Ver­ur­tei­lung zur Aus­kunfts­er­tei­lung – und die Beschwer

Der Wert der Beschwer eines Rechts­mit­tels gegen die Ver­pflich­tung zur Aus­kunfts­er­tei­lung bemisst sich nicht nach dem – mit dem Aus­kunfts­an­spruch vor­be­rei­te­ten – beab­sich­tig­ten Leis­tungs­an­spruch, son­dern nach dem Inter­es­se des Rechts­mit­tel­füh­rers, die Aus­kunft nicht ertei­len zu müs­sen.

Ver­ur­tei­lung zur Aus­kunfts­er­tei­lung – und die Beschwer

Grund­sätz­lich ist dafür auf den Auf­wand an Zeit und Kos­ten abzu­stel­len, den die sorg­fäl­ti­ge Ertei­lung der geschul­de­ten Aus­kunft erfor­dert 1.

Dabei kann der dem Beschwer­de­ge­richt bei der Bemes­sung der Beschwer ein­ge­räum­te Ermes­sens­spiel­raum im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren nur ein­ge­schränkt dar­auf über­prüft wer­den, ob das Beschwer­de­ge­richt die gesetz­li­chen Gren­zen sei­nes Ermes­sens über­schrit­ten oder sein Ermes­sen feh­ler­haft aus­ge­übt hat 2.

Zur Bewer­tung des vom Aus­kunfts­pflich­ti­gen auf­zu­wen­den­den Zeit­auf­wands ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs grund­sätz­lich auf die Stun­den­sät­ze zurück­zu­grei­fen, die der Aus­kunfts­pflich­ti­ge als Zeu­ge in einem Zivil­pro­zess erhal­ten wür­de, wenn er mit der Ertei­lung der Aus­kunft weder eine berufs­ty­pi­sche Leis­tung erbringt noch einen Ver­dienst­aus­fall erlei­det. Dabei ist regel­mä­ßig davon aus­zu­ge­hen, dass die zur Aus­kunfts­er­tei­lung erfor­der­li­chen Tätig­kei­ten in der Frei­zeit erbracht wer­den kön­nen. Es ist daher recht­lich nicht zu bean­stan­den, dass das Beschwer­de­ge­richt den Zeit­auf­wand des Antrag­stel­lers ent­spre­chend den Bestim­mun­gen des Jus­tiz­ver­gü­tungs- und ent­schä­di­gungs­ge­set­zes (JVEG) über die Ent­schä­di­gung von Zeu­gen bewer­tet und dabei auf den in § 20 JVEG fest­ge­leg­ten Stun­den­satz von 3,50 € zurück­ge­grif­fen hat.

Eben­so ist nicht zu bean­stan­den, wenn das Beschwer­de­ge­richt hin­sicht­lich des auf­zu­wen­den­den Zeit­um­fangs auf die eige­nen Anga­ben des Antrags­geg­ners zurück­ge­grif­fen hat, wonach er "für eine güter­recht­li­che Aus­kunft" 20 Stun­den benö­ti­ge. Dies durf­te so ver­stan­den wer­den, dass der Antrags­geg­ner einen dar­über hin­aus­ge­hen­den Auf­wand auch für die hier zu ertei­len­de unter­halts­recht­li­che Aus­kunft nicht behaup­ten woll­te. Dar­aus ergab sich im hier ent­schie­de­nen Fall für den Bun­des­ge­richts­hof ein Eigen­auf­wand in der Grö­ßen­ord­nung von ( 20 x 3,50 € = ) 70 €.

Ein den Min­dest­be­schwer­de­wert über­stei­gen­der Auf­wand ist auch nicht durch die Hin­zu­zie­hung eines Steu­er­be­ra­ters ver­an­lasst. Die Kos­ten der Zuzie­hung einer sach­kun­di­gen Hilfs­per­son kön­nen bei der Bemes­sung des Wer­tes des Beschwer­de­ge­gen­stan­des näm­lich nur berück­sich­tigt wer­den, wenn und soweit sie zwangs­läu­fig ent­ste­hen, weil der Aus­kunfts­pflich­ti­ge zu einer sach­ge­rech­ten Aus­kunfts­er­tei­lung nicht in der Lage ist 3.

