Ver­mö­gens­über­tra­gung im Gan­zen

Nach § 1365 Abs. 1 Satz 1 BGB kann sich ein Ehe­gat­te nur mit Ein­wil­li­gung des ande­ren Ehe­gat­ten ver­pflich­ten, über sein Ver­mö­gen im Gan­zen zu ver­fü­gen. Die Vor­schrift des § 1365 BGB greift nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs nicht nur dann ein, wenn das Geschäft auf die Über­tra­gung des gesam­ten Ver­mö­gens als sol­ches gerich­tet ist, son­dern auch, wenn ein ein­zel­ner Ver­mö­gens­ge­gen­stand ver­äu­ßert wird, der im Wesent­li­chen das gan­ze Ver­mö­gen des Ver­äu­ße­rers dar­stellt, und wenn der Ver­trags­part­ner dies weiß oder zumin­dest die Ver­hält­nis­se kennt, aus denen sich dies ergibt 1.

Ver­mö­gens­über­tra­gung im Gan­zen

Eine Ver­fü­gung über das Ver­mö­gen im Gan­zen kann dann vor­lie­gen, wenn der Ehe­gat­te – bei klei­ne­ren Ver­mö­gen – mit einem oder meh­re­ren Ein­zel­ge­gen­stän­den mehr als 85 % sei­nes Ver­mö­gens über­trägt 2.

Die Dar­le­gungs- und Beweis­last trägt der­je­ni­ge, der sich auf die Unwirk­sam­keit beruft 3. Dabei gehört zur Dar­le­gung auch die Kennt­nis des Drit­ten von den rele­van­ten Umstän­den 4.

Wird ein ein­zel­ner Ver­mö­gens­ge­gen­stand ver­äu­ßert, der im Wesent­li­chen das gan­ze Ver­mö­gen des Ver­äu­ße­rers dar­stellt, muss der Ver­trags­part­ner dies wis­sen oder zumin­dest die Ver­hält­nis­se ken­nen, aus denen sich dies ergibt, damit § 1365 BGB ein­greift 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 22. Okto­ber 2014 – XII ZR 194/​13

  1. BGHZ 196, 95 = Fam­RZ 2013, 607 Rn. 10 mwN[]
  2. BGH, Urteil BGHZ 196, 95 = Fam­RZ 2013, 607 Rn. 11[]
  3. BGH, Urteil vom 16.05.1990 XII ZR 37/​89 Fam­RZ 1990, 970, 971 f.[]
  4. BGHZ 123, 93 = Fam­RZ 1993, 1302 f.[]
  5. vgl. BGH, Urteil BGHZ 196, 95 = Fam­RZ 2013, 607 Rn. 10; BGHZ 123, 93 = Fam­RZ 1993, 1302 f. und BGHZ 43, 174 = WM 1965, 341[]