Streit­wert des Stu­fen­an­trags

Maß­geb­lich für den Streit­wert des Stu­fen­an­trags sind die Vor­stel­lun­gen des Antrag­stel­lers zur Höhe des Leis­tungs­an­spruchs bei Ein­lei­tung des Ver­fah­rens; dies gilt auch dann, wenn der Antrag­stel­ler zunächst nicht dazu auf­ge­for­dert wird, sich zu die­sen Vor­stel­lun­gen zu äußern und dies erst nach Abschluss des Ver­fah­rens nach­holt.

Streit­wert des Stu­fen­an­trags

Aus­gangs­punkt der recht­li­chen Über­le­gun­gen ist zunächst, –wie auch das Amts­ge­richts –Fami­li­en­ge­richt- zutref­fend aus­ge­führt hat- dass bei einem Stu­fen­an­trag, bei der mit dem Antrag auf Rech­nungs­le­gung oder auf Vor­la­ge eines Ver­mö­gens­ver­zeich­nis­ses und Abga­be einer eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung der Antrag auf Her­aus­ga­be des­je­ni­gen ver­bun­den ist, was der Antrags­geg­ner aus dem zugrun­de lie­gen­den Rechts­ver­hält­nis schul­det, gemäß § 38 FamG­KG für den Ver­fah­rens­wert nur einer der ver­bun­de­nen Ansprü­che, und zwar der höhe­re, maß­ge­bend ist. Die­ses Addi­ti­ons­ver­bot beruht auf dem Umstand, dass Rech­nungs­le­gung bzw. Vor­la­ge eines Ver­mö­gens­ver­zeich­nis­ses und Abga­be einer eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung den Leis­tungs­an­spruch nur vor­be­rei­ten, das Inter­es­se des Antrag­stel­ler an dem gan­zen Ver­fah­ren aber in der Regel auf den Wert der Leis­tun­gen beschränkt ist, die er als Ergeb­nis der Aus­kunft bean­sprucht, so dass für den Ver­fah­rens­wert des Stu­fen­an­tra­ges letzt­end­lich der Zah­lungs­an­spruch maß­ge­bend ist 1.

Dies gilt nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Hamm auch in dem Fall, in dem die wei­te­ren Stu­fen, ins­be­son­de­re der Zah­lungs­an­spruch, nicht wei­ter ver­folgt wer­den 2. Soweit in der Recht­spre­chung die Auf­fas­sung ver­tre­ten wird, der Wert der Stu­fen­kla­ge rich­te sich allein nach der Aus­kunfts­stu­fe, wenn es nach Aus­kunfts­er­tei­lung nicht mehr zur Bezif­fe­rung kom­me 3, folgt das Ober­lan­des­ge­richt Hamm die­ser Auf­fas­sung nicht. Denn nach § 34 Satz 1 FamG­KG ist für die Wert­be­rech­nung der Zeit­punkt der Ein­rei­chung des Antrags maß­ge­bend. Mit Ein­rei­chung eines Stu­fen­an­tra­ges wird aber auch der unbe­zif­fer­te Zah­lungs­an­trag anhän­gig 4. Auch wenn es nicht mehr zu einer Bezif­fe­rung des Leis­tungs­an­tra­ges kommt, ist des­halb der Ver­fah­rens­wert des Leis­tungs­an­trags maß­ge­bend und nach bil­li­gem Ermes­sen gemäß § 42 Abs. 1 FamG­KG zu bestim­men.

Bei der Aus­übung des Ermes­sens ist das wirt­schaft­li­che Inter­es­se des Antrag­stel­lers an der Rechts­ver­fol­gung, und zwar bezo­gen auf den Zeit­punkt der Antrags­ein­rei­chung (§ 34 FamG­KG), ent­schei­dend. Die Bewer­tung des Zah­lungs­an­spruchs hat sich des­halb an den Vor­stel­lun­gen des Antrag­stel­lers bei Ein­lei­tung des Ver­fah­rens zu ori­en­tie­ren. Eine auf nach­fol­gen­de Erkennt­nis­se beru­hen­de Prü­fung soll ver­mie­den wer­den, wenn und soweit es nicht zu einer Bezif­fe­rung der Leis­tungs­stu­fe gekom­men ist 5.

