Stu­fen­kla­ge und die Ver­jäh­rungs­hem­mung beim Zuge­winn­aus­gleich

Die Stu­fen­kla­ge hemmt die Ver­jäh­rung des Anspruchs auf Zuge­winn­aus­gleich auch dann, wenn im Aus­kunfts­an­trag ein fal­scher Stich­tag für das End­ver­mö­gen genannt ist.

Stu­fen­kla­ge und die Ver­jäh­rungs­hem­mung beim Zuge­winn­aus­gleich

Die Ver­jäh­rungs­frist für den Anspruch der Klä­ge­rin gegen ihren geschie­de­nen Ehe­gat­ten auf Zuge­winn­aus­gleich nach § 1378 Abs. 1 BGB betrug gemäß dem bis zum 31. Dezem­ber 2009 gel­ten­den § 1378 Abs. 4 Satz 1 BGB drei Jah­re; nach die­ser Vor­schrift begann die Frist mit dem Zeit­punkt, in dem der Ehe­gat­te erfuhr, dass der Güter­stand been­det war. Der Güter­stand ende­te im Fall der Schei­dung mit der for­mel­len Rechts­kraft des Schei­dungs­aus­spruchs [1].

Mit Inkraft­tre­ten des Schuld­recht­mo­der­ni­sie­rungs­ge­set­zes fin­den seit dem 1. Janu­ar 2002 gemäß Art. 229 § 6 Abs. 1 Satz 1 EGBGB die Vor­schrif­ten des Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs über die Ver­jäh­rung in der seit dem 1. Janu­ar 2002 gel­ten­den Fas­sung auf die an die­sem Tag bestehen­den und noch nicht ver­jähr­ten Ansprü­che Anwen­dung, ins­be­son­de­re auch § 204 BGB in der seit dem 1. Janu­ar 2002 gel­ten­den Fas­sung.

Kei­ne Rol­le im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren spiel­te für den Bun­des­ge­richts­hof hin­ge­gen die Auf­he­bung des § 1378 Abs. 4 BGB durch das zum 31. Dezem­ber 2009 in Kraft getre­te­ne Gesetz zur Ände­rung des Erb- und Ver­jäh­rungs­rechts vom 24.09.2009 [2], da der vor­lie­gen­de Fall aus­schließ­lich in die Zeit bis 2009 fällt (Art. 229 § 23 Abs. 1 Satz 1 EGBGB).

Wird – wie hier – eine Stu­fen­kla­ge (§ 254 ZPO) erho­ben, bei wel­cher sich der Klä­ger die Anga­be der Leis­tun­gen, die er bean­sprucht, vor­be­hält, erfasst die Hem­mung der Ver­jäh­rung gemäß § 204 Abs. 1 Nr. 1 Fall 1 BGB den gel­tend gemach­ten unbe­zif­fer­ten Anspruch auf Leis­tung in jeder Höhe [3]. Das gilt auch dann, wenn ein fal­scher Stich­tag für die Aus­kunfts­er­tei­lung ange­ge­ben wird.

In der Recht­spre­chung ist strei­tig, ob die Ver­jäh­rung des Anspruchs auf Zuge­winn­aus­gleich durch eine Stu­fen­kla­ge unter­bro­chen oder gehemmt wird, wenn im Aus­kunfts­an­trag ein fal­scher Stich­tag genannt ist. Das Ober­lan­des­ge­richt Hamm [4] hat die­se Fra­ge in einem Anwalts­re­gress­pro­zess ver­neint, ohne dies aller­dings zu begrün­den. Das Kam­mer­ge­richt [5] und das Ober­lan­des­ge­richt Zwei­brü­cken [6] haben sie in Fami­li­en­sa­chen bejaht. Die­se Gerich­te ver­wei­sen dar­auf, dass der Leis­tungs­an­trag unab­hän­gig vom fal­schen Stich­tag im Aus­kunfts­an­trag wirk­sam erho­ben sei. Der Aus­kunfts­an­trag mit dem fal­schen Stich­tag sei ledig­lich unbe­grün­det; die Berich­ti­gung des Datums füh­re zu kei­nem Wech­sel des Streit­ge­gen­stands des Zah­lungs­an­trags im Sin­ne einer Kla­ge­än­de­rung.

