Zwei­spra­chi­ge nota­ri­el­le Nie­der­schrift

Aktu­ell hat­te sich der Bun­des­ge­richts­hof mit der Abgren­zung der Kon­stel­la­ti­on einer (aus­nahms­wei­sen) nota­ri­el­len Nie­der­schrift in zwei gleich­wer­ti­gen Sprach­fas­sun­gen von der Kon­stel­la­ti­on zu befas­sen, in der aus­schließ­lich die deut­sche Sprach­fas­sung für die nota­ri­el­le Nie­der­schrift ver­bind­lich ist, wäh­rend der fremd­spra­chi­ge Text eine fakul­ta­ti­ve oder im Fall des § 16 Abs. 2 Satz 2 BeurkG obli­ga­to­ri­sche schrift­li­che Über­set­zung dar­stellt, die der Nie­der­schrift ledig­lich zu Beweis­zwe­cken bei­gefügt wird. Wer­den sol­che Pas­sa­gen einer nota­ri­el­len Nie­der­schrift, die nicht gemäß § 9 Abs. 1 Satz 1 BeurkG deren zwin­gen­der Bestand­teil sind, son­dern blo­ße Soll­vor­schrif­ten des nota­ri­el­len Ver­fah­rens­rechts umset­zen, gegen­über einem sprach­kun­di­gen Betei­lig­ten nicht ver­le­sen und gegen­über nicht sprach­kun­di­gen Betei­lig­ten nicht münd­lich über­setzt, führt dies zwar zu einem Ver­fah­rens­feh­ler im Beur­kun­dungs­ver­fah­ren, nicht aber zur Unwirk­sam­keit des Beur­kun­dungs­akts.

Zwei­spra­chi­ge nota­ri­el­le Nie­der­schrift

Im vor­lie­gen­den Fall hat­te Ober­lan­des­ge­richt Hamm in der Vor­in­stanz die Ansicht ver­tre­ten, der Ehe­ver­trag sei ins­ge­samt nicht zustan­de gekom­men, weil bezüg­lich der güter­recht­li­chen Fol­gen der Ehe­schlie­ßung ein ver­steck­ter Eini­gungs­man­gel (§ 155 BGB) vor­ge­le­gen habe und nicht ange­nom­men wer­den kön­ne, dass der Ehe­ver­trag ohne die güter­recht­li­chen Bestim­mun­gen geschlos­sen wor­den wäre 1. Die­se Auf­fas­sung hat das OLG Hamm wie folgt begrün­det:

Es habe sich um eine zwei­spra­chi­ge Urkun­de gehan­delt, in der sowohl die deut­sche als auch die eng­li­sche Ver­si­on des Ver­trags­tex­tes beur­kun­det wor­den sei­en. Denn der Notar habe aus­weis­lich der Ein­lei­tung der Ver­hand­lungs­nie­der­schrift sowohl die deutsch­spra­chi­ge Ver­si­on des Ehe­ver­trags als auch die eng­li­sche Über­set­zung ver­le­sen und es sei­en bei­de Fas­sun­gen von den Betei­lig­ten geneh­migt wor­den. Zwar sei die eng­li­sche Fas­sung von den Betei­lig­ten und dem Notar nicht unter­schrie­ben wor­den; aller­dings ent­hiel­ten die ein­lei­ten­den Bemer­kun­gen des Notars die For­mu­lie­rung, dass die von bei­den Betei­lig­ten geneh­mig­ten Fas­sun­gen unter der deut­schen Fas­sung unter­schrie­ben wor­den sei­en. Dar­aus erge­be sich mit hin­rei­chen­der Deut­lich­keit, dass die Betei­lig­ten ein­schließ­lich des Notars bei­de Fas­sun­gen des Ehe­ver­trags durch ihre Unter­schrift bil­li­gen woll­ten, zumal auch bei­de Fas­sun­gen ver­le­sen und geneh­migt wor­den sei­en. Hät­te es dem Wil­len der Betei­lig­ten und des Notars ent­spro­chen, ledig­lich die deutsch­spra­chi­ge Fas­sung zu beur­kun­den, hät­te es aus Sicht des sach­kun­di­gen Notars nahe­ge­le­gen und aus­ge­reicht, ledig­lich die­se Fas­sung von den Betei­lig­ten geneh­mi­gen und unter­schrei­ben zu las­sen. Da der Notar aber aus­drück­lich her­vor­ge­ho­ben habe, dass bei­de Fas­sun­gen von den Betei­lig­ten geneh­migt und wenn auch nur unter der deut­schen Fas­sung unter­schrie­ben wor­den sei­en, spre­che aus­ge­hend von der Ver­mu­tung der Voll­stän­dig­keit und Rich­tig­keit der nota­ri­el­len Urkun­de alles dafür, dass die Betei­lig­ten sowohl die deutsch­spra­chi­ge als auch die eng­lisch­spra­chi­ge Fas­sung beur­kun­den und zum Gegen­stand der ehe­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung machen woll­ten.

