Zuge­winn­aus­gleich – und der Vor­wurf illoya­ler Ver­mö­gens­ver­schie­bun­gen

Im Rah­men des Zuge­winn­aus­gleichs trifft die Ehe­gat­ten grund­sätz­lich die Oblie­gen­heit, eine schlüs­sig behaup­te­te illoya­le Ver­mö­gens­min­de­rung sub­stan­ti­iert zu bestrei­ten. Unter­bleibt dies, sind die behaup­te­ten Tat­sa­chen als zuge­stan­den anzu­se­hen 1.

Zuge­winn­aus­gleich – und der Vor­wurf illoya­ler Ver­mö­gens­ver­schie­bun­gen

Nach § 1375 Abs. 2 Satz 1 BGB wird dem End­ver­mö­gen eines Ehe­gat­ten der Betrag hin­zu­ge­rech­net, um den die­ses Ver­mö­gen unter ande­rem dadurch ver­min­dert ist, dass ein Ehe­gat­te nach Ein­tritt des Güter­stands Ver­mö­gen ver­schwen­det hat (Nr. 2) oder Hand­lun­gen in der Absicht vor­ge­nom­men hat, den ande­ren Ehe­gat­ten zu benach­tei­li­gen (Nr. 3). Dabei ist unter Ver­schwen­dung das ziel­lo­se und unnüt­ze Aus­ge­ben von Geld in einem Maße zu ver­ste­hen, das in kei­nem Ver­hält­nis zu den Ein­kom­mens- und Ver­mö­gens­ver­hält­nis­sen des Ehe­gat­ten stand 2. Ein groß­zü­gi­ger Lebens­stil oder ein Leben über die Ver­hält­nis­se reicht dage­gen nicht aus. Die Benach­tei­li­gungs­ab­sicht im Sin­ne von § 1375 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 BGB gegen­über dem ande­ren Ehe­gat­ten muss das lei­ten­de Motiv gewe­sen sein 3.

Die Dar­le­gungs- und Beweis­last für das Vor­han­den­sein von End­ver­mö­gen obliegt grund­sätz­lich dem Aus­gleichs­gläu­bi­ger 4. Ob dies in Abwei­chung hier­von bei einem im Zeit­punkt der Tren­nung unstrei­tig vor­han­de­nen Ver­mö­gens­wert, und zwar auch bei einer am 1.09.2009, dem Inkraft­tre­ten der Güter­rechts­re­form, bereits rechts­kräf­tig geschie­de­nen Ehe, in ent­spre­chen­der Anwen­dung von § 1375 Abs. 2 Satz 2 BGB anders zu beur­tei­len sein kann, bedarf im vor­lie­gen­den Fall kei­ner Ent­schei­dung.

Nach § 1379 Abs. 1 Satz 1 BGB in der seit dem 1.09.2009 gel­ten­den Fas­sung kann jeder Ehe­gat­te von den dort genann­ten Zeit­punk­ten an von dem ande­ren unter ande­rem Aus­kunft über das Ver­mö­gen zum Zeit­punkt der Tren­nung (Nr. 1) ver­lan­gen. Ist das End­ver­mö­gen eines Ehe­gat­ten gerin­ger als das Ver­mö­gen, das er in der Aus­kunft zum Tren­nungs­zeit­punkt ange­ge­ben hat, so hat die­ser Ehe­gat­te nach § 1375 Abs. 2 Satz 2 BGB dar­zu­le­gen und zu bewei­sen, dass die Ver­mö­gens­min­de­rung nicht auf Hand­lun­gen im Sin­ne des Sat­zes 1 Nr. 1 bis 3 zurück­zu­füh­ren ist. Auch hier­durch soll der Schutz des Aus­gleichs­be­rech­tig­ten vor illoya­len Ver­mö­gens­min­de­run­gen ver­stärkt wer­den 5.

