Schwei­gen im Betreu­ungs­ver­fah­ren – und die Bekannt­ga­be der Ent­schei­dung

Der Beschluss des Amts­ge­richts über die Auf­he­bung der Betreu­ung der Betrof­fe­nen muss die­ser gemäß § 41 Abs. 1 Satz 2 FamFG förm­lich zuge­stellt wer­den, wenn die Auf­he­bung der Betreu­ung nicht dem erklär­ten Wil­len der Betrof­fe­nen ent­spro­chen hat.

Schwei­gen im Betreu­ungs­ver­fah­ren – und die Bekannt­ga­be der Ent­schei­dung

So auch in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall:

Die letz­te akten­kun­di­ge per­sön­li­che Äuße­rung der Betrof­fe­nen im Rah­men ihrer Anhö­rung zum Betreu­erwech­sel durch die Betreu­ungs­rich­te­rin am 26.10.2016 ging dahin, dass sie zwar kei­ne Erwei­te­rung der Betreu­ung wün­sche, die bestehen­de Betreu­ung durch ihre Schwie­ger­toch­ter aber fort­ge­führt wer­den sol­le. Spä­te­re ent­ge­gen­ste­hen­de Wil­lens­äu­ße­run­gen der Betrof­fe­nen in Bezug auf den Fort­be­stand der recht­li­chen Betreu­ung sind nicht ersicht­lich. Nach­dem die Schwie­ger­toch­ter um Ent­las­sung aus dem Amt der Betreue­rin gebe­ten hat­te, ist die Betrof­fe­ne zu einem spä­te­ren Anhö­rungs­ter­min betref­fend den neu­er­li­chen Betreu­erwech­sel nicht erschie­nen. Auf ein Schrei­ben des Amts­ge­richts vom 28.08.2017, wonach im Hin­blick auf zwi­schen­zeit­lich von der Enkel­toch­ter der Betrof­fe­nen bei ver­schie­de­nen Gele­gen­hei­ten vor­ge­leg­te Voll­mach­ten von einem Ein­ver­ständ­nis mit der Auf­he­bung der Betreu­ung aus­ge­gan­gen wer­de, hat die nach Akten­la­ge des Lesens nicht kun­di­ge Betrof­fe­ne nicht reagiert. Aus dem blo­ßen Schwei­gen auf eine Äuße­rung des Gerichts lässt sich aber nicht der Schluss zie­hen, dass der Betei­lig­te mit einer ange­kün­dig­ten Ent­schei­dung ein­ver­stan­den wäre 1.

Die vom Amts­ge­richt ver­füg­te Bekannt­ga­be der Ent­schei­dung durch Auf­ga­be zur Post (§ 15 Abs. 2 Satz 1 FamFG) war daher ver­fah­rens­feh­ler­haft. Das Unter­blei­ben einer gemäß § 41 Abs. 1 Satz 2 FamFG erfor­der­li­chen förm­li­chen Zustel­lung führt zur Unwirk­sam­keit der Bekannt­ga­be, wes­halb die ein­mo­na­ti­ge Beschwer­de­frist (§ 63 Abs. 1 FamFG) nicht nach § 63 Abs. 3 Satz 1 FamFG in Lauf gesetzt wor­den ist 2.

Ob und zu wel­chem Zeit­punkt der ange­foch­te­ne Beschluss der Betrof­fe­nen oder ihrem Bevoll­mäch­tig­ten tat­säch­lich zuge­gan­gen ist, bedarf kei­ner nähe­ren Auf­klä­rung. Denn die Hei­lung einer feh­ler­haf­ten Zustel­lung (§ 189 ZPO) kommt nach all­ge­mei­ner Ansicht nur beim Vor­lie­gen eines Zustel­lungs­wil­lens in Betracht, mit­hin dann, wenn eine form­ge­rech­te Zustel­lung von dem Gericht wenigs­tens ange­strebt wor­den ist 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 19. Febru­ar 2020 – XII ZB 291/​19

  1. vgl. Keidel/​MeyerHolz FamFG 20. Aufl. § 41 Rn. 8[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 24.10.2018 XII ZB 188/​18 FamRZ 2019, 477 Rn. 11 mwN[]
  3. vgl. BGHZ 214, 294 = NJW 2017, 2472 Rn. 35 und BGH Urteil vom 19.05.2010 – IV ZR 14/​08 FamRZ 2010, 1328 Rn. 17; Prütting/​Helms/​AhnRoth FamFG 4. Aufl. § 15 Rn. 53[]