Unter die­sen Vor­aus­set­zun­gen sei es unzwei­fel­haft, dass die Erklä­run­gen in § 3 des Ehe­ver­trags in der deut­schen und in der eng­li­schen Ver­si­on in einem wesent­li­chen Punkt nicht über­ein­stimm­ten. Wäh­rend in der eng­lisch­spra­chi­gen Ver­si­on ohne wei­te­re Ein­schrän­kun­gen davon die Rede sei, dass neu erwor­be­nes Ver­mö­gen bei­den Betei­lig­ten jeweils zur Hälf­te zuste­hen sol­le, fin­de sich in der deutsch­spra­chi­gen Ver­si­on die erheb­li­che Ein­schrän­kung, dass nur jenes Ver­mö­gen bei­den Ehe­leu­ten zu glei­chen Tei­len zuste­hen sol­le, wel­ches aus Ein­kom­mens­rück­la­gen gebil­det wor­den sei. Nach dem unstrei­ti­gen Erklä­rungs­wil­len des Ehe­manns soll­te damit aus­ge­drückt wer­den, dass nur pri­va­te Ver­mö­gens­zu­wäch­se hälf­tig geteilt wer­den soll­ten, nicht aber Zuwäch­se des Fir­menund Geschäfts­ver­mö­gens. Die­se Ein­schrän­kung fin­de in der eng­lisch­spra­chi­gen Ver­si­on des Ver­trags­tex­tes auch nicht ansatz­wei­se Anklang. Wäh­rend in der eng­li­schen Fas­sung hin­sicht­lich des gemein­sa­men Ver­mö­gens­er­werbs ein Auto­ma­tis­mus fest­ge­legt gewe­sen sei, habe es sich in der deut­schen Fas­sung ledig­lich um eine Opti­on gehan­delt, die einen wei­te­ren Wil­lens­akt näm­lich der gemein­sa­men Ent­schei­dung zur Bil­dung von Rück­la­gen aus dem Ein­kom­men erfor­dert habe. Auch bei der per­sön­li­chen Anhö­rung der Betei­lig­ten sei­en die unter­schied­li­chen Vor­stel­lun­gen deut­lich gewor­den. Denn wäh­rend der Ehe­mann geäu­ßert habe, dass die strei­ti­ge Bestim­mung in § 3 des Ehe­ver­trags nur pri­va­te Rück­la­gen wie Bar­geld, Kon­ten­stän­de und Immo­bi­li­en, nicht aber das Unter­neh­mens­ver­mö­gen habe erfas­sen sol­len, habe die Ehe­frau erklärt, dass nach ihrer Vor­stel­lung der gesam­te Ver­mö­gens­zu­wachs den Ehe­leu­ten nach der Hoch­zeit zur Hälf­te zuste­hen wür­de, weil in Eng­land eine sol­che Rege­lung nor­mal sei und der Ehe­mann nur das Unter­neh­men gehabt und alles immer in das Unter­neh­men zurück­ge­führt habe. Der vor­lie­gen­de ver­steck­te Eini­gungs­man­gel füh­re dazu, dass der Ver­trag nicht zu Stan­de gekom­men sei. Der inso­weit dar­le­gungs­und beweis­be­las­te­te Ehe­mann habe nichts dafür vor­ge­tra­gen, dass der Ver­trag auch ohne eine Bestim­mung zum Güter­recht geschlos­sen wor­den wäre. Es sei davon aus­zu­ge­hen, dass jeden­falls die Ehe­frau den Ver­trag nicht geschlos­sen hät­te, wenn sie neben dem weit­ge­hen­den Unter­halts­aus­schluss und dem Aus­schluss des Ver­sor­gungs­aus­gleichs auch von den Ver­mö­gens­zu­wäch­sen des Ehe­manns in der Ehe­zeit weit­ge­hend aus­ge­schlos­sen wor­den wäre.