Der Über­gangs­vor­schrift zum Gesetz zur Ände­rung des Zuge­winn­aus­gleichs- und Vor­mund­schafts­rechts vom 06.07.2009 in Art. 229 § 20 EG-BGB lässt sich aller­dings nicht ent­neh­men, dass das geän­der­te Zuge­winn­aus­gleichs­recht auch in den Fäl­len zur Anwen­dung gelan­gen soll, in denen die Ehe wie hier bei Inkraft­tre­ten der Neu­re­ge­lung bereits rechts­kräf­tig geschie­den und der Güter­stand dem­zu­fol­ge been­det ist. Die Bestim­mung besagt allein, dass für Ver­fah­ren über den Aus­gleich des Zuge­winns, die vor dem 1.09.2009 anhän­gig wer­den, für den Zuge­winn­aus­gleich § 1374 BGB in der bis zu die­sem Tag gel­ten­den Fas­sung anzu­wen­den ist 6.

Im Hin­blick dar­auf, dass der Gesetz­ge­ber eine ver­fas­sungs­recht­lich bedenk­li­che "ech­te" Rück­wir­kung nicht anord­nen woll­te, hat der Bun­des­ge­richts­hof zum einen ent­schie­den, dass die Vor­schrif­ten der §§ 1378 Abs. 2 Satz 1, 1384 BGB in der seit dem 1.09.2009 gel­ten­den Fas­sung nicht anwend­bar sind, wenn die Ehe vor dem 1.09.2009 rechts­kräf­tig geschie­den wor­den ist 7. Zum ande­ren hat der Bun­des­ge­richts­hof dahin erkannt, dass auch § 1378 Abs. 2 Satz 2 BGB, wonach sich das für die Begren­zung der Aus­gleichs­for­de­rung maß­geb­li­che Ver­mö­gen des Aus­gleichs­pflich­ti­gen in Fäl­len der illoya­len Ver­mö­gens­min­de­rung um den im End­ver­mö­gen hin­zu­zu­rech­nen­den Betrag erhöht, in die­sem Fall kei­ne Anwen­dung fin­det 8. Ob die­se Erwä­gun­gen auch hin­sicht­lich der Anwend­bar­keit von § 1375 Abs. 2 Satz 2 BGB durch­grei­fen, kann hier indes­sen offen­blei­ben 9.

Bereits unter der Gel­tung des frü­he­ren Zuge­winn­aus­gleichs­rechts traf den nicht beweis­be­las­te­ten Aus­gleichs­schuld­ner pro­zes­su­al die Oblie­gen­heit, eine schlüs­sig behaup­te­te illoya­le Ver­mö­gens­min­de­rung sub­stan­ti­iert zu bestrei­ten, weil die vor­ge­tra­ge­nen Tat­sa­chen sei­ne eige­nen Hand­lun­gen betref­fen 10. Das ist auch seit dem Inkraft­tre­ten des neu­en Zuge­winn­aus­gleichs­rechts nicht anders zu beur­tei­len 11. Im Übri­gen hat der Gesetz­ge­ber die­sen Gedan­ken mit der Ein­fü­gung von § 1375 Abs. 2 Satz 2 BGB ersicht­lich auf­ge­grif­fen 12.

Danach traf den Antrags­geg­ner im vor­lie­gen­den Fall die Oblie­gen­heit, sub­stan­ti­iert zu bestrei­ten, über das bei der Tren­nung unstrei­tig vor­han­de­ne Gut­ha­ben auf dem Geld­markt­kon­to illoy­al ver­fügt zu haben. Denn die Antrag­stel­le­rin hat­te eine illoya­le Ver­mö­gens­min­de­rung schlüs­sig behaup­tet, indem sie wie sich aus ihrem vom Beschwer­de­ge­richt in Bezug genom­me­nen Vor­trag im Beschwer­de­ver­fah­ren ergibt gel­tend gemacht hat, dass der erheb­li­che Betrag in dem allein in Betracht kom­men­den Zeit­raum zwi­schen der Tren­nung und der Zustel­lung des Schei­dungs­an­trags nicht im Rah­men einer ord­nungs­ge­mä­ßen Lebens­füh­rung ver­braucht wor­den sein kann. Damit hat die Antrag­stel­le­rin den objek­ti­ven und sub­jek­ti­ven Tat­be­stand einer Hand­lung im Sin­ne von § 1375 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 BGB schlüs­sig dar­ge­legt; eine Benach­tei­li­gungs­ab­sicht ergibt sich bei den in Rede ste­hen­den wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­sen schon aus der Höhe des strei­ti­gen Betrags.

