Ver­sor­gungs­aus­gleich – und die ruhen­de Beam­ten­ver­sor­gung

Für den Aus­gleich einer Beam­ten­ver­sor­gung ist auch im Fall des (teil­wei­sen) Ruhens nach § 56 Abs. 1 und 3 BeamtVG grund­sätz­lich das unge­kürz­te Stamm­recht des aus­gleichs­ver­pflich­te­ten Ehe­gat­ten maß­geb­lich.

Ver­sor­gungs­aus­gleich – und die ruhen­de Beam­ten­ver­sor­gung

Das Ruhen ist aller­dings dann beacht­lich; und vom aus­gleichs­be­rech­tig­ten Ehe­gat­ten mit­zu­tra­gen, wenn und soweit es auf kon­kur­rie­ren­den Anrech­ten beruht, die der aus­gleichs­ver­pflich­te­te Ehe­gat­te eben­falls wäh­rend der Ehe­zeit erwor­ben hat und an denen der berech­tig­te Ehe­gat­te infol­ge­des­sen im Ver­sor­gungs­aus­gleich sei es öffent­lich­recht­lich, sei es schuld­recht­lich teil­hat 1.

Im Grund­satz ist dem Ver­sor­gungs­aus­gleich das unge­kürz­te Stamm­recht der Beam­ten­ver­sor­gung zugrun­de zu legen 2. Die Ruhens­re­ge­lung in § 56 Abs. 1 und 3 BeamtVG wirkt sich dabei auf die Bewer­tung der ehe­zeit­lich erwor­be­nen Ver­sor­gungs­an­wart­schaft regel­mä­ßig nicht aus.

Erhält ein Ruhe­stands­be­am­ter aus der Ver­wen­dung im öffent­li­chen Dienst einer zwi­schen­staat­li­chen oder über­staat­li­chen Ein­rich­tung eine Ver­sor­gung, führt dies gemäß § 56 Abs. 1 BeamtVG zu einem teil­wei­sen oder voll­stän­di­gen Ruhen sei­nes inlän­di­schen Ruhe­ge­halts 3. Durch die­se Vor­schrift sol­len Über­ver­sor­gun­gen aus dem Zusam­men­tref­fen von inlän­di­schen Ver­sor­gungs­be­zü­gen mit Ver­sor­gun­gen aus zwi­schen­staat­li­chen oder über­staat­li­chen Ver­wen­dun­gen ver­mie­den wer­den. Denn nach dem die Besol­dung und Ver­sor­gung eines Beam­ten beherr­schen­den Ali­men­ta­ti­ons­grund­satz kann eine höhe­re Ver­sor­gung als der jeweils bestehen­de Höchst­ver­sor­gungs­satz nicht ver­langt wer­den (vgl. zu § 55 BeamtVG BGH, Beschluss vom 01.12 1982 IVb ZB 532/​81 Fam­RZ 1983, 358, 359). Erhält der Beam­te bei sei­nem Aus­schei­den aus dem öffent­li­chen Dienst einer zwi­schen- bzw. über­staat­li­chen Ein­rich­tung statt einer Ver­sor­gung eine Abfin­dung, tritt die­se bis zu einer bestimm­ten Höchst­gren­ze an die Stel­le sei­nes inlän­di­schen Ruhe­ge­halts, wel­ches in die­sem Umfang ruht. Hier­durch wird jedoch ledig­lich die Aus­zah­lung des die Höchst­gren­ze über­schrei­ten­den inlän­di­schen Ver­sor­gungs­be­trags begrenzt.

Das Stamm­recht der Ver­sor­gung bleibt hin­ge­gen bestehen, da alle Vor­aus­set­zun­gen für den Ruhe­ge­halts­an­spruch erfüllt sind (vgl. zu § 55 BeamtVG BGH, Beschluss vom 01.12 1982 IVb ZB 532/​81 Fam­RZ 1983, 358, 359). Ent­spre­chend ist das unge­kürz­te Stamm­recht auch für den Ver­sor­gungs­aus­gleich maß­geb­lich.

