Zuge­winn­aus­gleich als ent­gelt­li­cher Ver­mö­gens­zu­wachs

Mit der Fra­ge einer Ein­ord­nung des Zuge­winn­aus­gleichs als ent­gelt­li­chen Ver­mö­gens­zu­wachs hat­te sich aktu­ell der Bun­des­ge­richts­hof zu befas­sen:

Zuge­winn­aus­gleich als ent­gelt­li­cher Ver­mö­gens­zu­wachs

Im Rechts­sinn wie auch im all­ge­mei­nen Sprach­ge­brauch ist eine Leis­tung unent­gelt­lich, wenn ihr kei­ne Gegen­leis­tung gegen­über­steht, dem Leis­ten­den also kei­ne dem von ihm auf­ge­ge­be­nen Ver­mö­gens­wert ent­spre­chen­de Gegen­leis­tung zufließt 1. Dabei steht der Unent­gelt­lich­keit, anders als die Revi­si­on meint, nicht nur eine syn­al­lag­ma­ti­sche oder kau­sa­le Ver­knüp­fung von Leis­tung und Gegen­leis­tung ent­ge­gen. Ent­gelt­lich sind auch Zuwen­dun­gen, die zur Erfül­lung einer rechts­wirk­sa­men Ver­bind­lich­keit erfol­gen 2, weil die dadurch bewirk­te Befrei­ung von der Ver­bind­lich­keit einen Ver­mö­gens­vor­teil für den Leis­ten­den dar­stellt 3 und dem­entspre­chend der durch die Leis­tung erfüll­te Anspruch des Emp­fän­gers erlischt.

Gemes­sen hier­an ist die Zah­lung des Zuge­winn­aus­gleichs, die der Ehe­mann von sei­ner geschie­de­nen Ehe­frau erhal­ten hat, kein unent­gelt­li­cher Ver­mö­gens­er­werb, weil durch die­se Zah­lung sei­ne Aus­gleichs­for­de­rung gemäß § 1378 Abs. 1 BGB erfüllt wor­den ist. Zudem dient der Zuge­winn­aus­gleich nach sei­nem Grund­ge­dan­ken der Teil­ha­be an dem wäh­rend der Ehe gemein­sam erwirt­schaf­te­ten Ver­mö­gen 4. Die jewei­li­gen Leis­tun­gen, die die Ehe­part­ner im Rah­men ihrer inner­fa­mi­liä­ren Arbeits­tei­lung erbrin­gen, sind grund­sätz­lich als gleich­wer­tig anzu­se­hen 5.

Ent­spre­chend der zivil­recht­li­chen Ein­ord­nung des Zuge­winn­aus­gleichs nach Schei­dung einer Ehe als ent­gelt­li­che Zuwen­dung unter­liegt die Aus­gleichs­for­de­rung gemäß § 1378 Abs. 1 BGB in Fäl­len, in denen der Güter­stand der Zuge­winn­ge­mein­schaft in ande­rer Wei­se als durch den Tod eines Ehe­gat­ten been­det wird, gemäß § 5 Abs. 2 ErbStG nicht der Erb­schafts- und Schen­kungs­steu­er 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 21. Okto­ber 2014 – XI ZR 210/​13

  1. BGH, Urtei­le vom 28.05.2009 – Xa ZR 9/​08, WM 2009, 1760 Rn. 8; und vom 13.02.2014 – IX ZR 133/​13, WM 2014, 516 Rn. 14[]
  2. Münch­Komm-BGB/J. Koch, 6. Aufl., § 516 Rn. 25; Palandt/​Weidenkaff, BGB, 73. Aufl., § 516 Rn. 9 a[]
  3. RGZ 105, 246, 248; vgl. auch BGH, Urteil vom 15.05.1963 – V ZR 141/​61, NJW 1963, 1613, 1614[]
  4. BGH, Urteil vom 09.10.2013 XII ZR 125/​12, NJW 2013, 3642 Rn. 27 und Beschluss vom 16.10.2013 XII ZB 277/​12, NJW 2013, 3645 Rn.19, jeweils mwN[]
  5. BVerfG, NJW 2003, 2819, 2820[]
  6. vgl. hier­zu BFH, Fam­RZ 2006, 1670, 1671[]