Ver­sor­gungs­aus­gleich – und die Pau­scha­lie­rung der Tei­lungs­kos­ten des Ver­sor­gungs­trä­gers

Gegen die im Rah­men einer Misch­kal­ku­la­ti­on vor­ge­nom­me­ne Pau­scha­lie­rung der Tei­lungs­kos­ten in Form eines Pro­zent­sat­zes in Höhe von 23 % des ehe­zeit­li­chen Kapi­tal­werts eines Anrechts bestehen kei­ne grund­sätz­li­chen Beden­ken. In die­sem Fall sind die pau­scha­len Tei­lungs­kos­ten für jedes Anrecht aller­dings durch einen Höchst­be­trag zu begren­zen, wobei ein Höchst­be­trag von nicht mehr als 500 € in der Regel die Begren­zung auf einen im Sin­ne von § 13 VersAus­glG ange­mes­se­nen Kos­ten­an­satz gewähr­leis­tet.

Ver­sor­gungs­aus­gleich – und die Pau­scha­lie­rung der Tei­lungs­kos­ten des Ver­sor­gungs­trä­gers

Macht der Ver­sor­gungs­trä­ger dem­ge­gen­über gel­tend, dass ein Höchst­be­trag von 500 € für sei­ne Misch­kal­ku­la­ti­on nicht aus­kömm­lich sei und trägt er in die­sem Zusam­men­hang zum durch­schnitt­lich zu erwar­ten­den Tei­lungs­auf­wand vor, hat sich die Ange­mes­sen­heits­prü­fung dar­an zu ori­en­tie­ren, bis zu wel­chem Höchst­be­trag der Ver­sor­gungs­trä­ger höher­wer­ti­ge Anrech­te belas­ten muss, damit sei­ne Misch­kal­ku­la­ti­on ins­ge­samt auf­geht 1.

Nach § 13 VersAus­glG kann der Ver­sor­gungs­trä­ger im Rah­men der inter­nen Tei­lung ange­mes­se­ne Tei­lungs­kos­ten mit den Anrech­ten bei­der Ehe­gat­ten ver­rech­nen. Die Ange­mes­sen­heit der gel­tend gemach­ten Tei­lungs­kos­ten hat das Gericht von Amts wegen (§ 26 FamFG) zu prü­fen. Hält es die­se unter Berück­sich­ti­gung aller wesent­li­chen Umstän­de für unan­ge­mes­sen, kann es einen gerin­ge­ren als den vom Ver­sor­gungs­trä­ger bean­spruch­ten Betrag ver­rech­nen 2.

Zutref­fend sind die recht­li­chen Aus­gangs­punk­te des Beschwer­de­ge­richts. Gegen eine Pau­scha­lie­rung der Tei­lungs­kos­ten auf der Grund­la­ge pau­scha­ler Kos­ten­ab­zü­ge in Höhe von 23 % des ehe­zeit­be­zo­ge­nen Kapi­tal­werts des aus­zu­glei­chen­den Anrechts bestehen kei­ne grund­sätz­li­chen Beden­ken 3. Mit der Pau­scha­lie­rung der Tei­lungs­kos­ten geht eine Misch­kal­ku­la­ti­on des Ver­sor­gungs­trä­gers ein­her, nach der bei bestimm­ten Anrech­ten höhe­re Tei­lungs­kos­ten umge­legt wer­den als tat­säch­lich ange­fal­len sind, damit im Gegen­zug bei klei­ne­ren Anrech­ten auch nied­ri­ge­re und den tat­säch­li­chen Auf­wand nicht decken­de Tei­lungs­kos­ten erho­ben wer­den kön­nen. Inso­weit ent­hält die Misch­kal­ku­la­ti­on auch eine Kom­po­nen­te des sozia­len Aus­gleichs, weil bei der Ver­fol­gung eines kon­se­quen­ten Stück­kos­ten­an­sat­zes das Risi­ko einer weit­ge­hen­den Auf­zeh­rung klei­ne­rer Anrech­te durch die Tei­lungs­kos­ten in Kauf genom­men wer­den müss­te. Auch im Rah­men einer sol­chen Misch­kal­ku­la­ti­on wäre aller­dings ein Kos­ten­ab­zug unan­ge­mes­sen, der einer­seits die Anrech­te der Ehe­gat­ten emp­find­lich schmä­lern wür­de und ande­rer­seits außer Ver­hält­nis zu dem tat­säch­li­chen Auf­wand des Ver­sor­gungs­trä­gers stün­de. Um dies zu ver­mei­den, ist es daher auch für die­se Art der pau­scha­len Berech­nung der Tei­lungs­kos­ten not­wen­dig, die Tei­lungs­kos­ten für ein aus­zu­glei­chen­des Anrecht durch einen Höchst­be­trag zu begren­zen 4.

