Ten­orie­rung einer Aus­gleichs­sper­re im Ver­sor­gungs­aus­gleich

Die Auf­nah­me einer Aus­gleichs­sper­re gem. § 19 Abs. 3 VersAus­glG in den Tenor ist nicht erfor­der­lich.

Ten­orie­rung einer Aus­gleichs­sper­re im Ver­sor­gungs­aus­gleich

Nach § 1 VersAus­glG sind im Ver­sor­gungs­aus­gleich die in der Ehe­zeit erwor­be­nen Antei­le von Anrech­ten jeweils zur Hälf­te zwi­schen den geschie­de­nen Ehe­gat­ten zu tei­len, grund­sätz­lich durch inter­ne Tei­lung gemäß § 10 Abs. 1 VersAus­glG. Ob eine Aus­gleichs­sper­re nach § 19 Abs. 3 VersAus­glG voll­stän­dig oder nur teil­wei­se greift, kann – abge­se­hen von Baga­tell­fäl­len – erst nach Ermitt­lung der aus­län­di­schen Anrech­te beur­teilt wird. Dabei ist in der Regel kei­ne exak­te Bewer­tung des Aus­gleichs­werts nach §§ 39 ff. VersAus­glG erfor­der­lich. Es genügt ggfs. eine Schät­zung ana­log § 287 ZPO [1].

Einer Auf­nah­me der Aus­gleichs­sper­re gemäß § 19 Abs. 3 VersAus­glG in den Tenor bedarf es nicht [2]. Nach der Vor­schrift des § 224 Abs. 4 FamFG sind für den Fall, dass nach dem Wert­aus­gleich bei der Schei­dung noch Anrech­te für Aus­gleichs­an­sprü­che nach der Schei­dung ver­blei­ben, die­se in der Begrün­dung zu benen­nen. Für die Auf­nah­me in die Beschluss­for­mel for­mu­liert das Gesetz in § 224 Abs. 3 FamFG eine abschlie­ßen­de Auf­zäh­lung [3]. Hin­ter­grund dafür ist, dass in den in Abs. 3 genann­ten Fäl­len der Ver­sor­gungs­aus­gleich gene­rell, also auch für die Zukunft aus­ge­schlos­sen ist, wäh­rend in den Fäl­len des Abs. 4 nur der Wert­aus­gleich bei der Schei­dung nicht statt­fin­det, spä­te­re Aus­gleichs­an­sprü­che nach der Schei­dung hin­ge­gen unbe­rührt blei­ben [4]. Das Argu­ment der Gegen­mei­nung, nur bei Auf­nah­me in den Tenor sei die Ent­schei­dung nach § 19 Abs. 3 VersAus­glG inso­weit mit der Beschwer­de angreif­bar [5], über­zeugt nicht, da die Beschwer­de­mög­lich­keit nicht davon abhängt, ob die Ent­schei­dung aus­drück­lich im Tenor erfolgt oder sich in einer Zusam­men­schau von Nicht­aus­spruch im Tenor und Begrün­dung ergibt [6]. Die­ses Argu­ment wür­de im Übri­gen vor­lie­gend zu dem sicher nicht sach­ge­rech­ten Ergeb­nis füh­ren, dass die Beschwer­de man­gels Beschwer bereits unzu­läs­sig wäre.

Auch eines aus­drück­li­chen Vor­be­halts des schuld­recht­li­chen Ver­sor­gungs­aus­gleichs bedarf es aus den genann­ten Grün­den nicht. Einem sol­chen Aus­spruch käme ohne­hin nur dekla­ra­to­ri­sche Bedeu­tung zu [7].

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 19. Janu­ar 2015 – 5 UF 167/​14

  1. Johannsen/​Henrich/​Holzwarth, Fami­li­en­recht, 6. Auf­la­ge 2015, § 19 VersAus­glG Rn. 27; Ober­lan­des­ge­richt, a.a.O.; OLG Karls­ru­he, a.a.O., Rn. 24[]
  2. Palandt/​Brudermüller, BGB, 74. Auf­la­ge 2015, § 19 VersAus­glG Rn. 14; Schul­te-Buh­ner­t/­W­ein­rich/­Reh­me, FamFG, 4. Auf­la­ge 2014, § 224 Rn. 3; Johannsen/​Henrich/​Holzwarth, a.a.O., § 224 FamFG Rn. 6 a.E.[]
  3. so aus­drück­lich die Geset­zes­be­grün­dung BT-Drs. 16/​10144, Sei­te 96; a.A. – ohne nähe­re Begrün­dung – MünchKomm/​Stein, FamFG, 2. Aufl.2013, § 224 Rn. 66; Borth, a.a.O., Rn. 735 will die Vor­schrift ana­log anwen­den[]
  4. MünchKomm/​Stein, a.a.O.[]
  5. vgl. Borth, a.a.O., Rn. 735 a.E.; eben­so Ruland, Ver­sor­gungs­aus­gleich, 3. Auf­la­ge 2011, Rn. 480 a.E.[]
  6. eben­so wie hier Schul­te-Buh­ner­t/­W­ein­rich/­Reh­me, a.a.O.[]
  7. vgl. BGH, Beschluss vom 03.09.2008 – XII ZB 203/​06 11[]