Ver­län­ge­rung des Betreu­ungs­un­ter­halts aus kind­be­zo­ge­nen Grün­den

Im Rah­men der Bil­lig­keits­ent­schei­dung über eine Ver­län­ge­rung des Betreu­ungs­un­ter­halts aus kind­be­zo­ge­nen Grün­den nach § 1570 Abs. 1 Satz 2 und 3 BGB ist zunächst der indi­vi­du­el­le Umstand zu prü­fen, ob und in wel­chem Umfang die not­wen­di­ge Betreu­ung der Kin­der auf ande­re Wei­se gesi­chert ist oder in kind­ge­rech­ten Betreu­ungs­ein­rich­tun­gen gesi­chert wer­den könn­te. Ein Alters­pha­sen­mo­dell, das bei der Fra­ge der Ver­län­ge­rung des Betreu­ungs­un­ter­halts aus kind­be­zo­ge­nen Grün­den allein auf das Alter der Kin­der abstellt, wird die­sen Anfor­de­run­gen nicht gerecht 1.

Ver­län­ge­rung des Betreu­ungs­un­ter­halts aus kind­be­zo­ge­nen Grün­den

Soweit die Betreu­ung der Kin­der auf ande­re Wei­se sicher­ge­stellt oder in einer kind­ge­rech­ten Ein­rich­tung mög­lich ist, kann einer Erwerbs­ob­lie­gen­heit des betreu­en­den Eltern­teils auch ent­ge­gen­ste­hen, dass der ihm dane­ben ver­blei­ben­de Anteil an der Betreu­ung und Erzie­hung der Kin­der zu einer über­ob­li­ga­ti­ons­mä­ßi­gen Belas­tung füh­ren kann 2.

Eine Befris­tung des Betreu­ungs­un­ter­halts nach § 1578 b BGB schei­det schon des­we­gen aus, weil § 1570 BGB in der seit dem 1. Janu­ar 2008 gel­ten­den Fas­sung inso­weit eine Son­der­re­ge­lung für die Bil­lig­keits­ab­wä­gung ent­hält. Eine Begren­zung des Betreu­ungs­un­ter­halts vom ehe­an­ge­mes­se­nen Unter­halt nach § 1578 Abs. 1 BGB auf den ange­mes­se­nen Unter­halt nach der eige­nen Lebens­stel­lung setzt einer­seits vor­aus, dass die not­wen­di­ge Erzie­hung und Betreu­ung gemein­sa­mer Kin­der trotz des abge­senk­ten Unter­halts­be­darfs sicher­ge­stellt und das Kin­des­wohl auch sonst nicht beein­träch­tigt ist, ande­rer­seits eine fort­dau­ern­de Teil­ha­be des betreu­en­den Eltern­teils an den abge­lei­te­ten Lebens­ver­hält­nis­sen wäh­rend der Ehe unbil­lig erscheint.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 6. Mai 2009 – XII ZR 114/​08

  1. im Anschluss an BGH, Urteil vom 18. März 2009 – XII ZR 74/​08Fam­RZ 2009, 770[]
  2. im Anschluss an BGH, Urtei­le vom 18. März 2009 – XII ZR 74/​08Fam­RZ 2009, 770 und vom 16. Juli 2008 – XII ZR 109/​05Fam­RZ 2008, 1739, 1748 f.[]