Vor­sor­ge­voll­macht – und die Wider­rufs­be­fug­nis der Kon­troll­be­treue­rin

Die Befug­nis zum Voll­macht­wi­der­ruf beinhal­tet einen schwer­wie­gen­den Grund­rechts­ein­griff und muss des­we­gen dem Betreu­er als eige­ner Auf­ga­ben­kreis aus­drück­lich zuge­wie­sen wer­den 1.

Vor­sor­ge­voll­macht – und die Wider­rufs­be­fug­nis der Kon­troll­be­treue­rin

Soll dem Kon­troll­be­treu­er die Ermäch­ti­gung zum Voll­macht­wi­der­ruf über­tra­gen wer­den, setzt dies trag­fä­hi­ge Fest­stel­lun­gen vor­aus, dass das Fest­hal­ten an der erteil­ten Vor­sor­ge­voll­macht eine künf­ti­ge Ver­let­zung des Wohls des Betrof­fe­nen mit hin­rei­chen­der Wahr­schein­lich­keit und in erheb­li­cher Schwe­re befürch­ten lässt.

Sind beheb­ba­re Män­gel bei der Voll­macht­aus­übung fest­zu­stel­len, erfor­dert der Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz grund­sätz­lich zunächst den Ver­such, durch einen zu bestel­len­den (Kontroll)Betreuer auf den Bevoll­mäch­tig­ten posi­tiv ein­zu­wir­ken, ins­be­son­de­re durch Ver­lan­gen nach Aus­kunft und Rechen­schafts­ab­le­gung (§ 666 BGB) sowie die Aus­übung bestehen­der Wei­sungs­rech­te. Nur wenn die­se Maß­nah­men fehl­schla­gen oder ein sol­ches Vor­ge­hen auf­grund fest­ste­hen­der Tat­sa­chen mit hin­rei­chen­der Sicher­heit als unge­eig­net erscheint, dro­hen­de Schä­den auf die­se Wei­se abzu­wen­den, ist die Ermäch­ti­gung zum Voll­macht­wi­der­ruf, der die ulti­ma ratio dar­stellt, ver­hält­nis­mä­ßig 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 5. Juni 2019 -XII ZB 58/​19

  1. BGH, Beschluss BGHZ 206, 321 = Fam­RZ 2015, 1702 Rn. 10 ff.[]
  2. BGH, Beschluss vom 09.05.2018 XII ZB 413/​17 Fam­RZ 2018, 1188 Rn. 31 f. mwN[]