Liegt dem Ansatz von Tei­lungs­kos­ten wie hier eine Pau­scha­lie­rung in Form eines Pro­zent­sat­zes des ehe­zeit­li­chen Kapi­tal­werts mit einer Höchst­gren­ze zugrun­de, hat sich die Ange­mes­sen­heits­prü­fung im Aus­gangs­punkt dar­an zu ori­en­tie­ren, bis zu wel­chem Höchst­be­trag der Ver­sor­gungs­trä­ger höher­wer­ti­ge Anrech­te belas­ten muss, damit sei­ne Misch­kal­ku­la­ti­on gege­be­nen­falls unter Berück­sich­ti­gung eines von ihm erho­be­nen Min­dest­be­tra­ges ins­ge­samt auf­geht. Der Bun­des­ge­richts­hof hat für die­se Fäl­le bereits aner­kannt, dass die gebo­te­ne Begren­zung auf ange­mes­se­ne Tei­lungs­kos­ten bei einer Ober­gren­ze von nicht mehr als 500 € typi­scher­wei­se als gewähr­leis­tet ange­se­hen wer­den kann, ohne dass der Ver­sor­gungs­trä­ger zu den Ein­zel­hei­ten sei­ner Misch­kal­ku­la­ti­on näher vor­tra­gen muss 5. Hält der Ver­sor­gungs­trä­ger eine sol­che Ober­gren­ze nicht für aus­kömm­lich, bie­tet ins­be­son­de­re eine quan­ti­fi­zie­ren­de Ana­ly­se der tat­säch­lich zu erwar­ten­den durch­schnitt­li­chen (Stück)Kos­ten bei einem pau­scha­lie­ren­den Kos­ten­an­satz eine taug­li­che Hil­fe­stel­lung bei der Fest­le­gung ange­mes­se­ner Ober­gren­zen für den Kos­ten­ab­zug 6. Dabei darf die Ober­gren­ze bei einer Misch­kal­ku­la­ti­on natur­ge­mäß die durch­schnitt­lich zu erwar­ten­den tat­säch­li­chen Kos­ten nicht unter­schrei­ten 7.

Im vor­lie­gen­den Fall hat der NDR als Ver­sor­gungs­trä­ger zu sei­ner inter­nen Kos­ten­kal­ku­la­ti­on in der Beschwer­de- begrün­dung kon­kre­ten Vor­trag gehal­ten und den jähr­li­chen Kos­ten­an­fall pro Anrecht in der Anwart­schafts- und Leis­tungs­pha­se auf­ge­schlüs­selt nach Per­so­nal­auf­wand für die lau­fen­de Ver­wal­tung und für die Ren­ten­be­rech­nung, Gut­ach­ter­kos­ten für die Berech­nung der Pen­si­ons­rück­stel­lun­gen sowie EDV-Kos­ten im Ein­zel­nen bezif­fert. Zwar ist es durch­aus zutref­fend, dass der NDR die­se von ihm gel­tend gemach­ten Kos­ten­an­sät­ze nur all­ge­mein erläu­tert, aber kei­ne wei­ter­ge­hen­den Berech­nungs­grund­la­gen mit­ge­teilt hat, wel­che die Her­lei­tung des von ihm unter­brei­te­ten Zah­len­werks nach­voll­zieh­bar und über­prüf­bar machen. Indes­sen war das Beschwer­de­ge­richt gemäß § 220 Abs. 4 FamFG berech­tigt und im Hin­blick auf den Amts­er­mitt­lungs­grund­satz (§ 26 FamFG) auch ver­pflich­tet, sich die vom NDR mit­ge­teil­ten Kos­ten­an­sät­ze in die­ser Hin­sicht erläu­tern zu las­sen. Mit Recht macht die Rechts­be­schwer­de gel­tend, dass für den NDR auch aus dem Hin­weis­be­schluss vom 18.01.2012 nicht ersicht­lich war, wor­auf sich die vom Ver­sor­gungs­trä­ger erwar­te­ten ergän­zen­den Anga­ben kon­kret bezie­hen soll­ten.