Im Streit­fall lässt sich der Antrags­schrift nicht ent­neh­men, wel­che Vor­stel­lun­gen der Antrag­stel­ler zu die­ser Zeit über die Höhe sei­nes gegen­über der Antrags­geg­ne­rin zuste­hen­den Zuge­winn­aus­gleichs­an­spruchs hat­te. Auch aus den nach­fol­gen­den Schrift­sät­zen oder dem außer­pro­zes­sua­len Schrift­ver­kehr, auf die im Rah­men der frei­en Ermes­sens­aus­übung eben­falls zurück­ge­grif­fen wer­den kann, las­sen sich die ursprüng­li­chen Vor­stel­lun­gen des Antrag­stel­lers nicht ermit­teln 6.

Soweit der Antrag­stel­ler mit einem spä­te­ren Schrift­satz einen Zuge­winn­aus­gleichs­an­spruch von 85.000,00 € errech­net, ist die­ses für die Ver­fah­rens­wert­be­mes­sung unbe­acht­lich, da er die­se Vor­stel­lung erst im Lau­fe des Ver­fah­rens gewon­nen hat.

Dem Rück­griff auf die Auf­fang­norm des § 42 Abs. 3 FamG­KG steht jedoch nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Hamm ent­ge­gen, dass der Antrag­stel­ler im Rah­men sei­ner Beschwer­de­schrift wei­ter vor­trägt, er habe die Vor­stel­lung gehabt, dass der Zuge­winn der Antrags­geg­ne­rin sich ins­be­son­de­re aus dem Wert der in ihrem Eigen­tum ste­hen­den Immo­bi­lie (100.000,00 €) erge­ben wer­de, denn die­se Vor­stel­lung war nach sei­nem Vor­trag bereits bei Ein­lei­tung des Ver­fah­rens vor­han­den und damit für die Bemes­sung des Ver­fah­rens­wer­tes im Streit­fall zu berück­sich­ti­gen. Der Umstand, dass der Antrag­stel­ler die­se Vor­stel­lung erst im Beschwer­de­ver­fah­ren mit­ge­teilt hat, steht dem nicht ent­ge­gen, solan­ge er die­se Vor­stel­lun­gen bereits bei Antrag­stel­lung gehabt hat. Davon ist nach dem bis­he­ri­gen Sach- und Streit­stand aus­zu­ge­hen. Da die Höhe des Aus­gleichs­an­spruchs in der Hälf­te des erlang­ten Zuge­winns liegt, erscheint ein Ver­fah­rens­wert von 40.000,00 € ange­mes­sen.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Beschluss vom 5. Sep­tem­ber 2014 – 6 WF 93/​14

  1. vgl. Zöl­ler- Her­get, ZPO, 30. Aufl., § 3 Rdnr. 16 Stich­wort: Stu­fen­kla­ge[]
  2. so auch OLG Bran­den­burg AGS 2009, 134; OLG Karls­ru­he Fam­RZ 2008, 1205; OLG Koblenz OLGR 2008, 490; KG Ber­lin Fam­RZ 2007, 69; OLG Cel­le MDR 2003, 55; OLG Dres­den, MDR 1998, 64; Zöl­ler- Her­get, ZPO, 30. Aufl., § 3 Rdnr. 16 Stich­wort: Stu­fen­kla­ge[]
  3. so OLG Stutt­gart OLGR 2009, 267; OLG Dres­den, MDR 1997, 691; OLG Frank­furt Jur­Bü­ro 1987, 878[]
  4. vgl. BGH NJW 1991, 1893[]
  5. OLG Hamm Fam­RZ 2004, 1664; OLG Bran­den­burg a.a.O.[]
  6. vgl. OLG Bran­den­burg a.a.O.[]