Gerichts­na­he Media­ti­on

Die Media­ti­on ist in der Jus­tiz ange­kom­men: Nach einer Über­sicht des Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums gibt es inzwi­schen in acht Bun­des­län­dern Modell­ver­su­che zur gerichts­na­hen oder gerichts­in­ter­nen Media­ti­on:

Gerichts­na­he Media­ti­on

In Baden-Würt­tem­berg läuft beim Land- und Amts­ge­richt Stutt­gart der Modell­ver­such außer­ge­richt­li­che Kon­flikt­bei­le­gung für Schei­dungs­sa­chen, Sor­ge­rechts- und Umgangs- sowie Erb­schafts­strei­tig­kei­ten, Schul­den­re­gu­lie­run­gen, uner­laub­te Hand­lun­gen, Woh­nungs­ei­gen­tums­sa­chen, Nach­bar­schafts­strei­tig­kei­ten, Räu­mungs­strei­tig­keit und ande­re Zivil­pro­zess­an­ge­le­gen­hei­ten. Zum Ein­satz kom­men je fünf Rich­ter des Amts- und Land­ge­richts Stutt­gart und bis zu 18 Media­to­ren.

In Bay­ern sol­len die Zivil­ge­rich­te dem Bür­ger künf­tig pro­fes­sio­nel­le Streit­schlich­tung anbie­ten. Im Jahr 2005 beginnt an sie­ben baye­ri­schen Land­ge­rich­ten in Mün­chen, Augs­burg, Bam­berg, Nürn­berg-Fürth, Lands­hut, Würz­burg und Wei­den der Modell­ver­such "Güte­richter". Spe­zi­ell geschul­te Rich­ter sol­len hier los­ge­löst vom eigent­li­chen Rechts­streit mit den Par­tei­en eine ein­ver­nehm­li­che Streit­be­en­di­gung suchen.

Das Land Ber­lin betreut ein Pilot­pro­jekt Gerichts­me­dia­ti­on bei der Ber­li­ner Ver­wal­tungs­ge­richts­bar­keit und erprobt hier in einem Pilot­pro­jekt die Kon­flikt­be­wäl­ti­gung durch Gerichts­me­dia­ti­on. Des­wei­te­ren wird von einer Pro­jekt­grup­pe geprüft, ob künf­tig auch bei den Ber­li­ner Zivil­ge­rich­ten eine gericht­li­che Media­ti­on als eine Media­ti­on durch Richter/​Richterinnen wäh­rend eines rechts­hän­gi­gen Ver­fah­rens ange­bo­ten wer­den kann.

In Ham­burg besteht die Mög­lich­keit, Media­ti­ons­ver­fah­ren in fami­li­en- und erbrecht­li­chen Ange­le­gen­hei­ten sowie im Arbeits- und Wirt­schafts­recht bei der Öffent­li­chen Rechts­aus­kunft- und Ver­gleichs­stel­le Ham­burg durch­zu­füh­ren.

In Hes­sen bestehen Pro­jek­te zur gerichts­na­hen Meda­ti­on in der hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­bar­keit an den Ver­wal­tungs­ge­rich­ten Darm­stadt, Frank­furt a.M., Gie­ßen, Kas­sel, Wies­ba­den und beim Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Kas­sel. Gegen­stand der Media­ti­on kön­nen alle anhän­gi­gen ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren sein. Pro­jekt­zie­le sind die Erpro­bung eines zusätz­li­chen Ange­bots der Ver­wal­tungs­ge­richts­bar­keit für die nach­hal­ti­ge Lösung von Strei­tig­kei­ten im Ver­hält­nis Bür­ger und Staat sowie die Erfor­schung der Aus­wir­kun­gen der gerichts­na­hen Medi­ai­on auf die rich­ter­li­che Arbeit und die Struk­tur der Erle­di­gung ver­wal­tungs­ge­richt­li­cher Ver­fah­ren, der Mög­lich­kei­ten einer auf Dau­er zu insti­tu­tio­na­li­sie­ren­den, außer­pro­zes­sua­len Streit­schlich­tung bei Gericht, der Akzep­tanz der außer­pro­zes­sua­len Streit­schlich­tung anhän­gi­ger Ver­fah­ren bei Gericht durch die Betei­lig­ten und der Mög­lich­keit effi­zi­en­te­rer Been­di­gung ver­wal­tungs­ge­richt­li­cher Ver­fah­ren und dadurch Mög­lich­keit der Kos­ten­er­spar­nis für Jus­tiz und Betei­lig­te.

Das Land Meck­len­burg-Vor­pom­mern betreut das Pilot­pro­jekt "Gericht­li­che Media­ti­on" in Ros­tock und Greifs­wald Das Land- und Ober­lan­des­ge­richt erpro­ben die gericht­li­che Media­ti­on in zivil­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren, das Ver­wal­tungs­ge­richt erprobt die gericht­li­che Media­ti­on in ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren ers­ter Instanz.

In Nie­der­sach­sen läuft seit März 2003 das Modell­pro­jekt "Gerichts­na­he Media­ti­on in Nie­der­sach­sen". Im Rah­men die­ses Pro­jekts wird die Media­ti­on neben der gericht­li­chen Ent­schei­dung und dem Ver­gleich als wei­te­res Ange­bot der Jus­tiz den Par­tei­en zur Lösung ihres Rechts­streits zur Ver­fü­gung gestellt. An sechs nie­der­säch­si­schen Gerich­ten, näm­lich den Amts­ge­rich­ten Olden­burg und Hil­des­heim den Land­ge­rich­ten Han­no­ver und Göt­tin­gen sowie am Sozi­al- und am Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver wer­den drei Jah­re lang Chan­cen und Gren­zen der Ver­mitt­lung von strei­ten­den Par­tei­en aus­ge­lo­tet. Die Ergeb­nis­se wer­den durch eine wis­sen­schaft­li­che Begleit­for­schung erfasst und aus­ge­wer­tet.

Das Land Nord­rhein-West­fa­len betreut im Rah­men des Pro­jekts "Modell­re­gi­on Ost­west­fa­len-Lip­pe" das Pilot­pro­jekt "Rich­ter­li­che Media­ti­on" im Land­ge­richts­be­zirk Pader­born. Seit dem 1. Janu­ar 2005 wird den Bür­ge­rin­nen und Bür­gern hier in geeig­ne­ten Fäl­len das zusätz­li­che Ange­bot einer Streit­schlich­tung außer­halb des übli­chen zivil­pro­zes­sua­len Ver­fah­rens unter­brei­tet.

Und in Rhein­land-Pfalz wur­de unter Feder­füh­rung des OLG Koblenz bei fünf Amts­ge­rich­ten die in ein gericht­li­ches Ver­fah­ren ein­ge­bun­de­ne Media­ti­on in Fami­li­en­sa­chen ein­ge­führt. Neben den Fra­gen, wel­chen Nut­zen die Inte­grier­te Media­ti­on den am Ver­fah­ren Betei­lig­ten bringt und wie die Rah­men­be­din­gun­gen für eine Imple­men­tie­rung der Media­ti­on in das Gerichts­ver­fah­ren geschaf­fen wer­den kön­nen, soll hier vor allem geklärt wer­den, mit wel­chem Auf­wand an Per­so­nal, Zeit und Kos­ten ein sol­ches Ver­fah­ren im Ver­gleich zu einem nach den Pro­zess­ord­nun­gen übli­cher­wei­se durch­zu­füh­ren­den Gerichts­ver­fah­ren been­det wird und ob durch Media­ti­on Fol­ge­pro­zes­se ver­mie­den wer­den kön­nen.