Tren­nungs­un­ter­halt und die Kran­ken­ta­ge­geld­ver­si­che­rung

An den Unter­halts­be­rech­tig­ten erbrach­te Leis­tun­gen der Kran­ken­ta­ge­geld­ver­si­che­rung, die auf wäh­rend bestehen­der ehe­li­cher Lebens­ge­mein­schaft erbrach­ten Bei­trags­leis­tun­gen beru­hen, sind regel­mä­ßig in die Bedarfs­be­mes­sung ein­zu­be­zie­hen.

Tren­nungs­un­ter­halt und die Kran­ken­ta­ge­geld­ver­si­che­rung

Das dem unter­halts­be­rech­tig­ten Ehe­gat­ten zuge­flos­se­ne Kran­ken­haus­ta­ge­geld ist in der Berech­nung des Tren­nungs­un­ter­halts zu berück­sich­ti­gen 1, eben­so ggfs. die teil­wei­se Wei­ter­lei­tung des Kran­ken­haus­ta­ge­gel­des an den ande­ren Ehe­gat­ten.

Das Kran­ken­haus­ta­ge­geld ist auch bedarfs­be­stim­mend (ehe­prä­gend). Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits in einem Fall – nach der Tren­nung der Ehe­gat­ten bezo­ge­nes – Kran­ken­haus­ta­ge­geld auf Sei­ten des Unter­halts­be­rech­tig­ten als ehe­prä­gen­des Ein­kom­men zugrun­de gelegt 2. Der Umstand, dass die tren­nungs­un­ter­halts­be­rech­tig­te Ehe­frau für die Zeit­räu­me des Kran­ken­ta­ge­geld­be­zugs außer­dem eine Erwerbs­min­de­rungs­ren­te bezog, begrün­det ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Frank­furt am Main 3, die auch durch die von ihm ange­führ­te Ent­schei­dung des Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richts in Bre­men 4 nicht gestützt wird, kei­ne ent­schei­den­de Beson­der­heit. Zwar kann unter Umstän­den ein neben das unver­än­der­te Ein­kom­men tre­ten­der Bezug eine uner­war­te­te und vom Nor­mal­ver­lauf abwei­chen­de Ent­wick­lung dar­stel­len, die des­sen Berück­sich­ti­gung bei der Bedarfs­be­mes­sung ent­ge­gen­steht 5. Das ist aber im vor­lie­gen­den Fall bereits des­halb aus­ge­schlos­sen, weil es sich um eine Ver­si­che­rungs­leis­tung han­delt, die unter Kon­sum­ver­zicht durch ent­spre­chen­de Bei­trags­leis­tun­gen wäh­rend der bestehen­den Lebens­ge­mein­schaft erkauft wor­den ist. Wie die Bei­trags­leis­tun­gen ist dem­nach regel­mä­ßig auch die Ver­si­che­rungs­leis­tung als deren Äqui­va­lent bei der Bedarfs­be­mes­sung zu berück­sich­ti­gen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 31. Okto­ber 2012 – XII ZR 30/​10

  1. BGH, Urteil vom 01.10.1986 – IVb ZR 68/​85 = Fam­RZ 1987, 36, 38; vgl. Wendl/​Dose Das Unter­halts­recht in der fami­li­en­rich­ter­li­chen Pra­xis 8. Aufl. § 1 Rn. 115 m.w.N. sowie zum Abzug der ent­spre­chen­den Ver­si­che­rungs­bei­trä­ge BGH, Urteil vom 27.05.2009 – XII ZR 111/​08, Fam­RZ 2009, 1207 Rn. 28[]
  2. BGH, Urteil vom 01.10.1986 – IVb ZR 68/​85 = Fam­RZ 1987, 36, 38[]
  3. OLG Frank­furt, Urteil vom 11.02.2010 – 2 UF 100/​09[]
  4. OLG Bre­men, Fam­RZ 1991, 86[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 02.06.2010 – XII ZR 138/​08, Fam­RZ 2010, 1311 Rn. 28 f. zu einer an den Unter­halts­pflich­ti­gen gezahl­ten Abfin­dung[]