Zulas­sung der Beschwer­de in Fami­li­en­sa­chen

Über die Zulas­sung der Beschwer­de ist im Aus­gangs­be­schluss zu ent­schei­den. Ent­hält die­ser kei­nen aus­drück­li­chen Aus­spruch zur Zulas­sung, ist das Rechts­mit­tel nicht zuge­las­sen. Die nach­träg­li­che Zulas­sung der Beschwer­de durch das Amts­ge­richt ist grund­sätz­lich unwirk­sam 1.

Zulas­sung der Beschwer­de in Fami­li­en­sa­chen

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kann bei einem Urteil, das kei­nen aus­drück­li­chen Aus­spruch über die Zulas­sung der Beru­fung ent­hält, die Zulas­sung nur dann im Wege eines Berich­ti­gungs­be­schlus­ses wirk­sam nach­ge­holt wer­den, wenn das Gericht die Beru­fung im Urteil zulas­sen woll­te und dies nur ver­se­hent­lich unter­blie­ben ist. Die­ses Ver­se­hen muss nach außen her­vor­ge­tre­ten und selbst für Drit­te ohne wei­te­res deut­lich sein 2.

Zwar kann die Beru­fungs­zu­las­sung – auch vom Rechts­mit­tel­ge­richt – noch nach­ge­holt wer­den, wenn das erst­in­stanz­li­che Gericht etwa auf­grund eines von ihm fest­ge­setz­ten höhe­ren Streit­werts ersicht­lich davon aus­ge­gan­gen ist, dass ein Rechts­mit­tel auch ohne Zulas­sung statt­haft ist 3. Dar­an fehlt es aber, wenn aus dem ange­foch­te­nen Beschluss nicht zu erken­nen ist, dass das erst­in­stanz­li­che Gericht ein Rechts­mit­tel für statt­haft gehal­ten hat 4.

Allein aus der nach­fol­gen­den Kor­rek­tur durch das Amts­ge­richt und ohne ent­spre­chen­de Anhalts­punk­te im ange­foch­te­nen Beschluss kann dies noch nicht geschlos­sen wer­den. Abge­se­hen von der man­geln­den Aus­sa­ge­kraft des Streit­werts für den Wert des Beschwer­de­ge­gen­stan­des 5 hat im hier ent­schie­de­nen Fall das Amts­ge­richt den Streit­wert nicht im ange­foch­te­nen, son­dern erst in sei­nem nach­träg­li­chen Beschluss fest­ge­setzt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 28. März 2012 – XII ZB 323/​11

  1. vgl. Kei­del/­Mey­er-Holz FamFG 17. Aufl. § 61 Rn. 36 mwN; zu § 511 Abs. 4 ZPO; vgl. BGH, Urteil vom 10.02.2011 – III ZR 338/​09, NJW 2011, 926, Rn. 15; und Beschluss vom 15.06.2011 – II ZB 20/​10, NJW 2011, 2974 Rn. 14[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 11.05.2004 – VI ZB 19/​04, Fam­RZ 2004, 1278; und vom 05.04.2011 – VI ZB 61/​10, NJW-RR 2011, 1430; BGHZ 78, 22 = NJW 1980, 2813[]
  3. BGH, Beschlüs­se vom 23.03.2011 – XII ZB 436/​10, Fam­RZ 2011, 882; und vom 21.04.2010 XII ZB 128/​09, Fam­RZ 2010, 964; Urteil vom 14.11.2007 – VIII ZR 340/​06, NJW 2008, 218, 219; und Beschluss vom 03.06.2008 – VIII ZB 101/​07WuM 2008, 614[]
  4. BGH, Urteil vom 10.02.2011 – III ZR 338/​09, NJW 2011, 926; und Beschluss vom 15.06.2011 – II ZB 20/​10, NJW 2011, 2974[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 10.02.2011 – III ZR 338/​09, NJW 2011, 926 Rn. 14; und Beschluss vom 15.06.2011 – II ZB 20/​10, NJW 2011, 2974, Rn. 15[]