Ver­trag zwi­schen Eltern und Kind – und der Ergän­zungs­pfle­ger

Im Ver­fah­ren über die fami­li­en­ge­richt­li­che Geneh­mi­gung eines von Eltern als gesetz­li­chen Ver­tre­tern ihres min­der­jäh­ri­gen Kin­des abzu­schlie­ßen­den Ver­tra­ges bedarf es zur Ver­tre­tung des nicht ver­fah­rens­fä­hi­gen Kin­des im Ver­fah­ren und für die Bekannt­ga­be der die Geneh­mi­gung aus­spre­chen­den Ent­schei­dung kei­nes Ergän­zungs­pfle­gers 1. Etwas ande­res gilt nur, wenn und soweit die Eltern nach § 1795 BGB kraft Geset­zes von der Ver­tre­tung aus­ge­schlos­sen sind oder ihnen die Ver­tre­tung wegen einer bestehen­den Inter­es­sen­kol­li­si­on nach § 1796 BGB durch gericht­li­che Ent­schei­dung ent­zo­gen wor­den ist 2.

Ver­trag zwi­schen Eltern und Kind – und der Ergän­zungs­pfle­ger

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall wur­den die betrof­fe­nen Kin­der 2007 und 2011 gebo­ren. Ihr Vater war Land­wirt. Er ver­starb 2016. Die allein sor­ge­be­rech­tig­te Mut­ter will land­wirt­schaft­lich genutz­te Grund­stü­cke, die ihr und den Kin­dern als Mit­er­ben nach dem Vater gehö­ren, lang­fris­tig ver­pach­ten und hat in einem geson­der­ten Ver­fah­ren hier­für die Geneh­mi­gung des Fami­li­en­ge­richts bean­tragt. Das Amts­ge­richt Kel­heim hat im von Amts wegen ein­ge­lei­te­ten vor­lie­gen­den Ver­fah­ren den Kin­dern – ohne vor­he­ri­ge Anhö­rung der Mut­ter – für die Ver­tre­tung bei der Ein­ge­hung des Pacht­ver­trags eine Rechts­an­wäl­tin als Ergän­zungs­pfle­ge­rin bestellt 3.

Die von der Mut­ter hier­ge­gen ein­ge­leg­te Beschwer­de wur­de vom Ober­lan­des­ge­richt zurück­ge­wie­sen 4. Die dage­gen gerich­te­te Rechts­be­schwer­de der Mut­ter hat­te nun vor dem Bun­des­ge­richts­hof Erfolg:

Gemäß § 41 Abs. 3 FamFG ist ein Beschluss, der die Geneh­mi­gung eines Rechts­ge­schäfts zum Gegen­stand hat, auch dem­je­ni­gen bekannt­zu­ge­ben, für den das Rechts­ge­schäft geneh­migt wird. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs folgt dar­aus nicht, dass das Ver­tre­tungs­recht des Vor­munds gemäß § 1793 Abs. 1 Satz 1 BGB über die in § 1796 BGB bezeich­ne­ten Fäl­le hin­aus zu ent­zie­hen ist. Nach § 1796 Abs. 2 BGB soll die eine Ergän­zungs­pfleg­schaft aus­lö­sen­de Ent­zie­hung des Ver­tre­tungs­rechts nur erfol­gen, wenn das Inter­es­se des Mün­dels zu dem Inter­es­se des Vor­munds in erheb­li­chem Gegen­satz steht. Ein Aus­schluss des Ver­tre­tungs­rechts aus ver­fah­rens­recht­li­chen Grün­den jen­seits des hier nicht ein­schlä­gi­gen § 1795 BGB oder des § 1796 BGB kommt nicht in Betracht 5. Die­se für das Ver­tre­tungs­recht des Vor­munds ange­führ­ten Grün­de gel­ten erst recht auch für die gesetz­li­che Ver­tre­tung durch die Eltern.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Nürn­berg begrün­det der Abschluss von Ver­trä­gen kei­ne ent­schei­den­de Beson­der­heit gegen­über der vom Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­de­nen Fall­kon­stel­la­ti­on einer Erbaus­schla­gung 6. Die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts steht dem auch in der vor­lie­gen­den Fall­ge­stal­tung nicht ent­ge­gen. Denn die­se bezieht sich auf einen am Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren nicht betei­lig­ten, selbst ver­fah­rens­fä­hi­gen Ver­tre­te­nen und ver­langt, dass die­sem der Geneh­mi­gungs­be­schluss bekannt­ge­ge­ben wer­den muss. Dar­aus und aus der dar­an ori­en­tier­ten Geset­zes­fas­sung in § 41 Abs. 3 FamFG folgt aber noch nicht, dass das nicht ver­fah­rens­fä­hi­ge Kind für die Bekannt­ga­be – und eben­falls hin­sicht­lich der Ver­tre­tung im Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren – einen Ergän­zungs­pfle­ger benö­tigt. Viel­mehr ist im Unter­schied zur Stel­lung des Nach­lass­pfle­gers, um den es in dem vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall ging, die ver­fas­sungs­recht­lich garan­tier­te elter­li­che Sor­ge vom Gesetz nur inso­weit ein­ge­schränkt, als die Eltern hin­sicht­lich bestimm­ter Ver­trä­ge nicht unbe­schränkt für das Kind han­deln kön­nen, son­dern hier­für einer gericht­li­chen Geneh­mi­gung bedür­fen. Da es an einer aus­drück­li­chen gesetz­li­chen Grund­la­ge fehlt, ver­bie­tet sich ein über die bestehen­den Ermäch­ti­gun­gen hin­aus­ge­hen­der Ein­griff in das Eltern­recht. Der Bun­des­ge­richts­hof hat dem­entspre­chend bereits in ande­rem Zusam­men­hang her­vor­ge­ho­ben, dass die gesetz­li­che Ver­tre­tung des Kin­des im Kind­schafts­ver­fah­ren durch die Eltern als Bestand­teil des Eltern­rechts eine wohl­ab­ge­wo­ge­ne Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers dar­stellt 7.