Aller­dings ist das Ruhen eines Teils der Ver­sor­gung des aus­gleichs­ver­pflich­te­ten Ehe­gat­ten im Hin­blick auf den Ver­sor­gungs­aus­gleich dann beacht­lich; und vom aus­gleichs­be­rech­tig­ten Ehe­gat­ten mit­zu­tra­gen, wenn und soweit es auf kon­kur­rie­ren­den Anrech­ten beruht, die der aus­gleichs­ver­pflich­te­te Ehe­gat­te eben­falls wäh­rend der Ehe­zeit erwor­ben hat und an denen der berech­tig­te Ehe­gat­te infol­ge­des­sen im Ver­sor­gungs­aus­gleich sei es öffent­lich­recht­lich, sei es schuld­recht­lich teil­hat 4. Dies folgt aus dem Halb­tei­lungs­grund­satz (§ 1 Abs. 1 VersAus­glG), wel­cher eine hälf­ti­ge Teil­ha­be des aus­gleichs­be­rech­tig­ten Ehe­gat­ten ent­we­der unmit­tel­bar an den ehe­zeit­be­zo­ge­nen aus­län­di­schen Anrech­ten des aus­gleichs­ver­pflich­te­ten Ehe­gat­ten oder falls dies nicht mög­lich ist zumin­dest mit­tel­bar an des­sen unge­kürz­ten inlän­di­schen Ver­sor­gungs­an­wart­schaf­ten gebie­tet.

Liegt wie hier ein sol­cher Fall des ander­wei­ti­gen Aus­gleichs der zur Kür­zung füh­ren­den wei­te­ren Ver­sor­gung nicht vor, kann eine Kor­rek­tur der sche­ma­ti­schen Durch­füh­rung des Ver­sor­gungs­aus­gleichs nur unter den Vor­aus­set­zun­gen des § 27 VersAus­glG erfol­gen. Danach fin­det ein Ver­sor­gungs­aus­gleich aus­nahms­wei­se nicht statt, soweit er grob unbil­lig wäre, was nur der Fall ist, wenn die gesam­ten Umstän­de des Ein­zel­falls es recht­fer­ti­gen, von der Halb­tei­lung abzu­wei­chen 5.

Dabei ist eine teil­wei­se Nicht­durch­füh­rung des Ver­sor­gungs­aus­gleichs nach § 27 VersAus­glG dann in Betracht zu zie­hen, wenn der aus­gleichs­be­rech­tig­te Ehe­gat­te über den Aus­gleich der unge­kürz­ten Ver­sor­gung hin­aus an der vom Aus­gleichs­pflich­ti­gen bezo­ge­nen Abfin­dung bereits (hälf­tig) par­ti­zi­piert hat. In die­sem Fall pro­fi­tiert der Aus­gleichs­be­rech­tig­te bereits von dem zur Kür­zung der Ver­sor­gung füh­ren­den Ren­ten- oder Abfin­dungs­be­trag, so dass er auch die Fol­ge der Kür­zung der Ver­sor­gung mit­zu­tra­gen hat, ohne dass dadurch die Halb­tei­lung ver­letzt ist. Wür­de der Aus­gleichs­be­rech­tig­te hin­ge­gen neben einer Teil­ha­be an der aus­län­di­schen oder über­staat­li­chen Ren­te oder an dem Abfin­dungs­be­trag Anrech­te aus dem unge­kürz­ten Stamm­recht der Beam­ten­ver­sor­gung erhal­ten, bekä­me er unter Ver­let­zung der Halb­tei­lung mehr als die Hälf­te des vom ande­ren Ehe­gat­ten ehe­zeit­lich erwor­be­nen Alters­vor­sor­ge­ver­mö­gens 6.