Die­se Aus­füh­run­gen des Ober­lan­des­ge­richts Hamm hiel­ten recht­li­cher Über­prü­fung durch den Bun­des­ge­richts­hof jedoch nicht stand:

Zu Unrecht hat das Beschwer­de­ge­richt ange­nom­men, dass der Ehe­ver­trag der Betei­lig­ten wegen eines ver­steck­ten Eini­gungs­man­gels im Sin­ne von § 155 BGB ins­ge­samt nicht zustan­de gekom­men sei. Die­se Beur­tei­lung kann nicht aus einer zwi­schen der deut­schen und der eng­li­schen Sprach­fas­sung bestehen­den Diver­genz der Erklä­run­gen zum ehe­zeit­li­chen Ver­mö­gens­er­werb her­ge­lei­tet wer­den.

Zwar ist es nach mitt­ler­wei­le ganz herr­schen­der Auf­fas­sung unter deut­schem Beur­kun­dungs­recht zuläs­sig, eine Beur­kun­dung in zwei gleich­wer­tig ver­bind­li­chen Sprach­fas­sun­gen vor­zu­neh­men 2. Haben im Beur­kun­dungs­ver­fah­ren eine deutsch­spra­chi­ge und eine fremd­spra­chi­ge Fas­sung vor­ge­le­gen, muss die Kon­stel­la­ti­on einer Nie­der­schrift in zwei gleich­wer­ti­gen Sprach­fas­sun­gen unter­schie­den wer­den von der Kon­stel­la­ti­on, in der aus­schließ­lich die deut­sche Sprach­fas­sung für die Nie­der­schrift ver­bind­lich ist, wäh­rend der fremd­spra­chi­ge Text eine fakul­ta­ti­ve oder im Fall des § 16 Abs. 2 Satz 2 BeurkG obli­ga­to­ri­sche schrift­li­che Über­set­zung dar­stellt, die der Nie­der­schrift zu Beweis­zwe­cken in einem geson­der­ten Schrift­stück (ledig­lich) bei­gefügt wird. Gemes­sen dar­an erge­ben sich ent­ge­gen der Ansicht des Beschwer­de­ge­richts kei­ne hin­rei­chen­den Anhalts­punk­te dafür, dass der Ehe­ver­trag im vor­lie­gen­den Fall zwei­spra­chig beur­kun­det wor­den ist.