Der gesetz­li­che Ver­tre­ter wird in Fäl­len der vor­lie­gen­den Art schließ­lich bereits durch das Gericht kon­trol­liert. Ein Bedürf­nis dafür, das der Kon­trol­le die­nen­de Ver­fah­ren sowie das kon­trol­lie­ren­de Gericht sei­ner­seits einer gene­rel­len wei­te­ren Kon­trol­le durch einen ande­ren Ver­tre­ter des Rechts­in­ha­bers zu unter­stel­len, besteht – jeden­falls soweit kein Inter­es­sen­wi­der­streit fest­ge­stellt wird – nicht 8.

Die vom Amts­ge­richt beschlos­se­ne; und vom Ober­lan­des­ge­richt gebil­lig­te Pfle­ger­be­stel­lung ent­spricht den genann­ten Maß­stä­ben nicht. Sie ist schon des­we­gen rechts­wid­rig, weil das Amts­ge­richt dem Ergän­zungs­pfle­ger die Ver­tre­tung bei der Ein­ge­hung eines Pacht­ver­trags über­tra­gen hat, was deut­lich über die Bekannt­ga­be nach § 41 Abs. 3 FamFG und auch über die Ver­tre­tung der Kin­der im Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren hin­aus­geht. Aus wel­chem Grund die sor­ge­be­rech­tig­te Mut­ter nicht dazu in der Lage sein soll­te, die Kin­der beim Abschluss des Pacht­ver­trags zu ver­tre­ten, geht weder aus dem ange­foch­te­nen Beschluss noch aus dem Beschluss des Amts­ge­richts her­vor. Die­se befas­sen sich viel­mehr allein mit der Bekannt­ga­be des Geneh­mi­gungs­be­schlus­ses.

Für eine Ent­zie­hung der Ver­tre­tung nach § 1796 BGB bestehen im vor­lie­gen­den Fall kei­ne Anhalts­punk­te. Ins­be­son­de­re besteht kei­ne Inter­es­sen­kol­li­si­on zwi­schen der sor­ge­be­rech­tig­ten Mut­ter und den Kin­dern. Mut­ter und Kin­der befin­den sich als Ver­päch­ter viel­mehr in der glei­chen Ver­trags­stel­lung und haben mit­hin im Zwei­fel gleich­lau­fen­de Inter­es­sen. Die Über­prü­fung, ob die Ver­pach­tung in der kon­kret ver­ein­bar­ten Form dem Kin­des­wohl ent­spricht, ist dem dafür vor­ge­se­he­nen geson­der­ten Ver­fah­ren vor­be­hal­ten.

Auf die Beschwer­de der sor­ge­be­rech­tig­ten Mut­ter war daher die vom Amts­ge­richt ange­ord­ne­te Ergän­zungs­pfle­ger­be­stel­lung ersatz­los auf­zu­he­ben.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 3. April 2019 – XII ZB 359/​17

  1. Fort­füh­rung von BGH, Beschluss vom 12.02.2014 – XII ZB 592/​12, Fam­RZ 2014, 640[]
  2. im Anschluss an BGH, Beschlüs­se BGHZ 191, 48 = Fam­RZ 2011, 1788; und vom 27.06.2018 – XII ZB 46/​18, Fam­RZ 2018, 1512[]
  3. AG Kel­heim, Beschluss vom 22.03.2017 52 F 41/​17[]
  4. OLG Nürn­berg, Beschluss vom 29.06.2017 11 WF 534/​17[]
  5. BGH, Beschluss vom 12.02.2014 – XII ZB 592/​12, Fam­RZ 2014, 640 Rn. 13[]
  6. vgl. auch BGH, Beschluss vom 02.12 2015 – XII ZB 283/​15, Fam­RZ 2016, 296 Rn.20; zutref­fend Weber DNotZ 2015, 498, 502 ff. mwN auch zur aA; Münch­Komm-FamFG/​Ulrici 3. Aufl. § 41 Rn. 14 ff.; Staudinger/​Veit BGB [2014] § 1796 Rn. 14[]
  7. vgl. BGH, Beschlüs­se BGHZ 191, 48 = Fam­RZ 2011, 1788 Rn. 18 ff.; und vom 27.06.2018 – XII ZB 46/​18, Fam­RZ 2018, 1512 Rn. 11 ff.[]
  8. BGH, Beschluss vom 12.02.2014 – XII ZB 592/​12, Fam­RZ 2014, 640 Rn. 15 mwN[]