Unter­halt für Kuckucks­kind

Hat sich ein recht­li­cher Vater durch eine Jugend­amts­ur­kun­de zur Zah­lung von Kin­des­un­ter­halt ver­pflich­tet, hat er die­ser Ver­pflich­tung Fol­ge zu leis­ten, auch wenn er nicht der leib­li­che Vater ist. Ein recht­li­cher Vater kann sich nur und erst dann auf die Vater­schaft eines ande­ren Man­nes beru­fen, wenn die gesetz­li­che Ver­mu­tung sei­ner Vater­schaft auf­grund einer gericht­li­chen Vater­schafts­an­fech­tung besei­tigt ist.

Unter­halt für Kuckucks­kind

So hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm im Rah­men eines Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe­ver­fah­rens ent­schie­den, in dem es um die Unter­halts­ver­pfich­tung für ein zwar in der Ehe gebo­re­nes, aber nicht leib­li­ches Kind ging. Gleich­zei­tig ist inso­weit die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung des Amts­ge­richts Bot­trop bestä­tigt wor­den. Der 39 Jah­re alte Antrag­stel­ler aus Dat­teln ist der recht­li­che Vater des im Jah­re 1996 gebo­re­nen Antrags­geg­ners. Die Mut­ter ist nach Schei­dung der Ehe mit dem Antrag­stel­ler erneut ver­hei­ra­tet, und zwar mit dem bio­lo­gi­schen Vater des Antrags­geg­ners. Die Vater­schafts­an­fech­tungs­kla­ge des Antrag­stel­lers blieb wegen Frist­ab­laufs ohne Erfolg. Mit Jugend­amts­ur­kun­de vom 23.09.2003 ver­pflich­te­te er sich, Kin­des­un­ter­halt an den Antrags­geg­ner zu zah­len. U.a. mit der Begrün­dung, sei­ne Inan­spruch­nah­me aus der Urkun­de sei treu­wid­rig, denn der Antrags­geg­ner igno­rie­re sei­ne Exis­tenz und akzep­tie­re nur den bio­lo­gi­schen Vater als Vater, hat er Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe für die Abän­de­rung der urkund­lich begrün­de­ten Unter­halts­ver­pflich­tung ver­langt.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Hamm kön­ne sich der durch eine Jugend­amts­ur­kun­de zur Zah­lung von Kin­des­un­ter­halt ver­pflich­te­te recht­li­che Vater nicht dar­auf beru­fen, dass er sei nach Treu und Glau­ben nicht zu Unter­halts­zah­lun­gen ver­pflich­tet, weil er nicht der leib­li­che Vater des Antrags­geg­ners sei. Nach den ein­schlä­gi­gen fami­li­en­recht­li­chen Vor­schrif­ten des BGB, die zwin­gen­des Recht sei­en, wirk­ten die Vater­schaft­s­tat­be­stän­de mit Wir­kung für und gegen alle.

In § 1592 Nr. 1 BGB ist fest­ge­legt, dass der­je­ni­ge Vater eines Kin­des ist, der zum Zeit­punkt der Geburt mit der Mut­ter des Kin­des ver­hei­ra­tet ist. Han­delt es sich bei dem recht­lich zuge­ord­ne­ten Vater nicht um den leib­li­chen Vater, kann nach § 1600b Abs. 1 BGB die Vater­schaft (nach der Geburt des Kin­des) inner­halb von zwei Jah­ren gericht­lich ange­foch­ten wer­den, wobei die Frist gem. § 1600b BGB mit dem Zeit­punkt beginnt, in dem der Berech­tig­te von den Umstän­den erfährt, die gegen die Vater­schaft spre­chen.

Des­we­gen kön­ne sich der recht­li­che Vater nur und erst dann auf die Vater­schaft eines ande­ren Man­nes beru­fen, wenn die gesetz­li­che Ver­mu­tung sei­ner Vater­schaft auf­grund einer gericht­li­chen Vater­schafts­an­fech­tung besei­tigt sei. Die­se gericht­li­che Klä­rung sei unver­zicht­bar, selbst wenn unter den Betei­lig­ten kein Streit dar­über bestehe, wer der leib­li­che Vater sei.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Beschluss vom 20. Novem­ber 2013 – 2 WF 190/​13