Das Ober­lan­des­ge­richt Hamm stützt sei­ne Annah­me, dass eine zwei­spra­chi­ge Urkun­de errich­tet wor­den sei, auf die in den Ein­gangs­be­mer­kun­gen ent­hal­te­ne Fest­stel­lung, wonach der Notar den "Ehe­ver­trag und die als Anla­ge die­ser Nie­der­schrift bei­gefüg­te eng­li­sche Über­set­zung" ver­le­sen habe und "bei­de" von den Ver­trags­schlie­ßen­den geneh­migt wor­den sei­en. Schon die­ser Schluss ist nicht zwin­gend. Zwar ist es im Aus­gangs­punkt zutref­fend, dass nur bei der Errich­tung einer zwei­spra­chi­gen Urkun­de bei­de gleich­wer­ti­ge Sprach­fas­sun­gen nach § 13 Abs. 1 Satz 1 BeurkG ver­le­sen wer­den müs­sen, weil erst bei­de Sprach­fas­sun­gen zusam­men die Nie­der­schrift bil­den 3. Indes­sen wird auch in der vom Beschwer­de­ge­richt für maß­geb­lich gehal­te­nen Pas­sa­ge der Ein­gangs­be­mer­kun­gen nur die deut­sche Sprach­fas­sung des zu beur­kun­den­den Tex­tes als "Ehe­ver­trag" ange­spro­chen, wäh­rend das Schrift­stück mit der eng­li­schen Sprach­fas­sung selbst im Zusam­men­hang mit sei­ner Ver­le­sung und Geneh­mi­gung wei­ter­hin als "Über­set­zung" bezeich­net wird. Wird ein fremd­spra­chi­ger Text aber aus­drück­lich als "Über­set­zung" bezeich­net, spricht dies gera­de gegen die Annah­me, dass die frem­de Spra­che eine ver­bind­li­che Urkunds­spra­che sein soll 4. Vor die­sem Hin­ter­grund lässt sich die Pas­sa­ge, wonach (auch) die eng­li­sche Über­set­zung von dem Notar ver­le­sen und von den Betei­lig­ten geneh­migt wor­den sei, durch­aus auch dahin­ge­hend inter­pre­tie­ren, dass der Notar sei­ner Pflicht zur münd­li­chen Über­set­zung der Nie­der­schrift (§ 16 Abs. 2 Satz 1 BeurkG) durch das Vor­le­sen der zuvor ange­fer­tig­ten eigent­lich nicht ver­les­ba­ren schrift­li­chen Über­set­zung nach­kom­men woll­te und die Betei­lig­ten mit die­ser Vor­ge­hens­wei­se ein­ver­stan­den waren.

Aus den sons­ti­gen Umstän­den der Beur­kun­dung erge­ben sich kei­ne durch­grei­fen­den Anhalts­punk­te dafür, dass im vor­lie­gen­den Fall aus­nahms­wei­se eine Urkun­de mit zwei gleich­wer­ti­gen Sprach­fas­sun­gen errich­tet wer­den soll­te und errich­tet wor­den ist.

Nach § 5 Abs. 2 Satz 1 BeurkG darf der Notar eine fremd­spra­chi­ge Urkun­de nur auf das über­ein­stim­men­de Ver­lan­gen sämt­li­cher am Beur­kun­dungs­ver­fah­ren for­mell Betei­lig­ter errich­ten. Bereits zur Zeit der Beur­kun­dung des hier ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Ehe­ver­trags wur­de der nota­ri­el­len Pra­xis emp­foh­len, das erfor­der­li­che Ein­ver­neh­men aller Betei­lig­ten in der Urkun­de zu doku­men­tie­ren 5. Der Nie­der­schrift ist ein sol­cher Hin­weis auf ein über­ein­stim­men­des Ver­lan­gen nach Errich­tung der Urkun­de in zwei gleich­wer­ti­gen Sprach­fas­sun­gen nicht zu ent­neh­men. Vor allem aber sind kei­ne nach­voll­zieh­ba­ren Grün­de ersicht­lich, wel­che die Betei­lig­ten nament­lich den Ehe­mann zu dem Ver­lan­gen ver­an­lasst haben könn­ten, den Ehe­ver­trag in zwei gleich­wer­tig ver­bind­li­chen Urkunds­spra­chen beur­kun­den zu las­sen. Ins­be­son­de­re ist nicht fest­ge­stellt, dass die Betei­lig­ten mit einer Ver­wen­dung der Urkun­de im Aus­land gerech­net hät­ten. Im Übri­gen haben die Betei­lig­ten in § 1 des Ehe­ver­trags wegen der all­ge­mei­nen Wir­kun­gen der Ehe und ins­be­son­de­re wegen der güter­recht­li­chen Wir­kun­gen der Ehe deut­sches Recht gewählt. Haben sich die Urkunds­be­tei­lig­ten in einer pri­vat­recht­li­chen Ver­ein­ba­rung aber dar­auf geei­nigt, ihr Rechts­ver­hält­nis einem bestimm­ten Recht zu unter­stel­len, erscheint es von vorn­her­ein nahe­lie­gend, dass sie zur Ver­mei­dung von Unschär­fen bei der Über­set­zung von juris­ti­schen Fach­be­grif­fen dem ange­wen­de­ten Recht auch die ver­wen­de­te Urkunds­spra­che fol­gen las­sen wol­len 3.

