Ver­ur­tei­lung zur Aus­kunft bei der Stu­fen­kla­ge – und die Höhe der Beschwer

Wird bei einer Stu­fen­kla­ge – wie hier – eine Ver­ur­tei­lung zur Aus­kunft aus­ge­spro­chen, so ist für die Bemes­sung des Werts des Beschwer­de­ge­gen­stan­des das Inter­es­se des Rechts­mit­tel­füh­rers maß­ge­bend, die Aus­kunft nicht ertei­len zu müssen.

Ver­ur­tei­lung zur Aus­kunft bei der Stu­fen­kla­ge – und die Höhe der Beschwer

Abge­se­hen von dem hier nicht gege­be­nen Fall eines beson­de­ren Geheim­hal­tungs­in­ter­es­ses kommt es grund­sätz­lich auf den Auf­wand an Zeit und Kos­ten an, den die Ertei­lung der geschul­de­ten Aus­kunft erfor­dert [1].

Soweit das Rechts­mit­tel­in­ter­es­se – wie hier – gemäß den §§ 2, 3 ZPO fest­zu­set­zen ist, kann die Bewer­tung durch das Beru­fungs­ge­richt im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren nur dar­auf über­prüft wer­den, ob das Beru­fungs­ge­richt die gesetz­li­chen Gren­zen des ihm ein­ge­räum­ten Ermes­sens über­schrit­ten oder sein Ermes­sen feh­ler­haft aus­ge­übt hat.

Das ist ins­be­son­de­re der Fall, wenn das Beru­fungs­ge richt maß­geb­li­che Tat­sa­chen ver­fah­rens­feh­ler­haft nicht berück­sich­tigt oder etwa erheb­li­che Tat­sa­chen unter Ver­stoß gegen die Auf­klä­rungs­pflicht nicht fest­ge­stellt hat [2].

Nach die­sen Grund­sät­zen hat das Beru­fungs­ge­richt in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall rechts­feh­ler­frei und ohne Über­schrei­tung der dem Tatrich­ter gezo­ge­nen Gren­zen einen 600 € nicht über­stei­gen­den Wert des Beschwer­de­ge­gen­stan­des angenommen:

Ohne Erfolg bleibt der Angriff der Rechts­be­schwer­de, das Beru­fungs­ge­richt habe ver­kannt, dass der Zeit­auf­wand des Beklag­ten nach § 22 JVEG mit min­des­tens 20 € je Stun­de anzu­set­zen sei, weil die­ser den erfor­der­li­chen Zeit­auf­wand als selb­stän­di­ger Tech­nik­in­for­ma­ti­ker nicht in sei­ner Frei­zeit auf­brin­gen kön­ne und daher einen Ver­dienst­aus­fall in erheb­li­cher Höhe erlei­de. Das Beru­fungs­ge­richt hat zu Recht kei­nen Ver­dienst­aus­fall ange­setzt. Nach § 22 JVEG erhal­ten die­je­ni­gen, „denen ein Ver­dienst­aus­fall ent­steht“, eine Ent­schä­di­gung, die sich nach dem regel­mä­ßi­gen Brut­to­ver­dienst rich­tet und die für jede Stun­de höchs­tens 21 € beträgt. Der Geset­zes­wort­laut setzt damit einen tat­säch­lich ent­stan­de­nen Ver­dienst­aus­fall vor­aus. Tritt ein Ver­dienst­aus­fall nicht ein, kommt folg­lich nur eine Zeit­ver­säum­nis­ent­schä­di­gung nach § 20 JVEG in Betracht [3]. So liegt es hier. Ein Ver­dienst­aus­fall, den der Beklag­te nur pau­schal behaup­tet, ergibt sich ins­be­son­de­re nicht ohne Wei­te­res aus sei­ner selb­stän­di­gen Tätig­keit.

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Die Rechts­be­schwer­de meint, es sei­en 300 € für 600 Foto­ko­pien á 0, 50 € anzu­set­zen. Abge­se­hen davon, dass dies nicht zu einem 600 € über­stei­gen­den Wert der Beschwer füh­ren wür­de, wäre die­ser Ansatz jeden­falls der Höhe nach über­setzt (vgl. § 7 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 JVEG: 0, 50 € je Sei­te für die ers­ten 50 Sei­ten und 0, 15 € für jede wei­te­re Seite).

Infol­ge der umfas­sen­den Ver­pflich­tung des Beklag­ten zur Aus­kunft kann sich die­ser auch nicht mit Erfolg auf die Unmög­lich­keit der Aus­kunfts­er­tei­lung beru­fen. Ent­spre­chend ist bei der Bem essung der Beschwer hier auch nicht ein mög­li­cher Kos­ten­auf­wand zu berück­sich­ti­gen, der not­wen­dig wäre, um mit anwalt­li­cher Hil­fe gege­be­nen­falls Voll­stre­ckungs­ver­su­che abzu­wen­den [4].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 7. Okto­ber 2020 – IV ZB 34/​19

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 08.03.2017 – IV ZB 18/​16, ZEV 2017, 278 Rn. 6; vom 04.06.2014 – IV ZB 2/​14, FamRZ 2014, 1453 Rn. 8; jeweils m.w.N.[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 08.03.2017 aaO m.w.N.[]
  3. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 07.05.2014 – XII ZB 630/​12, NJW-RR 2014, 1096 Rn. 18; vom 26.01.2012 – VII ZB 60/​09, NJW-RR 2012, 761 Rn. 10[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 08.03.2017 – IV ZB 18/​16, ZEV 2017, 278 Rn. 9[]

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