Dem Vor­brin­gen ist der Antrags­geg­ner nicht sub­stan­ti­iert ent­ge­gen­ge­tre­ten. Nach­dem er noch in ers­ter Instanz erklärt hat­te, er habe das Gut­ha­ben abge­ho­ben und das Geld zuhau­se ver­wahrt, dort habe es die Antrag­stel­le­rin mit einem Nach­schlüs­sel im Wesent­li­chen ent­wen­det, hat er im Beru­fungs­ver­fah­ren vom Beschwer­de­ge­richt eben­falls in Bezug genom­men behaup­tet, das Geld ver­braucht zu haben. Ein­zel­hei­ten hier­zu hat er trotz des Bestrei­tens der Antrag­stel­le­rin nicht dar­ge­tan. Das hat zur Fol­ge, dass die behaup­te­te Tat­sa­che, näm­lich die Ver­schwen­dung des Gel­des, als zuge­stan­den anzu­se­hen ist 13.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. Novem­ber 2014 – XII ZB 469/​13

  1. im Anschluss an BGH, Urteil vom 23.04.1986 – IVb ZR 2/​85 , NJW-RR 1986, 1325[]
  2. Münch­Komm-BGB/­Koch 6. Aufl. § 1375 Rn. 34; Palandt/​Brudermüller BGB 73. Aufl. § 1375 Rn. 27; Haußleiter/​Schulz Ver­mö­gens­aus­ein­an­der­set­zung bei Tren­nung und Schei­dung 5. Aufl. Kap. 2 Rn. 93[]
  3. BGH, Urteil vom 19.04.2000 – XII ZR 62/​98 , Fam­RZ 2000, 948, 950[]
  4. all­ge­mei­ne Mei­nung, vgl. nur BGH, Beschluss BGHZ 194, 245 = Fam­RZ 2012, 1785 Rn. 39 und Münch­Komm-BGB/­Koch 6. Aufl. § 1375 Rn. 44[]
  5. vgl. BT-Drs. 16/​10798 S. 17 f.[]
  6. BGH, Urteil vom 16.07.2014 XII ZR 108/​12 Fam­RZ 2014, 1610 Rn.19[]
  7. BGH, Urteil vom 16.07.2014 XII ZR 108/​12 Fam­RZ 2014, 1610 Rn. 18 ff.[]
  8. BGH, Urteil vom 22.10.2014 XII ZR 194/​13 zur Ver­öf­fent­li­chung bestimmt[]
  9. vgl. aller­dings zum Aus­kunfts­an­spruch nach § 1379 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BGB BGH, Urteil vom 17.10.2012 – XII ZR 101/​10 , Fam­RZ 2013, 103 Rn.19 ff.[]
  10. BGH, Urteil vom 23.04.1986 IVb ZR 2/​85 NJW-RR 1986, 1325, 1326; OLG Frank­furt Fam­RZ 2006, 416; OLG Düs­sel­dorf Fam­RZ 2008, 1858, 1859[]
  11. vgl. BGH, Beschluss BGHZ 194, 245 = Fam­RZ 2012, 1785 Rn. 29 f.[]
  12. so auch Münch-KommBG­B/­Koch 6. Aufl. § 1375 Rn. 44[]
  13. vgl. BGH, Urteil vom 23.04.1986 IVb ZR 2/​85 NJW-RR 1986, 1325, 1326[]