Dar­über hin­aus macht die Rechts­be­schwer­de hin­sicht­lich der äuße­ren Form der Urkun­de unwi­der­spro­chen gel­tend, dass der Notar die eng­lisch­spra­chi­ge Text­fas­sung nicht gemäß § 44 BeurkG durch Schnur und Prä­ge­sie­gel mit der deutsch­spra­chi­gen Nie­der­schrift ver­bun­den hat. Auch wenn § 44 BeurkG eine blo­ße Ord­nungs­vor­schrift dar­stellt, kann die feh­len­de Ver­bin­dung zumin­dest als Indiz dafür gewer­tet wer­den, dass es sich bei der eng­li­schen Sprach­fas­sung ledig­lich um eine für die nicht sprach­kun­di­ge Ehe­frau ange­fer­tig­te schrift­li­che Über­set­zung und nicht um einen Teil der Nie­der­schrift han­delt. Denn für die Bei­fü­gung der schrift­li­chen Über­set­zung nach § 16 Abs. 2 Satz 2 BeurkG ist anders als für die Bei­fü­gung der zur Nie­der­schrift gehö­ren­den Anla­gen (§ 9 Abs. 1 Satz 2 BeurkG) eine Ver­bin­dung mit Schnur und Sie­gel nach all­ge­mei­ner Auf­fas­sung nicht erfor­der­lich 6.

Aller­dings ist der Ehe­ver­trag der Betei­lig­ten im vor­lie­gen­den Fall nicht wegen eines Form­man­gels gemäß § 125 BGB iVm § 1410 BGB nich­tig.

Eine Unwirk­sam­keit des Beur­kun­dungs­akts und damit eine Form­nich­tig­keit des Ehe­ver­trags kann sich nicht dar­aus erge­ben, dass der beur­kun­den­de Notar was aller­dings zwi­schen den Betei­lig­ten strei­tig ist die auf dem zwei­ten Blatt der Urkun­de nie­der­ge­leg­ten Fest­stel­lun­gen nicht ins Eng­li­sche über­setzt haben soll.