Lie­gen indes­sen hin­rei­chend kon­kre­te und nach­voll­zieh­ba­re Anga­ben zu den inter­nen Kos­ten­struk­tu­ren des Ver­sor­gungs­trä­gers vor, wird es für das Gericht in der Regel mög­lich sein, mit sach­ver­stän­di­ger Hil­fe den Bar­wert der tat­säch­lich zu erwar­ten­den Ver­wal­tungs­kos­ten in durch­schnitt­li­chen (Mus­ter) Fäl­len zu bestim­men und damit ein Hilfs­mit­tel für die Beur­tei­lung der Fra­ge nach einer ange­mes­se­nen Ober­gren­ze für den pau­scha­len Kos­ten­ab­zug zu erlan­gen.

Nur ergän­zend bemerkt der Bun­des­ge­richts­hof, dass die vom NDR ange­stell­te über­schlä­gi­ge Berech­nung, wonach durch die Ver­wal­tung des Anrechts der 59jährigen Antrag­stel­le­rin für die vor­aus­sicht­li­che Dau­er von 25 bis 30 Jah­ren bei einem jähr­li­chen Kos­ten­an­fall in Höhe von 91, 40 € gesam­te Ver­wal­tungs­kos­ten von gerun­det 2.300 € bis 2.700 € ent­stün­den, in die­ser Form nicht trag­fä­hig sein dürf­te. Zum einen fällt ein Teil der vom NDR gel­tend gemach­ten jähr­li­chen Ver­wal­tungs­kos­ten schon nach des­sen eige­nem Vor­trag in der Anwart­schafts­pha­se nicht an (43 €). Zum ande­ren wird in die­ser Berech­nung wie es zur Bestim­mung des Bar­werts erfor­der­lich wäre weder Dyna­mik noch Abzin­sung berück­sich­tigt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 25. März 2015 – XII ZB 156/​12

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 18.03.2015 XII ZB 74/​12[]
  2. BGH, Beschluss vom 11.07.2012 XII ZB 459/​11 Fam­RZ 2012, 1549 Rn. 24[]
  3. BGH, Beschlüs­se vom 01.02.2012 XII ZB 172/​11 Fam­RZ 2012, 610 Rn. 47; und vom 04.04.2012 XII ZB 310/​11 Fam­RZ 2012, 942 Rn. 17 ff. mwN[]
  4. BGH, Beschlüs­se vom 01.02.2012 XII ZB 172/​11 Fam­RZ 2012, 610 Rn. 50 f.; und vom 04.04.2012 XII ZB 310/​11 Fam­RZ 2012, 942 Rn.19 f.[]
  5. BGH, Beschlüs­se vom 18.03.2015 XII ZB 74/​12 zur Ver­öf­fent­li­chung bestimmt; vom 01.02.2012 XII ZB 172/​11 Fam­RZ 2012, 610 Rn. 52; und vom 04.04.2012 XII ZB 310/​11 Fam­RZ 2012, 942 Rn. 21; vgl. auch Dose BetrAV 2014, 433, 439 f.[]
  6. BGH, Beschluss vom 18.03.2015 XII ZB 74/​12 zur Ver­öf­fent­li­chung bestimmt; vgl. auch Lucius/​Veit/​Groß BetrAV 2011, 52, 54[]
  7. vgl. Cisch/​Hufer/​Karst BB 2011, 1401, 1404[]