Zustän­di­ges Beschwer­de­ge­richt bei Rich­terab­leh­nun­gen durch den Sach­ver­stän­di­gen

Bei gericht­li­chen Ent­schei­dun­gen des Amts­ge­richts nach dem JVEG ist Beschwer­de­ge­richt im Sin­ne des § 4 Abs. 4 Satz 2 JVEG auch dann das Land­ge­richt (nicht das Ober­lan­des­ge­richt), wenn das Amts­ge­richt als Fami­li­en­ge­richt ent­schie­den hat 1.

Zustän­di­ges Beschwer­de­ge­richt bei Rich­terab­leh­nun­gen durch den Sach­ver­stän­di­gen

Hat das Amts­ge­richt – Fami­li­en­ge­richt – ein Ableh­nungs­ge­such des Sach­ver­stän­di­gen gegen den für die Fest­set­zung sei­ner Ver­gü­tung nach § 4 JVEG zustän­di­gen Fami­li­en­rich­ter zurück­ge­wie­sen, so ist für die Ent­schei­dung über die dage­gen ein­ge­leg­te sofor­ti­ge Beschwer­de – ent­spre­chend dem Rechts­weg für eine mate­ri­el­le Beschwer­de gegen die Ver­gü­tungs­ent­schei­dung – eben­falls das Land­ge­richt (nicht das Ober­lan­des­ge­richt) zustän­dig.

Das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le hat bereits ent­schie­den, dass bei gericht­li­chen Ent­schei­dun­gen des Amts­ge­richts nach dem JVEG das Land­ge­richt – und nicht das Ober­lan­des­ge­richt – auch dann Beschwer­de­ge­richt im Sin­ne des § 4 Abs. 4 Satz 2 JVEG ist, wenn das Amts­ge­richt als Fami­li­en­ge­richt ent­schie­den hat 2. Dem haben sich Recht­spre­chung und Lite­ra­tur ganz über­wie­gend ange­schlos­sen 3.

Die gericht­li­che Fest­set­zung von Ver­gü­tun­gen nach dem JVEG sowie die inso­fern eröff­ne­ten Rechts­be­hel­fe sind in § 4 JVEG geson­dert gere­gelt. Nach § 4 Abs. 4 Satz 2 JVEG ist Beschwer­de­ge­richt "das nächst höhe­re Gericht". Das ist in Bezug auf Ent­schei­dun­gen des Amts­ge­richts – auch wenn es als Fami­li­en­ge­richt ent­schei­det – nicht das Ober­lan­des­ge­richt, son­dern das Land­ge­richt. Zwar ent­hält § 119 Abs. 1 Nr. 1 GVG eine Son­der­re­ge­lung, wonach die Ober­lan­des­ge­rich­te in Zivil­sa­chen für die Ver­hand­lung und Ent­schei­dung über die Rechts­mit­tel der Beschwer­de gegen Ent­schei­dun­gen der Amts­ge­rich­te "in den von den Fami­li­en­ge­rich­ten ent­schie­de­nen Sachen" zustän­dig sind.

Damit wird jedoch kei­ne aus­schließ­li­che Zustän­dig­keit für sämt­li­che Beschwer­den gegen Ent­schei­dun­gen der Abtei­lun­gen für Fami­li­en­sa­chen begrün­det. Bei der Neu­ge­stal­tung des Kos­ten­rechts im Jah­re 2004 hat der Gesetz­ge­ber in § 4 Abs. 4 S. 3 JVEG – anders als in § 66 Abs. 3 GKG a.F., der dem jet­zi­gen § 57 Abs. 3 FamG­KG ent­spricht, und in § 33 Abs. 4 S. 2 RVG – bewusst kei­ne Zustän­dig­keit des Ober­lan­des­ge­richts für Beschwer­den gegen die Kos­ten­fest­set­zung des Fami­li­en­ge­richts vor­ge­se­hen, son­dern in all­ge­mei­ner Form nur die Zustän­dig­keit des "nächst höhe­ren Gerichts" bestimmt 4. Dies ist damit begrün­det wor­den, dass "für den Bereich des JVEG – anders als für den Bereich des GKG – kein Bedürf­nis für eine sol­che Aus­nah­me­re­ge­lung" bestehe, "da die im Bereich des JVEG zu tref­fen­den Beschwer­de­ent­schei­dun­gen jeden­falls nicht in glei­chem Maß beson­de­re Kennt­nis­se auf dem Gebiet des Fami­li­en­rechts vor­aus­set­zen, wie dies für den Bereich des GKG – ins­be­son­de­re im Zusam­men­hang mit der Wert­fest­set­zung – anzu­neh­men ist." Mit dem FGG-RG ist inso­weit kei­ne Ände­rung erfolgt.

