Ver­ein­ba­rung zum Ver­sor­gungs­aus­gleich – und die ver­ges­se­ne Geneh­mi­gung

Eine Zurück­ver­wei­sung gemäß § 629 b ZPO hat auch dann zu erfol­gen, wenn die Par­tei­en im Zusam­men­hang mit der Schei­dung eine nota­ri­el­le Ver­ein­ba­rung über den Ver­sor­gungs­aus­gleich getrof­fen haben, die­se jedoch vom Fami­li­en­ge­richt nicht geneh­migt wur­de. Die Zurück­ver­wei­sung nach § 629 b ZPO ist zwin­gend. Hier­von kann auch nicht im Ein­ver­ständ­nis mit den Par­tei­en abge­wi­chen wer­den.

Ver­ein­ba­rung zum Ver­sor­gungs­aus­gleich – und die ver­ges­se­ne Geneh­mi­gung

Nach § 629b Abs. 1 ZPO ist die Sache an das Fami­li­en­ge­richt zurück­zu­ver­wei­sen, das die Ab- wei­sung aus­ge­spro­chen hat, wenn bei die­sem Gericht eine Fol- gesa­che zur Ent­schei­dung ansteht. Dies ist vor­lie­gend der Fall. Zwar haben sich die Par­tei­en in der nota­ri­el­len Urkun- de vom 25.06.2002 über die Fol­ge­sa­chen geei­nigt, hier­bei jedoch auch den Ver­sor­gungs­aus­gleich aus­ge­schlos­sen. Eine sol­che Ver­ein­ba­rung bedarf jedoch gemäß § 1587o Abs. 2 Satz 3 BGB der Geneh­mi­gung des Fami­li­en­ge­richts, die bis­lang noch nicht erfolgt ist. Da der Wert­aus­gleich von Ver­sor- gungs­an­wart­schaf­ten von Amts wegen zu regeln ist, steht er auch dann beim Fami­li­en­ge­richt zur Ent­schei­dung i.S.d. § 629b ZPO an, wenn die­ses wegen die­ser Fol­ge­sa­che kein Ver- fah­ren ein­ge­lei­tet, son­dern den Schei­dungs­an­trag von vor­ne- her­ein abge­wie­sen hat­te [1]. Glei­ches gilt, wenn die Par­tei­en den Ver­sor- gungs­aus­gleich gem. § 1587o BGB gere­gelt haben, das Fami­li- enge­richt jedoch wegen der Abwei­sung des Schei­dungs­an­tra­ges von der erfor­der­li­chen Geneh­mi­gung abge­se­hen hat. Auch hier bleibt der Ver­sor­gungs­aus­gleich bis zu einer gericht­li­chen Ent­schei­dung in der Schwe­be [2].

Zwar wird in der ober­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung und der Kom­men­tar­li­te­ra­tur die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass in den Fäl­len von einer Zurück­ver­wei­sung abge­se­hen wer­den kann, in denen der Zweck des § 629b ZPO, den Ver­bund wie­der her­zu- stel­len und den Par­tei­en für die Fol­ge­sa­chen kei­ne Instanz zu neh­men, nicht zutrifft. Dies sei dann der Fall, wenn bei- de Par­tei­en mit einer Ent­schei­dung des Beru­fungs­ge­richts ein­ver­stan­den sei­en und der Sach­ver­halt so voll­stän­dig ge- klärt sei, dass ihnen durch den Ver­lust einer Tat­sa­che­nin- stanz kein Nach­teil ent­ste­hen kön­ne [3]. Die­se Auf­fas­sung begeg­net je- doch bereits des­we­gen Beden­ken, weil bei Abwei­sung des Schei­dungs­an­tra­ges die Fol­ge­sa­chen gemäß § 629 Abs. 3 ZPO gegen­stands­los wer­den und bei einer Beru­fung gegen das Schei­dungs­ur­teil nicht in die nächst­hö­he­re Instanz gelan­gen, weil über sie in der unte­ren Instanz nicht ent­schie­den wor- den ist. Sie ver­stößt über­dies gegen den kla­ren Wort­laut des § 629b ZPO. Im vor­lie­gen­den Fall hät­te die Antrags­geg­ne­rin zudem ihr Ein­ver­ständ­nis mit einer Ent­schei­dung über den Ver­sor­gungs­aus­gleich durch das Beru­fungs­ge­richt auch des­we- gen nicht erklä­ren kön­nen, weil es sich hier­bei um eine Pro- zess­hand­lung, d.h. eine den Pro­zess­ab­lauf gestal­ten­de oder bestim­men­de Hand­lung einer Par­tei gehan­delt hät­te, die vor dem Ober­lan­des­ge­richt allein durch einen dort zuge­las­se­nen Rechts­an­walt vor­ge­nom­men wer­den kann.

Bei die­ser Sach­la­ge ist es dem Ober­lan­des­ge­richt ver­wehrt, selbst den Aus­schluss des Ver­sor­gungs­aus­glei­ches zu geneh­mi­gen und die Schei­dung aus­zu­spre­chen. Hier­zu bleibt viel­mehr das Fami­li- enge­richt beru­fen, das auch über die Kos­ten des Beru­fungs- ver­fah­rens zu befin­den haben wird.

Ober­lan­des­ge­richt Dres­den, Urteil vom 17. Janu­ar 2003 – 10 UF 789/​02

  1. Zöl­ler-Phil­ip­pi, a.a.O., § 629b Rdnr.3 m.w.N.[]
  2. vgl. Stein-Jonas, ZPO, 21. Aufl., § 629b Rn 3[]
  3. vgl. OLG Olden­burg, FamRZ 1988, 1528; OLG Karls­ru­he, FamRZ 1984, 57; MünchKomm‑7 Klau­ser, ZPO, 2. Aufl., § 629b Rdnr.8, 9; Stein-Jonas, aaO., § 629 Rdnr.1; ande­re Auf­fas­sung: Baumbach/​Lauterbach/​Albers, ZPO, 61. Aufl., § 629b Rdnr.2; offen gelas­sen in Zöl­ler- Phil­ip­pi, aaO., § 629b Rn 1[]