Ein­hal­tung der Zwei­wo­chen­frist nach § 137 Abs. 2 Satz 1 FamFG eine Fol­ge­sa­che anhän­gig zu machen. Zur Vor­be­rei­tung eines Antrags muss den Ehe­gat­ten zusätz­lich eine Woche zur Ver­fü­gung ste­hen 1.

Schei­dungs­ter­min

Die Zwei­wo­chen­frist gemäß § 137 Abs. 2 Satz 1 FamFG ist gemäß § 113 Abs. 1 Satz 2 FamFG nach den All­ge­mei­nen Vor­schrif­ten der Zivil­pro­zess­ord­nung, mit- hin gemäß § 222 ZPO iVm § 188 Abs. 2 BGB zu berech­nen. Die­se Rege­lun­gen sind auf rück­wärts zu rech­nen­de Fris­ten ent­spre­chend anzu­wen­den 2. Der Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung führt zu einem rück­wärts­ge­rich­te­ten Beginn der Frist gemäß § 187 Abs. 1 BGB und endet daher um 0.00 Uhr des sei­ner Benen­nung ent­spre­chen­den Wochen­ta­ges. Vom Ter­mins­tag (Don­ners­tag, 20.01.2011) zurück gerech­net, hät­te der Schrift­satz in der Fol­ge­sa­che Güter­recht somit zur Wah­rung der Frist vor dem 6.01.2011 (0.00 Uhr), mit­hin noch am Mitt­woch, dem 5.01.2011 beim Fami­li­en­ge­richt ein­ge­hen müs­sen 3.

Die den betei­lig­ten Ehe­gat­ten zum Zweck der Vor­be­rei­tung zusätz­lich ein­zu­räu­men­de Frist von einer Woche ent­spricht der Ladungs­frist gemäß §§ 113 Abs. 1 Satz 2 FamFG, 217 ZPO 4. Sie ist auch ent­spre­chend zu berech­nen. Nach § 217 ZPO muss eine Frist von einer Woche zwi­schen der Zustel­lung der Ladung und dem Ter­mins­tag lie­gen. Dabei wird der Tag des die Frist aus­lö­sen­den Ereig­nis­ses (§§ 222 ZPO, 187 Abs. 1 BGB) eben­so wie der Ter­mins­tag selbst nicht ein­ge­rech­net 5.

Rechts­fol­ge eines Ver­sto­ßes ist nach der genann­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ein Anspruch auf Ter­mins­ver­le­gung. Einer Ter­mins­ver­le­gung bedarf es aller­dings nicht, wenn die Ehe­gat­ten die Fol­ge­sa­chen noch in dem Ter­min anhän­gig machen. Die Fol­ge­sa­chen wer­den dann Bestand­teil des Schei­dungs­ver­bunds 6.

Im vor­lie­gend vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall hat das Ober­lan­des­ge­richt offen­ge­las­sen, ob das Amts­ge­richt über die Fol­ge­sa­che Güter­recht bereits abschlie­ßend ent­schie­den hat oder ob die Zurück­wei­sung des Antrags ledig­lich die Wir­kung einer Abtren­nung aus dem Schei­dungs­ver­bund haben soll­te. Dar­auf kommt es in bei­den Rechts­mit­tel- zügen nicht an, weil der Schei­dungs­aus­spruch in bei­den Fäl­len glei­cher- maßen ver­fah­rens­feh­ler­haft ist. Wenn es sich näm­lich der Sache nach um eine Abtren­nung han­deln soll­te, wäre die­se nicht zuläs­sig gewe­sen, dann hät­te das Amts­ge­richt einen unzu­läs­si­gen Teil­be­schluss über die Schei­dung (und den Ver­sor­gungs­aus­gleich) erlas­sen 7. Wenn das Amts­ge­richt den Antrag hin­ge­gen in der Fol­ge­sa­che abschlie­ßend zurück­ge­wie­sen hät­te, wäre dies eben­falls ver­fah­rens­feh­ler­haft, weil die Anträ­ge zum Zuge­winn­aus­gleich nach § 137 FamFG in zuläs­si­ger Wei­se anhän­gig gemacht wor­den und somit als Fol­ge­sa­che zu behan­deln sind, über die im Rah­men der Ver­bund­ent­schei­dung in der Sache hät­te ent­schie­den wer­den müs­sen. Eine sol­che Ent­schei­dung kommt in der Sache einem unzu­läs­si­gen Teil­be­schluss über die Schei­dung gleich.

Der ange­foch­te­ne Beschluss ist dem­nach gemäß § 74 Abs. 5 FamFG auf­zu­he­ben. Auf die Beschwer­de der Ehe­frau ist der Beschluss des Amts­ge­richts ent­spre­chend dem Antrag der Rechts­be­schwer­de mit sei­nen Aus­sprü­chen zur Fol­ge­sa­che Güter­recht (I) und zur Schei­dung (II) auf­zu­he­ben (§§ 117 Abs. 2 Satz 1 FamFG, 538 Abs. 2 Satz 1 Nr. 7 ZPO). Die Ent­schei­dung zum Ver­sor­gungs­aus­gleich ist nicht ange­foch­ten wor­den (vgl. §§ 142 Abs. 2 Satz 1, 148 FamFG). Das Ver­fah­ren ist an das Amts­ge­richt zurück­zu­ver­wei­sen, das die Fol­ge­sa­che Güter­recht im Schei­dungs­ver­bund fort­zu­füh­ren hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 5. Juni 2013 – XII ZB 427/​11

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 21.03.2012 – XII ZB 447/​10 Fam­RZ 2012, 863[]
  2. Staudinger/​Repgen BGB [2009] § 187 Rn. 7[]
  3. vgl. Krau­se NJW 1999, 1448, 1449; Staudinger/​Repgen BGB [2009] § 187 Rn. 7; OLG Braun­schweig Fam­RZ 2012, 892, 893; OLG Bran­den­burg Fam­RZ 2012, 892[]
  4. BGH, Beschluss vom 21.03.2012 XII ZB 447/​10 Fam­RZ 2012, 863 Rn. 23 f.[]
  5. Münch­Komm-ZPO/Gehr­lein 4. Aufl. § 217 Rn. 5; Musielak/​Stadler ZPO 10. Aufl. § 217 Rn. 5; Thomas/​Putzo/​Hüßtege ZPO 34. Aufl. § 217 Rn. 3[]
  6. BGH, Beschluss vom 21.03.2012 – XII ZB 447/​10 Fam­RZ 2012, 863 Rn. 25[]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 01.10.2008 – XII ZR 172/​06 Fam­RZ 2008, 2268 Rn.20 mwN; Keidel/​Weber FamFG 17. Aufl. § 140 Rn. 21[]