Ver­sor­gungs­aus­gleich trotz gerin­ger Aus­gleichs­wer­te

Führt der Tatrich­ter den Aus­gleich von Anrech­ten mit gerin­gem Aus­gleichs­wert in Aus­übung des ihm durch § 18 Abs. 2 VersAus­glG ein­ge­räum­ten Ermes­sens durch, sind die dafür tra­gen­den Grün­de in den Ent­schei­dungs­grün­den dar­zu­le­gen.

Ver­sor­gungs­aus­gleich trotz gerin­ger Aus­gleichs­wer­te

Nach § 18 Abs. 2 VersAus­glG soll das Fami­li­en­ge­richt ein­zel­ne Anrech­te mit einem gerin­gen Aus­gleichs­wert nicht aus­glei­chen. Gering ist ein Aus­gleichs­wert gemäß § 18 Abs. 3 VersAus­glG, wenn er am Ende der Ehe­zeit bei einem Ren­ten­be­trag als maß­geb­li­cher Bezugs­grö­ße höchs­tens 1 Pro­zent, in allen ande­ren Fäl­len als Kapi­tal­wert höchs­tens 120 Pro­zent der monat­li­chen Bezugs­grö­ße nach § 18 Abs. 1 SGB IV beträgt.

Die Aus­ge­stal­tung des § 18 Abs. 2 VersAus­glG als Soll­vor­schrift eröff­net dem Tatrich­ter einen Ermes­sens­spiel­raum, der den Aus­gleich trotz Gering­wer­tig­keit des Anrechts immer dann erlaubt, wenn dies auf­grund beson­de­rer Umstän­de zur Wah­rung des Halb­tei­lungs­grund­sat­zes gebo­ten ist. Führt das Gericht den Aus­gleich gering­wer­ti­ger Anrech­te in Aus­übung die­ses Ermes­sens durch, sind die dafür tra­gen­den Grün­de in den Ent­schei­dungs­grün­den dar­zu­le­gen 1.

Las­sen sich der Beschwer­de­ent­schei­dung eben­so wenig wie der Ent­schei­dung des Amts­ge­richts Aus­füh­run­gen dazu ent­neh­men, war­um das bestehen­de Anrecht trotz sei­nes gerin­gen Aus­gleichs­wer­tes aus­ge­gli­chen wor­den ist, ent­zieht sich die Ent­schei­dung damit der gebo­te­nen recht­li­chen Über­prü­fung, ob das Beschwer­de­ge­richt sein Ermes­sen aus­ge­übt oder die Not­wen­dig­keit dazu ver­kannt hat und ob es die gesetz­li­chen Gren­zen des Ermes­sens über­schrit­ten oder davon einen unsach­ge­mä­ßen, dem Sinn und Zweck des § 18 VersAus­glG zuwi­der­lau­fen­den Gebrauch gemacht hat 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 19. Novem­ber 2014 – XII ZB 353/​12

  1. vgl. Wick Der Ver­sor­gungs­aus­gleich 3. Aufl. Rn. 435; Münch­Komm-BGB/Gräper 6. Aufl. § 18 VersAus­glG Rn. 22[]
  2. vgl. dazu BGH, Beschlüs­se vom 01.02.2012 XII ZB 172/​11 Fam­RZ 2012, 610 Rn.19 ff.; und vom 30.11.2011 XII ZB 344/​10 Fam­RZ 2012, 192 Rn. 37 ff.[]