In der Lite­ra­tur ist die Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts Hamm auf kei­ne Zustim­mung gesto­ßen. Selbst die unzu­läs­si­ge Kla­ge unter­bre­che die Ver­jäh­rung für den gel­tend gemach­ten Anspruch gemäß § 209 BGB aF, wenn die Kla­ge­er­he­bung kei­ne Män­gel auf­wei­se, die ihre Wirk­sam­keit beein­träch­tig­ten. Dann aber wer­de erst Recht die Ver­jäh­rung durch eine Kla­ge unter­bro­chen, mit der ein Anspruch gel­tend gemacht wer­de, der nach der für ihn gege­be­nen Begrün­dung unbe­grün­det sei. Die Anga­be des fal­schen Stich­ta­ges mache ledig­lich den Aus­kunfts­an­spruch unbe­grün­det, die Leis­tungs­kla­ge sei wei­ter­hin bestimmt [7].

Der Bun­des­ge­richts­hof hält die­je­ni­ge Auf­fas­sung für rich­tig, die zu einer Hem­mung der Ver­jäh­rung trotz Anga­be eines unrich­ti­gen Stich­tags führt.

Nach § 204 Abs. 1 Nr. 1 Fall 1 BGB wird die Ver­jäh­rung durch die Erhe­bung einer Leis­tungs­kla­ge gehemmt. Dem liegt der Rechts­ge­dan­ke zugrun­de, dass der Gläu­bi­ger durch akti­ves Betrei­ben sei­nes Anspruchs sei­nen Rechts­ver­fol­gungs­wil­len so deut­lich macht, dass der Schuld­ner gewarnt wird und sich auf eine Inan­spruch­nah­me auch nach Ablauf der ursprüng­li­chen Ver­jäh­rungs­frist ein­stel­len muss [8]. Eine Kla­ge, wel­che die Gel­tend­ma­chung des Anspruchs nur vor­be­rei­tet, hemmt hin­ge­gen die Ver­jäh­rung die­ses Anspruchs nicht, ins­be­son­de­re auch nicht eine Kla­ge, deren Ziel sich in der Ertei­lung der Aus­kunft und gege­be­nen­falls Rech­nungs­le­gung erschöpft [9].

Nur die wirk­sam erho­be­ne Leis­tungs­kla­ge ist geeig­net, die Ver­jäh­rung zu hem­men, weil die unwirk­sa­me Kla­ge, die ins­be­son­de­re den Min­dest­an­for­de­run­gen des § 253 Abs. 2 ZPO nicht ent­spricht, nicht als Kla­ge im Sin­ne des Geset­zes ange­se­hen wer­den kann. Im Gegen­satz dazu löst eine wirk­sa­me wenn auch mit Feh­lern behaf­te­te Kla­ge­schrift die Hem­mung aus, gleich ob sie unzu­läs­sig oder unbe­grün­det ist [10]. Denn auch eine unzu­läs­si­ge oder unschlüs­si­ge Kla­ge macht für den Schuld­ner den Rechts­ver­fol­gungs­wil­len des Gläu­bi­gers deut­lich.

Die­se Grund­sät­ze gel­ten auch für die in einer Stu­fen­kla­ge nach § 254 ZPO zusam­men­ge­fass­ten Kla­gen, bei wel­cher der Klä­ger vor­läu­fig sei­ner pro­zes­sua­len Pflicht ent­ho­ben ist, den Leis­tungs­an­trag zu bezif­fern. Wer­den bei ihr die Ansprü­che auf Rech­nungs­le­gung, Vor­la­ge eines Ver­mö­gens­ver­zeich­nis­ses oder Abga­be einer eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung mit dem Anspruch auf Her­aus­ga­be des­je­ni­gen ver­bun­den, was der Beklag­te aus dem zugrun­de­lie­gen­den Rechts­ver­hält­nis schul­det, kann die bestimm­te Anga­be der gefor­der­ten Leis­tung vor­be­hal­ten wer­den, bis die Rech­nung mit­ge­teilt, das Ver­mö­gens­ver­zeich­nis vor­ge­legt oder die eides­statt­li­che Ver­si­che­rung abge­ge­ben ist. Dabei ist die Stu­fen­kla­ge ein Son­der­fall der objek­ti­ven Kla­ge­häu­fung [11].

Ihre Beson­der­heit liegt dar­in, dass der vor­ge­schal­te­te Aus­kunfts­an­trag kei­ne selb­stän­di­ge Bedeu­tung hat, son­dern nur ein Hilfs­mit­tel zur Bezif­fe­rung des eigent­li­chen Kla­ge­ziels, des Zah­lungs­an­tra­ges, ist [12]. Durch die Zustel­lung der Stu­fen­kla­ge wird sofort der in drit­ter Stu­fe erho­be­ne, noch nicht bezif­fer­te Zah­lungs­an­spruch rechts­hän­gig [13].

