Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe für den Ver­gleich – und die Ter­mins­ge­bühr

Der Beschluss, mit dem Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe für einen Ver­gleich auch über nicht rechts­hän­gi­ge Ansprü­che bewil­ligt wird, erstreckt sich nicht auf Ter­mins­ge­büh­ren, die durch die Ver­hand­lung über die nicht rechts­hän­gi­gen, aber vom Ver­gleich erfass­ten Ansprü­che ent­ste­hen.

Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe für den Ver­gleich – und die Ter­mins­ge­bühr

Wird die Bewil­li­gung der Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe auf einen Ver­gleichs­ab­schluss über nicht anhän­gi­ge Gegen­stän­de erstreckt, kann der bei­geord­ne­te Anwalt kei­ne Ter­mins­ge­bühr aus dem Mehr­wert ver­lan­gen. Denn es besteht weder ein Anspruch auf Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe außer­halb der Streit­ge­gen­stän­de, noch gebie­ten dies die ein­schlä­gi­gen Vor­schrif­ten.

Das Ober­lan­des­ge­richt Dres­den geht davon aus, dass grund­sätz­lich für im Ver­fah­ren nicht anhän­gi­ge Streit­ge­gen­stän­de Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe nicht bewil­ligt wer­den kann 1. Die Erstre­ckung recht­fer­tigt sich allein aus dem Ergeb­nis (dem Ver­gleich), sie umfasst damit aller­dings nicht vor­her­ge­hen­de Tätig­kei­ten.

Die Fall­kon­stel­la­ti­on des vom Bun­des­ge­rich­gts­hof ent­schie­de­nen Falls (Pro­zess­kos­ten­hil­fe für das Pro­zess­kos­ten­hil­fe­ver­fah­ren) und dem hie­si­gen (Pro­zess­kos­ten­hil­fe für ver­fah­rens­frem­den Gegen­stand) ist ver­gleich­bar. Grund­sätz­lich kann Pro­zess­kos­ten­hil­fe nicht bewil­ligt wer­den 2.

Auch die Vor­schrif­ten über die Ver­gü­tung für Ter­mins­ge­büh­ren recht­fer­ti­gen kein ande­res Ergeb­nis.

Denn der Ver­gü­tungs­an­spruch im Fal­le der Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe bestimmt sich nach dem bewil­li­gen­den Beschluss (§48 Abs. 1 RVG). Ver­gleichs­ab­schlüs­se und vor­be­rei­ten­de Hand­lun­gen sind davon nicht auto­ma­tisch umfasst. Der gere­gel­te Fall des Abschlus­ses eines Ver­gleichs in einer Ehe­sa­che (§48 Abs. 3 RVG) liegt nicht vor, denn es han­delt sich um eine iso­lier­te Fami­li­en­streit­sa­che (vgl. §§ 121, 111 Nr. 1, 112 FamFG). Die Ter­mins­ge­bühr ist nicht durch den Ver­gleichs­schluss ent­stan­den, son­dern schon dadurch, dass im Ter­min Ver­hand­lun­gen über nicht rechts­hän­gi­ge Sache geführt wur­den (Nr. 3104 Abs. 2 RVG-VV). Eines Ver­gleichs­schlus­ses bedurf­te es hier­zu nicht. Damit wäre zur Erstat­tungs­fä­hig­keit erfor­der­lich gewe­sen, bei­de erhöh­te Gebüh­ren im Bewil­li­gungs­be­schluss zu erwäh­nen 3.

Zwar erstreckt sich die Ter­mins­ge­bühr (Nr. 3104 RVG-VV) mög­li­cher­wei­se auch auf Eini­gun­gen über nicht rechts­hän­gi­ge Ansprü­che (vgl. Nr. 3104 II VV-RVG). Auch fal­len inzwi­schen auch Anhö­rungs­ter­mi­ne und außer­ge­richt­li­che Bespre­chun­gen unter die Ter­mins­ge­bühr, wenn die gericht­li­che Ent­schei­dung ohne münd­li­che Ver­hand­lung durch Beschluss ergeht 4, also unab­hän­gig davon, ob für das gericht­li­che Ver­fah­ren eine münd­li­che Ver­hand­lung vor­ge­schrie­ben ist.

