Ver­fah­rens­pfle­ger im Ver­fah­ren auf Auf­he­bung der Betreu­ung

Ein Ver­fah­rens­pfle­ger ist im Betreu­ungs­ver­fah­ren dann zu bestel­len, wenn der Betrof­fe­ne nicht mehr in der Lage ist, sei­nen Wil­len kund­zu­tun bzw. einen frei­en Wil­len über­haupt noch zu bil­den.

Ver­fah­rens­pfle­ger im Ver­fah­ren auf Auf­he­bung der Betreu­ung

Die Bestel­lung eines Ver­fah­rens­pfle­gers ist im Ver­fah­ren auf Auf­he­bung der Betreu­ung grund­sätz­lich nur gebo­ten, wenn tat­säch­li­che Ermitt­lun­gen anzu­stel­len sind. Das setzt wie­der­um greif­ba­re Anhalts­punk­te für eine Ver­än­de­rung der tat­säch­li­chen Umstän­de vor­aus, die der Betreu­er­be­stel­lung zugrun­de lagen [1]. Bei unver­än­der­ter Sach­la­ge hät­te die Bestel­lung eines Ver­fah­rens­pfle­gers einen rein for­ma­len Cha­rak­ter.

Gemäß § 276 Abs. 1 Satz 1 FamFG hat das Gericht dem Betrof­fe­nen einen Ver­fah­rens­pfle­ger zu bestel­len, wenn dies zur Wahr­neh­mung der Inter­es­sen des Betrof­fe­nen erfor­der­lich ist.

Die vor­ran­gi­ge Auf­ga­be des Ver­fah­rens­pfle­gers besteht dar­in, gegen­über dem Gericht den Wil­len des Betrof­fe­nen kund­zu­tun und des­sen aus Art. 103 Abs. 1 GG fol­gen­den Anspruch auf recht­li­ches Gehör zu ver­wirk­li­chen [2]. Aus die­ser Auf­ga­ben­stel­lung folgt, dass ein Ver­fah­rens­pfle­ger vor allem dann zu bestel­len ist, wenn der Betrof­fe­ne nicht mehr in der Lage ist, sei­nen Wil­len kund­zu­tun bzw. einen frei­en Wil­len über­haupt noch zu bil­den [3]. Eine Ver­fah­rens­pfleg­schaft ist nach den Vor­stel­lun­gen des Gesetz­ge­bers aller­dings dann nicht anzu­ord­nen, wenn die Ver­fah­rens­pfle­ger­be­stel­lung "einen rein for­ma­len Cha­rak­ter hät­te" [4].

Zwar fin­det § 276 FamFG, der die Bestel­lung eines Ver­fah­rens­pfle­gers für den Betrof­fe­nen regelt, auch im Ver­fah­ren auf Auf­he­bung der Betreu­ung nach § 294 FamFG in Ver­bin­dung mit § 1908 d BGB Anwen­dung [5]. Die Pfle­ger­be­stel­lung ist grund­sätz­lich aber nur gebo­ten, wenn im Auf­he­bungs­ver­fah­ren tat­säch­li­che Ermitt­lun­gen anzu­stel­len sind. Das setzt wie­der­um greif­ba­re Anhalts­punk­te für eine Ver­än­de­rung der tat­säch­li­chen Umstän­de vor­aus, die der Betreu­er­be­stel­lung zugrun­de lagen [6]. Denn bei unver­än­der­ter Sach­la­ge hät­te die Bestel­lung eines Ver­fah­rens­pfle­gers einen rein for­ma­len Cha­rak­ter.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 29. Juni 2011 – XII ZB 19/​1

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 02.02.2011 – XII ZB 467/​10, FamRZ 2011, 556 Rn. 10[]
  2. BT-Drucks. 15/​2494 S. 41[]
  3. vgl. Bay­O­bLG FamRZ 2003, 786, 787; 1997, 1358; KG FamRZ 2009, 641; Keidel/​Budde FamFG 16. Aufl. § 276 Rn. 3; vgl. auch Prütting/​Helms/​Fröschle FamFG § 276 Rn. 9[]
  4. BGH, Beschluss vom 04.08.2010 – XII ZB 167/​10FamRZ 2010, 1648 Rn. 15 unter Hin­weis auf BT-Drucks. 13/​7158 S. 36[]
  5. Keidel/​Budde FamFG 16. Aufl. § 276 Rn. 1 mwN[]
  6. BGH, Beschluss vom 02.02.2011 – XII ZB 467/​10, FamRZ 2011, 556 Rn. 10 f.[]