Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe und Raten­zah­lungs­ver­pflich­tung

Bei der Ermitt­lung des not­wen­di­ge Lebens­be­darf eines Kin­des im Rah­men der Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe (Pro­zess­kos­ten­hil­fe) fin­det bei der Berück­sich­ti­gung von Kin­der­geld eine Ori­en­tie­rung an den Min­dest­be­darfs­be­trä­gen im Rah­men des § 115 Absatz 1 Satz 2 ZPO statt.

Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe und Raten­zah­lungs­ver­pflich­tung

In dem hier vom Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart ent­schie­de­nen Fall hält der Antrag­stel­ler eine monat­li­che Rate in Höhe von 95,00 Euro für ange­mes­sen auf­grund der per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se des Antrags­geg­ners, der sich in der Wohl­ver­hal­tens­pha­se im Rah­men des Rest­schuld­be­frei­ungs­ver­fah­rens befin­det. Das Fami­li­en­ge­richt hat der sofor­ti­gen Beschwer­de der Staats­kas­se mit Beschluss vom 7.11.2011 nicht abge­hol­fen. Mit ihrer sofor­ti­gen Beschwer­de wen­det sich die Bezirks­re­vi­so­rin beim Land­ge­richt Rott­weil gegen die Nicht­an­ord­nung von monat­li­chen Raten­zah­lun­gen durch das Fami­li­en­ge­richt Rott­weil.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts hat die Wohl­ver­hal­tens­pha­se kei­nen Ein­fluss auf die Ver­pflich­tung von Raten­zah­lun­gen. Der Antrags­geg­ner ist gehal­ten, die Raten not­falls aus sei­nem unpfänd­ba­ren Ein­kom­men auf­zu­brin­gen.

Dem monats­durch­schnitt­li­chen Ein­kom­men des Antrags­geg­ners in Höhe von EUR 1.768,96 war das Kin­der­geld in Höhe von EUR 368,00 nicht hin­zu­zu­rech­nen. Zwar stellt das Kin­der­geld grund­sätz­lich Ein­kom­men des die Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe begeh­ren­den Betei­lig­ten dar. Aller­dings gilt dies nur dann, wenn das Kin­der­geld für den not­wen­di­gen Bedarf des Kin­des nicht benö­tigt wird [1].

Unstrei­tig zahlt die Kin­des­mut­ter kei­nen Unter­halt. Den not­wen­di­gen Lebens­be­darf eines Kin­des setzt das Ober­lan­des­ge­richt mit den Min­dest­be­darfs­be­trä­gen in Höhe von ins­ge­samt EUR 790,00 fest, EUR 426,00 für das im Janu­ar die­sen Jah­res zwölf Jah­re alt wer­den­den Kin­des Ü. und EUR 364,00 für das acht Jah­re alte Kind A.. Von den Min­dest­be­darfs­be­trä­gen ist das Kin­der­geld in Höhe von EUR 368,00 in Abzug zu brin­gen, wes­halb ein unge­deck­ter Bedarf in Höhe von EUR 422,00 ver­bleibt. Wei­ter­hin ist pro Kind ein Betrag von 20% hin­sicht­lich der geson­dert zu berück­sich­ti­gen­den Unter­kunfts- und Hei­zungs­kos­ten zu berück­sich­ti­gen, wes­halb pro Kind im Rah­men der Frei­be­trä­ge EUR 168,80 anzu­set­zen sind.

Im Rah­men der Bemes­sung der Unter­kunfts­kos­ten sind all­ge­mei­ne Strom- und Was­ser­kos­ten nicht zusätz­lich zu berück­sich­ti­gen, da sie unter die Frei­be­trä­ge des § 115 Abs. 1 Satz 3 Nr. 2a ZPO fal­len [2]. Glei­ches hat auch für die Abfall­ge­büh­ren zu gel­ten [3].

Zutref­fend hat die Bezirks­re­vi­so­rin Fahrt­kos­ten gem. § 82 Abs. 2 Nr. 4 SGB XII i.V.m. § 3 Abs. 6 Nr. 2a der Durch­füh­rungs­VO mit EUR 5,20 pro Ent­fer­nungs­ki­lo­me­ter, maxi­mal 40 Ent­fer­nungs­ki­lo­me­ter, somit EUR 208,00 ange­setzt [4]. Damit sind alle im Zusam­men­hang mit der Unter­hal­tung eines Pkw´s anfal­len­den Kos­ten abge­gol­ten, wes­halb auch ein ADAC-Bei­trag kei­ne Berück­sich­ti­gung fin­det [5].

Ein höhe­rer Ansatz ist mit dem sozi­al­hil­fe­ähn­li­chen Cha­rak­ter der Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe nicht zu ver­ein­ba­ren. Auch im Rah­men der Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe sind die Inter­es­sen des Staa­tes an einer ver­nünf­ti­gen Begren­zung der Aus­ga­ben zu berück­sich­ti­gen. Über­dies wer­den die Inter­es­sen des Bedürf­ti­gen ange­mes­sen durch den Erwerbs­frei­be­trag berück­sich­tigt.

Eine Rechts­schutz­ver­si­che­rung, die nach § 115 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1a ZPO i.V.m. § 82 Abs. 2 Nr. 3a SGB XII nicht gesetz­lich vor­ge­schrie­ben ist, ist nach Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts auch aus Ange­mes­sen­heits­ge­sichts­punk­ten nicht not­wen­dig. Im Rah­men der Bewil­li­gung von Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe sind nur sol­che Ver­si­che­run­gen ange­mes­sen, die den Ver­si­cher­ten vor beson­de­ren Gefah­ren schüt­zen sol­len, denen die All­ge­mein­heit aus­ge­setzt ist. Für Rechts­schutz­ver­si­che­run­gen trifft dies aller­dings nicht zu [6]. Eben so wenig waren Kon­to­füh­rungs­ge­büh­ren und die Rund­funk­ge­büh­ren zu berück­sich­ti­gen. Die­se Aus­ga­ben sind bereits im all­ge­mei­nen Frei­be­trag berück­sich­tigt [7].

Kos­ten für Repa­ra­tu­ren, die ohne­hin nach der Bean­tra­gung von Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe ange­fal­len sind, sind bei den Kos­ten für die all­ge­mei­ne Lebens­füh­rung zu berück­sich­ti­gen.

Aus­ge­hend von der Erklä­rung des Antrags­geg­ners über sei­ne per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se, den dazu im 1. Rechts­zug und ergän­zend im Beschwer­de­ver­fah­ren ein­ge­reich­ten Bele­ge, errech­net sich eine monat­li­che Rate in Höhe von 75,00 Euro. Auf die Beschwer­de der Staats­kas­se war daher eine monat­li­che Rate in Höhe von EUR 75,00 fest­zu­set­zen.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 4. Janu­ar 2012 – 17 WF 250/​11

  1. BGH, FamRZ 2005, 605[]
  2. BGH, FamRZ 2008, 781[]
  3. OLG Bam­berg, FamRZ 2005, 1183[]
  4. vgl. auch OLG Stutt­gart, Beschl. v. 04.06.2009, 11 WF 119/​09[]
  5. vgl. auch OLG Bam­berg, Beschl. v. 02.04.2001 – 3 U 194/​99[]
  6. vgl. auch OLG Bran­den­burg, FamRZ 2009, 897[]
  7. vgl. OLG Bran­den­burg, Beschl. v. 13.01.2007 – 9 WF 301/​07, Kon­to­füh­rungs­ge­büh­ren; sowie OLG Bran­den­burg, Beschl. v. 05.02.2009 – 9 WF 356/​08, GEZ[]