Vater­schafts­an­er­kennt­nis in Spa­ni­en

Die in Spa­ni­en vor dem zustän­di­gen Stan­des­amt erklär­te Aner­ken­nung der Vater­schaft ist der Aner­ken­nung nach deut­schem Recht gleich­wer­tig und ersetzt die hier­für vor­ge­schrie­be­ne Form der öffent­li­chen Beur­kun­dung.

Vater­schafts­an­er­kennt­nis in Spa­ni­en

Der An ist gemäß § 1592 Nr. 2 BGB durch Aner­ken­nung der Vater­schaft recht­li­cher Vater des Kin­des gewor­den. Die vor dem zustän­di­gen spa­ni­schen Stan­des­amt abge­ge­be­nen Erklä­run­gen der Mut­ter und des An erset­zen die nach dem anwend­ba­ren deut­schen Recht erfor­der­li­che Form der Erklä­run­gen (Aner­ken­nung und Zustim­mung) gemäß §§ 1595 ff. BGB.

Im hier ent­schie­de­nen Fall wur­de die Anmel­dung der Geburt des Kin­des gegen­über dem Stan­des­amt von der Mut­ter und dem An unter­zeich­net. Danach hat die­ser die Vater­schaft ent­spre­chend den spa­ni­schen Rechts­vor­schrif­ten (Art. 120, 124 des spa­ni­schen Zivil­ge­setz­buchs Codi­go civil) 1 aner­kannt. Dem ent­spricht sei­ne Ein­tra­gung als Vater des Kin­des in der spa­ni­schen Geburts­ur­kun­de und im Fami­li­en­buch 2. Aus der gemein­sa­men Unter­zeich­nung ergibt sich zudem die nach § 1595 Abs. 1 BGB erfor­der­li­che Zustim­mung der Mut­ter.

Die in Spa­ni­en erklär­te Aner­ken­nung ist auch form­wirk­sam. Dass die in § 1597 BGB für im Inland beur­kun­de­te Aner­ken­nun­gen vor­ge­se­he­ne Form nicht erfüllt ist, steht der Form­wirk­sam­keit nicht ent­ge­gen. Nach Art. 4 des CIE­C­Über­ein­kom­mens vom 14.09.1961 3 hat die nach Orts­recht von der zustän­di­gen Behör­de beur­kun­de­te Aner­ken­nungs­er­klä­rung die glei­chen Wir­kun­gen, wie wenn sie vor der zustän­di­gen Behör­de des Hei­mat­staats des Erklä­ren­den abge­ge­ben wor­den wäre. Spa­ni­en und Deutsch­land sind Ver­trags­staa­ten des Über­ein­kom­mens 4. Der Aus­tritt der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land aus der Inter­na­tio­na­len Zivil­stands­kom­mis­si­on (CIEC) mit Wir­kung zum 30.06.2015 lässt für sich genom­men die Fort­gel­tung der abge­schlos­se­nen Über­ein­kom­men unbe­rührt 5.

Die Maß­geb­lich­keit der Orts­form folgt damit über­ein­stim­mend auch aus Art. 11 Abs. 1 EGBGB 6. Das Ober­lan­des­ge­richt ist im Ergeb­nis fer­ner zutref­fend davon aus­ge­gan­gen, dass die Beur­kun­dung durch das zustän­di­ge spa­ni­sche Stan­des­amt der nach deut­schem Recht vor­ge­schrie­be­nen Beur­kun­dung gleich­wer­tig (äqui­va­lent) ist, was durch die Rege­lung des CIE­C­Über­ein­kom­mens vom 14.09.1961 bekräf­tigt wird 7.

Auch die Zustim­mung der Mut­ter 8, hin­sicht­lich deren das CIE­C­Über­ein­kom­men vom 14.09.1961 kei­ne geson­der­te Rege­lung ent­hält, ist auf­grund des nach Art. 11 Abs. 1 EGBGB alter­na­tiv anwend­ba­ren spa­ni­schen Rechts form­wirk­sam erklärt wor­den. Die gegen­über dem zustän­di­gen spa­ni­schen Stan­des­amt abge­ge­be­ne Zustim­mungs­er­klä­rung ist mit­hin in Deutsch­land eben­falls form­gül­tig.

Selbst wenn die Aner­ken­nung der Vater­schaft nach spa­ni­schem Recht und zu einem Zeit­punkt erklärt wor­den sein soll­te, zu dem deut­sches Recht noch kei­ne Anwen­dung fand, hin­der­te dies ihre Wirk­sam­keit nicht. Denn auch in die­sem Fall ersetzt die nach spa­ni­schem Recht erklär­te Aner­ken­nung die nach deut­schem Recht erfor­der­li­che Form. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Rechts­be­schwer­de ent­fällt die Wir­kung auch nicht mit einem in der Haupt­fra­ge (hier der Abstam­mung) erfolg­ten Sta­tu­ten­wech­sel. Dass das Gesetz in Art. 11 Abs. 1 EGBGB die Orts­form neben der Geschäfts­form zulässt, belegt, dass zur Fra­ge der Form ein ande­res Sta­tut anwend­bar sein kann als hin­sicht­lich der Haupt­fra­ge. Da die Aner­ken­nung mit­hin auch nach deut­schem Recht wirk­sam erklärt wor­den ist, kommt es auf die vom Ober­lan­des­ge­richt wei­ter auf­ge­wor­fe­ne Fra­ge einer Hei­lung gemäß § 1598 Abs. 2 BGB nicht mehr an.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 5. Juli 2017 – XII ZB 277/​16

  1. vgl. auch Fer­rer y Riba in Spickhoff/​Henrich/​Schwab/​Gottwald Streit um die Abstam­mung S. 293, 301 f.[]
  2. vgl. auch BGH, Beschluss vom 20.07.2016 – XII ZB 489/​15 Fam­RZ 2016, 1747[]
  3. BGBl.1965 – II S.19; zur mate­ri­ell­recht­li­chen Bedeu­tung s. Staudinger/​Henrich BGB [2014] Vor­bem zu Art.19 EGBGB Rn. 5; Münch­Komm-BGB/Helms 6. Aufl. Anh. – I zu Art.19 EGBGB Rn. 2[]
  4. vgl. BGBl.1987 II, S. 448[]
  5. vgl. Kohler/​Pintens Fam­RZ 2015, 1537, 1545[]
  6. BGHZ 64, 129 = NJW 1975, 1069[]
  7. vgl. Staudinger/​Winkler v. Moh­ren­fels BGB [2013] Art. 11 EGBGB Rn. 131; Münch­Komm-BGB/­S­pel­len­berg 7. Aufl. Art. 11 EGBGB Rn. 86 ff.[]
  8. vgl. Münch­Komm-BGB/­S­pel­len­berg 6. Aufl. Art. 11 EGBGB Rn. 22 mwN[]