Dies ist aber kei­ne Auto­ma­tik, die im Ver­fah­ren der Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe über­nom­men wer­den könn­te. Ins­be­son­de­re hat der Gesetz­ge­ber trotz Kennt­nis die­ser Fra­ge im Rah­men dern­Än­de­run­gen im RVG, die gera­de Recht­spre­chungs­fra­gen zum Ent­ste­hen von Ter­mins­ge­büh­ren betra­fen, inso­weit (ins­be­son­de­re bei § 48 Abs. 3 RVG) gera­de kei­ne Ände­rung vor­ge­nom­men. Viel­mehr hat er auch für zusam­men­hän­gen­de Ver­fah­ren nur bei einer aus­drück­li­chen Erwei­te­rung der Bei­ord­nung eine Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe gewährt (§ 48 Abs. 5 Satz 1 RVG). Damit ist der hie­si­ge Fall ver­gleich­bar.

Die Bei­ord­nung in einer Ehe­sa­che hat er gera­de nicht auf ande­re Ver­fah­ren erstreckt , ins­be­son­de­re nicht auf Fami­li­en­streit­sa­chen (vgl. § 48 Abs. 3 Satz 1 RVG). Dies ent­spricht auch den Aus­füh­run­gen zur Ter­mins­ge­bühr, die gera­de nur aus­drück­lich die wirk­sa­me Bei­ord­nung vor Beginn des Ter­mins ent­hält, selbst­ver­ständ­lich in Bezug auf die rechts­hän­gi­gen Ver­fah­rens­tei­le 5.

Dadurch ent­steht kei­ne Ungleich­be­hand­lung mit nicht bedürf­ti­gen Betei­lig­ten. Denn der Anwalt wird auch an einem Ver­gleich über einen Mehr­wert mit­wir­ken. Dass der mit­tel­lo­se Betei­lig­te dem Anwalt unter Umstän­den eine Dif­fe­renz­ge­bühr schul­det, hin­dert einen Ver­gleichs­schluss nicht 6. Ins­be­son­de­re ist der Fall auch damit zu ver­glei­chen, dass ein Ver­gleichs­schluss gera­de nicht zustan­de kommt. In die­sem Fall erhält der Anwalt kei­ne Ver­gü­tung.

Eine Prü­fung der Erfolgs­aus­sich­ten ist kaum mög­lich. Dem kann auch 7 nicht mit der Beschrän­kung der Bewil­li­gung begeg­net wer­den, denn auch hier wäre eine Prü­fung erfor­der­lich.

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 08.06.2004, VI ZB 49/​03 8 ff[]
  2. vgl. OLG Dres­den, Beschluss vom 07.02.2014, 23 WF 1209/​13[]
  3. vgl. zu die­sem Argu­ment OLG Hamm vom 14.02.2012, 25 W 23/​12 Rdn. 9[]
  4. vgl. BT-Drs. 17/​11471, dort S. 274 f.[]
  5. vgl. Hart­mann, Kos­ten­ge­set­ze, 42. Aufl., § 48 RVG, Rdn. 92, 93; OLG Dres­den, Beschluss vom 07.02.2014, 23 WF 1209/​13, a.a.O., Rdn. 14; gegen die Ent­ste­hung der Ter­mins­ge­bühr auch OLG Hamm v. 14.02.12, 25 W 23/​12; OLG Köln v. 01.03.2012, 12 WF 29/​12; OLG Dres­den v. 04.08.2011, 23 WF 475/​11; OLG Bam­berg v. 21.03.2011, 4 W 42/​10; OLG Cel­le v. 21.01.2011, 10 WF 6/​11; OLG Mün­chen v.19.03.2009, 11 WF 812/​09; für die Gegen­an­sicht: OLG Koblenz v.06.06.2006, 14 W 328/​06; OLG Köln v. 29.04.2013, 25 WF 235/​13; v. 14.04.2013, 10 WF 38/​13; OLG Schles­wig-Hol­stein v. 14.02.2012, 15 WF 399/​11; OLG Karls­ru­he vom 09.07.09, 2 WF 33/​09 []
  6. a.A. OLG Köln vom 29.04.2013, 25 WF 235/​12 15[]
  7. ent­ge­gen OLG Köln v. 29.04.2013, 25 WF 235/​12[]