Das wäre vor­lie­gend nur dann der Fall, wenn der ange­foch­te­ne Beschluss den Antrags­geg­ner dazu ver­pflich­ten wür­de, als Beleg detail­lier­te Ver­zeich­nis­se über das betrieb­li­che Anla­ge­ver­mö­gen und des­sen steu­er­li­che Abschrei­bung vor­zu­le­gen, wel­che erst noch erstellt wer­den müss­ten. Selbst wenn der Antrags­geg­ner ein sol­ches Ver­zeich­nis nicht ohne Zuhil­fe­nah­me sei­nes Steu­er­be­ra­ters erstel­len könn­te, belie­fen sich die dafür erfor­der­li­chen Kos­ten nach dem vom Antrags­geg­ner vor­ge­leg­ten Ange­bot sei­nes Steu­er­be­ra­ters auf ledig­lich 250 € zuzüg­lich Umsatz­steu­er, ins­ge­samt somit 297,50 €. Zusam­men­ge­rech­net mit dem eige­nen Stun­den­auf­wand des Antrags­geg­ners ergibt sich inso­weit eine Beschwer von 367,50 €.

Soweit der ange­foch­te­ne Beschluss den Antrags­geg­ner wei­ter ver­pflich­tet, eine Eigen­ka­pi­tal­glie­de­rung der Gesell­schaft als Beleg vor­zu­le­gen, fehlt es an hin­rei­chen­der Dar­le­gung, dass es dazu einer wei­te­ren Befas­sung des Steu­er­be­ra­ters bedarf. Gemäß § 266 Abs. 3 Buch­sta­be A HGB ist die Glie­de­rung des Eigen­ka­pi­tals in Kapi­tal­rück­la­ge, Gewinn­rück­la­gen, Gewinn- und Ver­lust­vor­trag sowie Jah­res­über­schuss bzw. fehl­be­trag bereits Gegen­stand der auf­zu­stel­len­den Jah­res­bi­lanz, wobei § 272 HGB bestimmt, wie sich die ein­zel­nen Pos­ten des Eigen­ka­pi­tals zusam­men­set­zen. Da der Jah­res­ab­schluss nach Dar­stel­lung des Antrags­geg­ners bereits vor­liegt, genügt die dar­in auf­ge­führ­te Eigen­ka­pi­tal­glie­de­rung als Erfül­lung die­ser Beleg­pflicht.

Der Hin­zu­zie­hung eines Steu­er­be­ra­ters bedarf es auch nicht für den dem Antrags­geg­ner wei­ter auf­ge­ge­be­nen Beleg über die von ihm aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit in der Zeit von August 2015 bis Juli 2016 erhal­te­nen Spe­sen und die ande­ren Son­der­leis­tun­gen. Eben­so wie ein Arbeit­neh­mer ist auch der Antrags­geg­ner in der Lage, sei­ne Spe­sen­ab­rech­nun­gen und die ihm gewähr­ten Son­der­leis­tun­gen anhand der ihm vor­lie­gen­den oder dem Steu­er­be­ra­ter über­ge­be­nen und von ihm zurück­zu­for­dern­den Unter­la­gen selbst zusam­men­zu­stel­len.

Schließ­lich hat­te der aus­kunfts­pflich­ti­ge Antrags­geg­ner im vor­lie­gen­den Fall auch ein den Beschwer­de­wert erhö­hen­des beson­de­res Geheim­hal­tungs­in­ter­es­se nicht dar­ge­legt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 19. Juli 2017 – XII ZB 66/​17

  1. vgl. BGHZ-GSZ 128, 85, 87 f.; BGH, Beschlüs­se vom 27.07.2016 – XII ZB 53/​16, Fam­RZ 2016, 1681 Rn. 6; vom 22.01.2014 – XII ZB 278/​13, Fam­RZ 2014, 644 Rn. 6 mwN; und vom 14.02.2007 – XII ZB 150/​05, Fam­RZ 2007, 711 Rn. 6 mwN[]
  2. BGH, Beschluss vom 27.07.2016 – XII ZB 53/​16, Fam­RZ 2016, 1681 Rn. 7 mwN[]
  3. BGH, Beschlüs­se vom 16.03.2016 – XII ZB 503/​15, Fam­RZ 2016, 1348 Rn. 10; und vom 28.10.2015 – XII ZB 524/​14, Fam­RZ 2016, 116 Rn. 13[]