Der für Beschwer­den gegen eine nach § 4 JVEG ergan­ge­ne Ent­schei­dung vor­ge­se­he­ne Rechts­zug ist auch bei sofor­ti­gen Beschwer­den gegen die Zurück­wei­sung eines Ableh­nungs­ge­suchs gegen den mit der gericht­li­chen Fest­set­zung nach § 4 JVEG befass­ten Rich­ter gege­ben. Die Vor­schrif­ten über die Statt­haf­tig­keit eines Rechts­mit­tels gegen die Zurück­wei­sung eines Ableh­nungs­ge­suchs eröff­nen ledig­lich die sofor­ti­ge Beschwer­de als sol­che (§§ 46 Abs.2 ZPO, 6 Abs. 2 FamFG), regeln jedoch nicht, wel­ches Gericht für die Beschwer­de­ent­schei­dung zustän­dig ist. Die Zustän­dig­keit folgt inso­weit der gerichts­ver­fas­sungs­recht­li­chen Zustän­dig­keit für das Haupt­sa­che­ver­fah­ren, in dem der abge­lehn­te Rich­ter beru­fen ist 5.

"Haupt­sa­che­ver­fah­ren" in die­sem Sin­ne ist vor­lie­gend das Ver­fah­ren über die Fest­set­zung der Ver­gü­tung des Sach­ver­stän­di­gen nach dem JVEG. Zeu­gen, Sach­ver­stän­di­ge und Dol­met­scher kön­nen einen Rich­ter nur inso­weit ableh­nen, als sie selbst an dem Ver­fah­ren betei­ligt sind, für das eine rich­ter­li­che Zustän­dig­keit besteht. An dem vor­lie­gen­den Umgangs­re­ge­lungs­ver­fah­ren war der Sach­ver­stän­di­ge nicht mate­ri­ell betei­ligt. Er wur­de in sei­nen Rech­ten nur durch die Fest­set­zung sei­ner Ver­gü­tung betrof­fen. Inso­weit ent­stand eine rich­ter­li­che Zustän­dig­keit, als der Bezirks­re­vi­sor die rich­ter­li­che Fest­set­zung nach § 4 Abs. 1 S. 1 JVEG bean­trag­te. In dem rich­ter­li­chen Fest­set­zungs­ver­fah­ren ging der Rechts­zug aber – wie aus­ge­führt – vom Amts­ge­richt zum Land­ge­richt. Daher hat das Land­ge­richt auch über das im Fest­set­zungs­ver­fah­ren vom Sach­ver­stän­di­gen ange­brach­te Ableh­nungs­ge­such gegen die Abtei­lungs­rich­te­rin zu befin­den.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Beschluss vom 30. April 2013 – 10 WF 122/​13

  1. vgl. OLG Cel­le, Beschluss vom 10.02.2005 – 10 WF 48/​05, Fam­RZ 2006, 141 f., NJW-RR 2005, 660, MDR 2005, 707, Nds­Rpfl 2005, 226 f.[]
  2. OLG Cel­le, Beschluss vom 10.02.2005 – 10 WF 48/​05, Fam­RZ 2006, 141 f. = NJW-RR 2005, 660 = MDR 2005, 707 = Nds­Rpfl 2005, 226 f.[]
  3. OLG Bran­den­burg Fam­RZ 2006, 141; OLG Frank­furt OLGR 2008, 194; KG Jur­Bü­ro 2009, 375; OLG Mün­chen Fam­RZ 2011, 844; OLG Schles­wig SchlHA 2011, 382; Zöller/​Lückemann ZPO 29. Aufl. § 119 GVG Rn. 8; Musielak/​Wittschier ZPO 10. Aufl. § 119 GVG Rn. 7; Meyer/​Höver/​Bach Die Ver­gü­tung und Ent­schä­di­gung von Sach­ver­stän­di­gen, Zeu­gen, Drit­ten und ehren­amt­li­chen Rich­tern nach dem JVEG 25. Aufl. § 4 JVEG Rn. 4; a.A. – jedoch ohne nähe­re Begrün­dung – Hart­mann Kos­ten­ge­set­ze 39. Aufl. § 4 JVEG Rn. 26[]
  4. vgl. BT-Drucks. 15/​1971 S. 180[]
  5. vgl. Zöller/​Vollkommer a.a.O. § 46 Rn. 14[]