Hat der Notar wie im vor­lie­gen­den Fall in der Nie­der­schrift eine Fest­stel­lung nach § 16 Abs. 1 BeurkG getrof­fen, ist die Nie­der­schrift gegen­über dem sprachun­kun­di­gen Betei­lig­ten nicht nach § 13 Abs. 1 Satz 1 BeurkG zu ver­le­sen, son­dern nach § 16 Abs. 2 Satz 1 BeurkG münd­lich zu über­set­zen. Da die münd­li­che Über­set­zung für den sprachun­kun­di­gen Betei­lig­ten an die Stel­le des Vor­le­sens tritt, muss sich die Über­set­zung auf alle gegen­über einem sprach­kun­di­gen Betei­lig­ten vor­zu­le­sen­den Tei­le der Nie­der­schrift bezie­hen. Zu über­set­zen sind des­halb nicht nur die sach­li­chen Erklä­run­gen der Betei­lig­ten, son­dern es ist die gesam­te Nie­der­schrift ein­schließ­lich aller tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen und Ver­mer­ke des Notars in dem glei­chen Umfang zu über­set­zen, in dem sie gegen­über einem sprach­kun­di­gen Betei­lig­ten nach § 13 Abs. 1 Satz 1 BeurkG zu ver­le­sen wären 7. In die­sem Umfang ist die Nie­der­schrift voll­stän­dig und nicht ledig­lich bedarfs­ori­en­tiert zu über­set­zen; es sind des­halb selbst sol­che Tei­le der Nie­der­schrift zu über­set­zen, die der sprachun­kun­di­ge Betei­lig­te auf­grund sei­ner Ver­ständ­nis­mög­lich­kei­ten auch in der Urkunds­spra­che zu ver­ste­hen ver­mag 8.

Im Zusam­men­hang mit der Ver­le­sung der Nie­der­schrift nach § 13 Abs. 1 Satz 1 BeurkG ist es frei­lich aner­kannt, dass nicht jeder Ver­stoß gegen die Ver­le­sungs­pflicht zu einer Unwirk­sam­keit des gesam­ten Beur­kun­dungs­akts führt. Bezieht sich der Ver­le­sungs­man­gel nur auf sol­che Pas­sa­gen der Nie­der­schrift, die nicht nach § 9 Abs. 1 Satz 1 BeurkG deren zwin­gen­der Bestand­teil sind, son­dern blo­ße Soll­vor­schrif­ten des nota­ri­el­len Ver­fah­rens­rechts wie hier die Fest­stel­lun­gen nach § 16 BeurkG im Zusam­men­hang mit einem der Urkunds­spra­che nicht mäch­ti­gen Betei­lig­ten umset­zen, führt dies zwar zu einem Ver­fah­rens­feh­ler im Beur­kun­dungs­ver­fah­ren, den der Notar im Rah­men sei­ner Amts­pflich­ten zu ver­mei­den hat. Die Nicht­ver­le­sung von Soll­be­stand­tei­len der Nie­der­schrift führt aber nicht zur Unwirk­sam­keit des Beur­kun­dungs­akts, weil die for­mel­le Wirk­sam­keit der Urkun­de selbst dann nicht beein­träch­tigt wor­den wäre, wenn die­se Soll­be­stand­tei­le von vorn­her­ein kei­nen Ein­gang in den Text der Nie­der­schrift gefun­den hät­ten. Es ist kei­ne ande­re Beur­tei­lung gerecht­fer­tigt, wenn die­se Pas­sa­gen ledig­lich nicht ver­le­sen wer­den, obwohl sie in der Nie­der­schrift ver­merkt sind 9.

Weil die münd­li­che Über­set­zung nach § 16 Abs. 2 Satz 1 BeurkG die Ver­le­sung nach § 13 Abs. 1 Satz 1 BeurkG ersetzt, kann ein Ver­stoß gegen die Über­set­zungs­pflicht gegen­über einem sprachun­kun­di­gen Betei­lig­ten grund­sätz­lich kei­ne ande­ren Rechts­fol­gen aus­lö­sen als ein Ver­stoß gegen die Ver­le­sungs­pflicht gegen­über einem sprach­kun­di­gen Betei­lig­ten. Die Nicht­über­set­zung von blo­ßen Soll­be­stand­tei­len der Urkun­de, die in der Nie­der­schrift nicht ein­mal ent­hal­ten sein müss­ten, führt daher nicht zu einer Unwirk­sam­keit des Beur­kun­dungs­akts und nicht zu einer mate­ri­ell­recht­li­chen Nich­tig­keit des zu beur­kun­den­den form­be­dürf­ti­gen Rechts­ge­schäfts.