Eine im Wege der Stu­fen­kla­ge erho­be­ne, zunächst unbe­zif­fer­te Leis­tungs­kla­ge ist wegen der Anga­be eines unrich­ti­gen Stich­tags nicht unwirk­sam und des­we­gen zur Ver­jäh­rungs­hem­mung nicht unge­eig­net, obwohl die begehr­te Aus­kunft wegen des fal­schen Stich­tags zur Bezif­fe­rung der Leis­tungs­kla­ge nicht för­der­lich ist. Aller­dings ist ein Rechts­schutz­be­geh­ren als Stu­fen­kla­ge im Sin­ne von § 254 ZPO unzu­läs­sig, wenn der Klä­ger mit der in ers­ter Stu­fe erho­be­nen Aus­kunfts­kla­ge nicht die Bezif­fer­bar­keit des erho­be­nen Leis­tungs­an­spruchs errei­chen will, son­dern die Aus­kunft etwa benö­tigt, um beur­tei­len zu kön­nen, ob über­haupt ein Scha­dens­er­satz­an­spruch besteht. In die­sem Fal­le ist dann die unbe­zif­fer­te Leis­tungs­kla­ge wegen Ver­sto­ßes gegen das Bestimmt­heits­er­for­der­nis unzu­läs­sig [14].

Vor­lie­gend benö­tig­te die Klä­ge­rin jedoch die Aus­künf­te über das End­ver­mö­gen zur Bezif­fe­rung der Leis­tungs­kla­ge. Mit­hin war die ursprüng­lich in ers­ter Stu­fe erho­be­ne Aus­kunfts­kla­ge zum fal­schen Stich­tag zwar wirk­sam, weil bestimmt und zuläs­sig, aber unbe­grün­det, weil der ver­klag­te Ehe­mann zu dem fal­schen Stich­tag die Aus­kunft nicht schul­de­te. Damit war die in drit­ter Stu­fe erho­be­ne unbe­zif­fer­te Leis­tungs­kla­ge nach § 254 ZPO eben­falls wirk­sam und zuläs­sig, weil nach der Kla­ge das Aus­kunfts­be­geh­ren dem Ziel die­nen soll­te, den Leis­tungs­an­trag zu bezif­fern. Dass der Zuge­winn der Ehe­gat­ten nicht nach dem Stich­tag im Mai 1999, son­dern im Juli 1994 zu berech­nen war, mach­te die (in drit­ter Stu­fe unbe­zif­fer­te) Leis­tungs­kla­ge in die­sem Punkt nur unschlüs­sig.

Aller­dings hemmt die Erhe­bung der Leis­tungs­kla­ge die Ver­jäh­rung nur für Ansprü­che in der Gestalt und in dem Umfang, wie sie mit der Kla­ge gel­tend gemacht wer­den, also nur für den streit­ge­gen­ständ­li­chen pro­zes­sua­len Anspruch. Hin­ge­gen erstreckt sich die Ver­jäh­rungs­hem­mung nicht auf Ansprü­che, die nicht Gegen­stand der Kla­ge­er­he­bung waren [15]. Mit der Kla­ge wird nicht ein bestimm­ter mate­ri­ell­recht­li­cher Anspruch gel­tend gemacht. Gegen­stand des Rechts­streits ist viel­mehr der als Rechts­schutz­be­geh­ren oder Rechts­fol­ge­be­haup­tung auf­ge­fass­te eigen­stän­di­ge pro­zes­sua­le Anspruch. Die­ser wird bestimmt durch den Kla­ge­an­trag, in dem sich die vom Klä­ger in Anspruch genom­me­ne Rechts­fol­ge kon­kre­ti­siert, und den Lebens­sach­ver­halt (Anspruchs­grund), aus dem der Klä­ger die begehr­te Rechts­fol­ge her­lei­tet. In die­sem Sin­ne geht der Kla­ge­grund über die Tat­sa­chen, die die Tat­be­stands­merk­ma­le einer Rechts­grund­la­ge aus­fül­len, hin­aus. Zu ihm sind alle Tat­sa­chen zu rech­nen, die bei einer natür­li­chen, vom Stand­punkt der Par­tei­en aus­ge­hen­den, den Sach­ver­halt sei­nem Wesen nach erfas­sen­den Betrach­tungs­wei­se zu dem zur Ent­schei­dung gestell­ten Tat­sa­chen­kom­plex gehö­ren, den der Klä­ger zur Stüt­zung sei­nes Rechts­schutz­be­geh­rens dem Gericht zu unter­brei­ten hat [16].