Fer­ner kommt eine gro­be Unbil­lig­keit des Ver­sor­gungs­aus­gleichs in Betracht, wenn der aus­gleichs­pflich­ti­ge Ehe­gat­te an einem vom aus­gleichs­be­rech­tig­ten ehe­zeit­lich erwor­be­nen, aber sei­ner­seits auf­ge­lös­ten Anrecht nicht teil­ha­ben kann und davon auch nicht ander­wei­tig pro­fi­tiert hat. Die­ser Fall ist der durch Aus­übung des Kapi­tal­wahl­rechts dem Ver­sor­gungs­aus­gleich ent­zo­ge­nen Ver­sor­gung ver­gleich­bar 7.

Dem aus­gleichs­be­rech­tig­ten Ehe­gat­ten kann eine Teil­ha­be an der Kür­zung der inlän­di­schen Ver­sor­gungs­an­wart­schaf­ten sei­nes Ehe­gat­ten nach § 56 BeamtVG inso­weit zuge­mu­tet wer­den, als des­sen Dienst­zeit bei einer zwi­schen­staat­li­chen oder über­staat­li­chen Ein­rich­tung in die Ehe­zeit fällt. Dem­entspre­chend ist im Rah­men der Berech­nun­gen der (Gesamt)Kür­zungs­be­trag für das Ruhe­ge­halt des aus­gleichs­ver­pflich­te­ten Ehe­gat­ten ins Ver­hält­nis sei­ner ehe­be­zo­ge­nen Dienst­zeit bei der zwi­schen- bzw. über­staat­li­chen Ein­rich­tung zu deren Gesamt­zeit zu set­zen 8 und der auf die­se Wei­se ermit­tel­te ehe­an­tei­li­ge Kür­zungs­be­trag vom zuvor errech­ne­ten Ehe­zeit­an­teil sei­ner Ver­sor­gungs­an­wart­schaf­ten in Abzug zu brin­gen (vgl. zu § 55 BeamtVG BGH, Beschlüs­se vom 19.01.2000 XII ZB 16/​96 Fam­RZ 2000, 746, 747; vom 15.12 2004 XII ZB 179/​03 Fam­RZ 2005, 511, 512; und vom 18.01.2006 XII ZB 206/​01 Fam­RZ 2006, 397, 399).

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. Sep­tem­ber 2016 – XII ZB 453/​14

  1. Fort­füh­rung des BGH, Beschlus­ses vom 11.10.1995 XII ZB 137/​91 Fam­RZ 1996, 98[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 11.10.1995 XII ZB 137/​91 Fam­RZ 1996, 98, 102[]
  3. BGH, Beschlüs­se vom 11.10.1995 XII ZB 137/​91 Fam­RZ 1996, 98, 101 f.; und vom 02.12 1987 IVb ZB 146/​83 Fam­RZ 1988, 273[]
  4. BGH, Beschlüs­se vom 11.10.1995 XII ZB 137/​91 Fam­RZ 1996, 98, 102; vom 02.12 1987 IVb ZB 146/​83 Fam­RZ 1988, 273, 274; und vom 01.12 1982 IVb ZB 532/​81 Fam­RZ 1983, 358, 361[]
  5. vgl. zuletzt BGH, Beschlüs­se vom 11.05.2016 XII ZB 480/​13 Fam­RZ 2016, 1343 Rn. 16 ff.; und vom 16.12 2015 XII ZB 450/​13 Fam­RZ 2016, 697 Rn. 15 mwN[]
  6. vgl. schon BGH, Beschluss vom 11.10.1995 XII ZB 137/​91 Fam­RZ 1996, 98, 102[]
  7. vgl. dazu BGH, Beschlüs­se vom 16.12 2015 XII ZB 450/​13 Fam­RZ 2016, 697 Rn. 15 ff.; und vom 01.04.2015 XII ZB 701/​13 Fam­RZ 2015, 998 Rn.19 ff.[]
  8. BGH, Beschluss vom 11.10.1995 XII ZB 137/​91 Fam­RZ 1996, 98, 103[]