Dafür strei­tet auch die fol­gen­de Kon­troll­über­le­gung: Es hat nach all­ge­mei­ner Ansicht auf die Wirk­sam­keit des Beur­kun­dungs­akts kei­nen Ein­fluss, wenn der Notar von der man­geln­den Sprach­kun­de eines Betei­lig­ten Kennt­nis erlangt, eine ent­spre­chen­de Fest­stel­lung in der Nie­der­schrift (§ 16 Abs. 1 BeurkG) aber unter­lässt und die Nie­der­schrift auch nicht über­setzt 10. Dann ist es aber wer­tungs­mä­ßig nicht ein­zu­se­hen, war­um dem­ge­gen­über der Beur­kun­dungs­akt unwirk­sam sein soll­te, wenn der Notar die Fest­stel­lung nach § 16 Abs. 1 BeurkG in der Nie­der­schrift ver­merkt und die dadurch nach § 16 Abs. 2 Satz 1 BeurkG aus­ge­lös­te Über­set­zungs­pflicht nur wegen sol­cher Bestand­tei­le der Nie­der­schrift nicht erfüllt, die außer­halb des eigent­li­chen Beur­kun­dungs­ge­gen­stands lie­gen.

Eine Unwirk­sam­keit des Beur­kun­dungs­akts kann auch nicht dar­aus her­ge­lei­tet wer­den, dass der beur­kun­den­de Notar den Text des Ehe­ver­trags nicht unmit­tel­bar münd­lich über­setzt, son­dern statt­des­sen nur die vor­lie­gen­de schrift­li­che Über­set­zung vor­ge­le­sen haben soll.

Eine sol­che Vor­ge­hens­wei­se zur Erfül­lung der Pflich­ten nach § 16 Abs. 2 Satz 1 BeurkG bei einer Über­set­zung durch den Notar wird über­wie­gend für zuläs­sig erach­tet 11. Dem ist wegen der gegen­über einer spon­ta­nen münd­li­chen Über­set­zung regel­mä­ßig höhe­ren Qua­li­tät einer vor­be­rei­te­ten schrift­li­chen Über­set­zung jeden­falls dann zuzu­stim­men, wenn das Vor­le­sen der schrift­li­chen Über­set­zung nicht über die feh­len­de eige­ne Sprach­kun­de des Notars hin­weg­hel­fen soll 12. Ob der beur­kun­den­de Notar im vor­lie­gen­den Fall über hin­rei­chen­de (akti­ve) eng­li­sche Sprach­kennt­nis­se ver­fügt hat­te, die ihm eine über die blo­ße Wie­der­ga­be der schrift­li­chen Über­set­zung hin­aus­ge­hen­de Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Inhalt der Nie­der­schrift in eng­li­scher Spra­che ermög­licht hät­ten, ist zwi­schen den Betei­lig­ten zwar umstrit­ten. Es kommt dar­auf aber auch nicht an. Eine Nach­prü­fung, ob der Notar sich aus­rei­chen­de Sprach­kennt­nis­se zu Recht zuge­traut hat, fin­det nicht statt; eine dies­be­züg­li­che Fehl­ein­schät­zung des Notars führt nicht zu einer Unwirk­sam­keit des Beur­kun­dungs­akts 13.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. März 2019 – XII ZB 310/​18

