Ver­län­ge­rung des Betreu­ungs­un­ter­halts aus kind­be­zo­ge­nen Grün­den

Der Bun­des­ge­richts­hof hat­te im März erst­mals Gele­gen­heit, zu der aktu­el­len ge­setzlichen Rege­lung des nach­ehe­li­chen Betreu­ungs­un­ter­halts in § 1570 BGB und insbeson­dere zur Dau­er des nach­ehe­li­chen Betreu­ungs­un­ter­halts Stel­lung zu neh­men. Zu die­sem Urteil, über das die Rechts­lu­pe bereits berich­te­te, lie­gen jetzt die Urteils­grün­de vor. Im Rah­men der Bil­lig­keits­ent­schei­dung über eine Ver­län­ge­rung des Betreu­ungs­un­ter­halts aus kind­be­zo­ge­nen Grün­den nach § 1570 Abs. 1 Satz 2 und 3 BGB ist stets zunächst der indi­vi­du­el­le Umstand zu prü­fen, ob und in wel­chem Umfang die Kin­des­be­treu­ung auf ande­re Wei­se gesi­chert ist oder in kind­ge­rech­ten Betreu­ungs­ein­rich­tun­gen gesi­chert wer­den könn­te. Denn mit der Neu­ge­stal­tung des nach­ehe­li­chen Betreu­ungs­un­ter­halts in § 1570 BGB hat der Gesetz­ge­ber für Kin­der ab Voll­endung des drit­ten Lebens­jah­res den Vor­rang der per­sön­li­chen Betreu­ung auf­ge­ge­ben.

Ver­län­ge­rung des Betreu­ungs­un­ter­halts aus kind­be­zo­ge­nen Grün­den

Ein Alters­pha­sen­mo­dell, das bei der Fra­ge der Ver­län­ge­rung des Betreu­ungs­un­ter­halts aus kind­be­zo­ge­nen Grün­den allein auf das Alter des Kin­des abstellt, wird die­sen Anfor­de­run­gen nicht gerecht. Soweit die Betreu­ung des Kin­des auf ande­re Wei­se sicher­ge­stellt oder in einer kind­ge­rech­ten Ein­rich­tung mög­lich ist, kann einer Erwerbs­ob­lie­gen­heit des betreu­en­den Eltern­teils auch ent­ge­gen­ste­hen, dass der ihm dane­ben ver­blei­ben­de Anteil an der Betreu­ung und Erzie­hung des Kin­des zu einer über­ob­li­ga­ti­ons­mä­ßi­gen Belas­tung füh­ren kann 1.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 18. März 2009 – XII ZR 74/​08

  1. im Anschluss an das BGH-Urteil vom 16. Juli 2008 – XII ZR 109/​05Fam­RZ 2008, 1739, 1748 f.[]