Gemes­sen hier­an hat sich der Streit­ge­gen­stand der in drit­ter Stu­fe gel­tend gemach­ten Leis­tungs­kla­ge nicht dadurch geän­dert, dass die Klä­ge­rin den Stich­tag für die Berech­nung des End­ver­mö­gens nach Ein­tritt der Rechts­hän­gig­keit aus­ge­tauscht hat. Es gibt nur einen Anspruch auf Zuge­winn­aus­gleich nach geschie­de­ner Ehe, sei es dass er allein auf­grund Geset­zes begrün­det, sei es dass die­ser gesetz­li­che Anspruch durch ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung der Ehe­gat­ten wirk­sam geän­dert wor­den ist. Wel­cher Stich­tag maß­geb­lich ist, der gesetz­li­che oder ein ver­trag­lich ver­ein­bar­ter, wirkt sich nur für die Berech­nung des Zuge­winns aus, lässt den Streit­ge­gen­stand der zunächst unbe­zif­fer­ten Leis­tungs­kla­ge jedoch unbe­rührt. Mit dem geän­der­ten Stich­tag änder­te sich nur der Streit­ge­gen­stand der in ers­ter Stu­fe erho­be­nen Aus­kunfts­kla­ge. Die­se ist jedoch für die Fra­ge der Hem­mung bedeu­tungs­los.

Mit­hin wur­de die Ver­jäh­rung des Zuge­winn­aus­gleichs­an­spruchs durch die Zustel­lung der Stu­fen­kla­ge wirk­sam gehemmt.

BGH, Urteil vom 24. Mai 2012 – IX ZR 168/​11

  1. BGH, Urteil vom 22.04.1998 – XII ZR 281/​96, NJW 1998, 2679; vom 09.01.2008 – XII ZR 33/​06, FamRZ 2008, 675 Rn. 12[]
  2. BGBl. I 3142 ff[]
  3. zur Unter­bre­chung der Ver­jäh­rung nach altem Recht vgl. BGH, Urteil vom 08.02.1995 – XII ZR 24/​94, FamRZ 1995, 797, 798[]
  4. OLG Hamm FamRZ 1996, 864, 865[]
  5. KG FamRZ 2001, 105 f[]
  6. OLG Zwei­brü­cken NJW-RR 2001, 865, 866[]
  7. vgl. Münch­Komm-BGB/­Koch, 5. Aufl., § 1378 Rn. 29; Bamberger/​Roth/​J. May­er, BGB, 3. Aufl., § 1378 Rn. 24; juris­PK-BGB/Lak­kis, 5. Aufl., § 204 BGB Rn. 7; Büte, Zuge­winn­aus­gleich in der Ehe­schei­dung, 4. Aufl., Rn. 266; Haußleiter/​Schulz, Ver­mö­gens­aus­ein­an­der­set­zung bei Tren­nung und Schei­dung, 5. Aufl., Rn. 497; Kogel, Stra­te­gien beim Zuge­winn­aus­gleich, 3. Aufl., Rn. 924; Krau­se, Zuge­winn­aus­gleich in der Pra­xis, Rn. 533, 555; Jae­ger, FPR 2007, 185, 189; Lud­wig, FamRZ 1997, 421 f[]
  8. BGH, Urteil vom 26.03.1981 – VII ZR 160/​80, BGHZ 80, 222, 226; vom 05.05.1988 – VII ZR 119/​87, BGHZ 104, 268, 273; vom 20.11.1997 – IX ZR 136/​97, BGHZ 137, 193, 198[]
  9. Münch­Komm-BGB/­Gro­the, 6. Aufl., § 204 Rn. 11; Erman/​SchmidtRäntsch, BGB, 13. Aufl., § 204 Rn. 2[]
  10. BGH, Urtei­le vom 26.03.1981 und vom 05.05.1988, aaO; Münch­Komm-BGB/­Gro­the, 6. Aufl., § 204 Rn. 21 ff, Erman/​SchmidtRäntsch, BGB, 13. Aufl., § 204 Rn. 3[]
  11. BGH, Urteil vom 26.05.1994 – IX ZR 39/​93, NJW 1994, 3102, 3103, inso­weit nicht bei BGHZ 126, 138 abge­druckt; vom 02.03.2000 – III ZR 65/​99, NJW 2000, 1645, 1646[]
  12. BGH, Urteil vom 05.05.1999 – XII ZR 184/​97, BGHZ 141, 307, 317; vom 02.03.2000, aaO[]
  13. BGH, Beschluss vom 13.04.1988 – IVb ARZ 13/​88, BGHR ZPO § 261 Abs. 3 Nr. 2 Stu­fen­kla­ge 1; Urteil vom 08.02.1995 – XII ZR 24/​94, FamRZ 1995, 797 f[]
  14. vgl. BGH, Urteil vom 02.03.2000, aaO[]
  15. BGH, Urteil vom 08.05.2007 – XI ZR 278/​06, NJW 2007, 2560 Rn. 15 mwN[]
  16. BGH, aaO Rn. 16 mwN[]