  1. OLG Hamm, Beschluss vom 18.06.2018 II4 UF 86/​17[]
  2. vgl. BeckOGK/​Seebach/​Rachlitz [Stand: Okto­ber 2018] BeurkG § 16 Rn. 59; Preuß in Armbrüster/​Preuß/​Renner BeurkG und DONot 7. Aufl. § 5 BeurkG Rn. 8; Hei­ne­mann in Grziwotz/​Heinemann BeurkG 2. Aufl. § 16 Rn. 8; Ott RNotZ 2015, 189, 194; Her­tel in FS Wolfs­tei­ner [2008] S. 51, 61 f.[]
  3. vgl. Her­tel in FS Wolfs­tei­ner [2008] S. 51, 61[][]
  4. vgl. Ott RNotZ 2015, 189, 191 f.[]
  5. vgl. Keidel/​Kuntze/​Winkler FGG 12. Aufl. [1986] Teil B § 5 BeurkG Rn. 6; vgl. nun­mehr auch Eyl­mann in Eylmann/​Vaasen BNotO/​BeurkG 4. Aufl. § 5 BeurkG Rn. 2; BeckOGK/​Schaller [Stand: Novem­ber 2018] BeurkG § 5 Rn. 7[]
  6. vgl. Wink­ler BeurkG 18. Aufl. § 16 Rn. 17; Pieg­sa in Armbrüster/​Preuß/​Renner BeurkG und DONot 7. Aufl. § 16 BeurkG Rn. 22; Hei­ne­mann in Grziwotz/​Heinemann BeurkG 2. Aufl. § 16 Rn. 24; BeckOGK/​Seebach/​Rachlitz [Stand: Okto­ber 2018] BeurkG § 16 Rn. 53; BeckOGK/​Regler [Stand: Febru­ar 2018] BeurkG § 44 Rn. 9; Lerch BeurkG 5. Aufl. § 16 Rn. 12; Staudinger/​Hertel BGB [2017] Beur­kun­dungs­ge­setz Rn. 545[]
  7. vgl. Wink­ler BeurkG 18. Aufl. § 16 Rn. 12; Pieg­sa in Armbrüster/​Preuß/​Renner BeurkG und DONot 7. Aufl. § 16 BeurkG Rn. 18; Hei­ne­mann in Grziwotz/​Heinemann BeurkG 2. Aufl. § 16 Rn. 18[]
  8. vgl. LG Bonn Beschluss vom 05.02.2015 4 T 417/​14 14; DNo­tI­Re­port 2013, 129, 130[]
  9. vgl. Wink­ler BeurkG 18. Aufl. § 13 Rn. 25; Pieg­sa in Armbrüster/​Preuß/​Renner BeurkG und DONot 7. Aufl. § 13 BeurkG Rn. 16; BeckOGK/​Seebach/​Rachlitz [Stand: Okto­ber 2018] BeurkG § 13 Rn. 66 f.; Staudinger/​Hertel BGB [2017] Beur­kun­dungs­ge­setz Rn. 361[]
  10. vgl. BGHSt 47, 39 = NJW 2001, 3135, 3137; OLG Köln Mitt­BayNot 1999, 59, 60; BayO­bLG Fam­RZ 2000, 1124, 1125[]
  11. vgl. Hei­ne­mann in Grziwotz/​Heinemann BeurkG 2. Aufl. § 16 Rn. 27; Lerch BeurkG 5. Aufl. § 16 Rn. 10; Kanz­lei­ter DNotZ 1997, 261, 268[]
  12. vgl. Pieg­sa in Armbrüster/​Preuß/​Renner BeurkG und DONot 7. Aufl. § 16 BeurkG Rn. 25; BeckOGK/​Seebach/​Rachlitz [Stand: Okto­ber 2018] BeurkG § 16 Rn. 37; Ott RNotZ 2015, 189, 190, 191 f.[]
  13. vgl. Wink­ler BeurkG 18. Aufl. § 16 Rn.20; Pieg­sa in Armbrüster/​Preuß/​Renner BeurkG und DONot 7. Aufl. § 16 BeurkG Rn. 25; BeckOGK/​Seebach/​Rachlitz [Stand: Okto­ber 2018] BeurkG § 16 Rn. 71; Her­tel in FS Wolfs­tei­ner [2008] S. 51, 53; Ott RNotZ 2015, 189, 190[]