Ver­schwie­gen­heits­klau­sel unter Pro­mi­nen­ten

Sind die in einer Schei­dungs­fol­gen­ver­ein­ba­rung getrof­fe­ne Ver­schwie­gen­heits­klau­sel und ande­re Unter­las­sungs­pflich­ten hin­rei­chend bestimmt, liegt weder ein Geset­zes­ver­stoß vor noch sind sie sit­ten­wid­rig, wenn die­se auf­grund der Pro­mi­nenz der Ver­trags­par­tei­en einem berech­tig­ten Inter­es­se ent­pre­chen.

Ver­schwie­gen­heits­klau­sel unter Pro­mi­nen­ten

Mit die­ser Ent­schei­dung hat das Land­ge­richt Koblenz in die­sem Fall dem Antrag der ehe­ma­li­gen Ehe­frau des Künst­lers Tho­mas Anders auf Unter­las­sung zahl­rei­cher Äuße­run­gen des Ver­fü­gungs­be­klag­ten über ihre Per­son in des­sen im Sep­tem­ber 2011 erschie­ne­nem Buch sowie in Talk-Sen­dun­gen, Buch­le­sun­gen und TV-Show statt­ge­ge­ben. Die Ver­fü­gungs­klä­ge­rin hat­te sich auf eine Ver­schwie­gen­heits­klau­sel in der anläss­lich der Ehe­schei­dung getrof­fe­nen Schei­dungs­fol­gen­ver­ein­ba­rung beru­fen. Mit die­sem Urteil ist im Wesent­li­chen das im Novem­ber 2011 ergan­ge­ne Ver­säum­nis­ur­teil 1 bestä­tigt wor­den. Nach­dem der Ver­fü­gungs­be­klag­te zu dem Ver­hand­lungs­ter­min nicht erschie­nen war, ist auf Antrag der Ver­fü­gungs­klä­ge­rin Ver­säum­nis­ur­teil ergan­gen. Gegen die­ses Ver­säum­nis­ur­teil hat Tho­mas Anders Ein­spruch ein­ge­legt, über den das Land­ge­richt zu ent­schei­den hat­te.

Nach Auf­fas­sung des Land­ge­richts Koblenz begeg­net die Ver­schwie­gen­heits­klau­sel in der Schei­dungs­fol­gen­ver­ein­ba­rung kei­nen Wirk­sam­keits­be­den­ken. Die den Par­tei­en auf­er­leg­ten Unter­las­sungs­pflich­ten, sich nicht über Ein­zel­hei­ten des Zusam­men­le­bens, der Ehe und der Ehe­schei­dung sowie über nicht all­ge­mein bekann­te per­sön­li­che Eigen­schaf­ten und Hand­lun­gen des ande­ren Teils und über den Inhalt der Schei­dungs­fol­gen­ver­ein­ba­rung zu äußern, sei hin­rei­chend bestimm­bar. Die Rege­lung ver­sto­ße weder gegen ein Ver­bots­ge­setz, noch bestün­den Anhalts­punk­te für eine Sit­ten­wid­rig­keit. Das Land­ge­richt ver­weist in die­sem Zusam­men­hang dar­auf, dass die Ver­schwie­gen­heits­ver­pflich­tung auf­grund der Pro­mi­nenz der Ver­trags­par­tei­en einem berech­tig­ten Inter­es­se ent­spre­che. Sie sei nicht mit den ethi­schen Grund­la­gen der Ehe unver­ein­bar und ent­fal­te kei­ne kne­beln­de Wir­kung. Auch habe der Ver­fü­gungs­be­klag­te sei­nen Ein­wand, durch die in der Klau­sel ver­an­ker­te Ver­trags­stra­fe bei Ver­stö­ßen in Höhe von 100.000 € dro­he eine Exis­tenz­ge­fähr­dung wegen Belang­lo­sig­kei­ten, nicht belegt.

Die ver­schie­de­nen Äuße­run­gen des Ver­fü­gungs­be­klag­ten sieht das Land­ge­richt Koblenz als Ver­stoß gegen die Ver­schwie­gen­heits­ver­pflich­tung an. Der größ­te Teil der Aus­sa­gen betref­fe kon­kre­te Hand­lun­gen der Ver­fü­gungs­klä­ge­rin, wie etwa das Ver­hal­ten bei Ein­käu­fen oder sons­ti­ge Bege­ben­hei­ten des Lebens­all­tags der ehe­ma­li­gen Ehe­part­ner. Deren all­ge­mei­ne Bekannt­heit habe der Ver­fü­gungs­be­klag­te nicht dar­ge­legt. Zwar habe er Ver­öf­fent­li­chun­gen über ver­gleich­ba­re Hand­lun­gen bzw. über Eigen­schaf­ten der Ver­fü­gungs­klä­ge­rin, die in den Hand­lun­gen zum Aus­druck kom­men, vor­ge­legt. Das Land­ge­richt ist jedoch der Ansicht, dass nach der Ver­schwie­gen­heits­ver­pflich­tung zwi­schen Äuße­run­gen über Hand­lun­gen und Aus­sa­gen über Eigen­schaf­ten zu unter­schei­den sei. Die in der Buch­ver­öf­fent­li­chung des Ver­fü­gungs­be­klag­ten geschil­der­ten Hand­lun­gen sei­en mit ihrem kon­kre­ten Inhalt noch nicht all­ge­mein bekannt gewe­sen.

Das Begeh­ren, dem Ver­fü­gungs­be­klag­ten auch Äuße­run­gen zur Abfin­dungs­sum­me anläss­lich der Ehe­schei­dung zu unter­sa­gen, blieb erfolg­los; nur inso­weit hat­te der Ein­spruch gegen das Ver­säum­nis­ur­teil Erfolg. Zwar sei­en ent­spre­chen­de Äuße­run­gen nach der Ver­schwie­gen­heits­ver­pflich­tung unzu­läs­sig, doch habe die Ver­fü­gungs­klä­ge­rin kei­ne ent­spre­chen­den Ver­stö­ße des Ver­fü­gungs­be­klag­ten belegt.

Land­ge­richt Koblenz, Urteil vom 16. März 2012 – 13 O 4/​11

  1. LG Koblenz, Urteil vom 04.11.2011 – 13 O 4/​11[]