24-stün­di­ge Pfle­ge schwerst­kran­ker Kin­der

Die gesetz­li­che Kran­ken­kas­se hat bei einer 24-stün­di­ge Pfle­ge schwerst­kran­ker Kin­der zu leis­ten, die Eltern müs­sen bei der Behand­lungs­pfle­ge kei­ne Kür­zung hin­neh­men. Wird die 24-stün­di­ge Behand­lungs­pfle­ge von einer ande­ren Pfle­ge­kraft erbracht als die Grund­pfle­ge, sind die Kos­ten für die Behand­lungs­pfle­ge in vol­lem Umfang von der gesetz­li­chen Kran­ken­kas­se zu zah­len. Dabei darf sie nach zwei aktu­el­len Urtei­len des Hes­si­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richts weder den Zeit­auf­wand für Grund­pfle­ge noch das Pfle­ge­geld in Abzug brin­gen.

24-stün­di­ge Pfle­ge schwerst­kran­ker Kin­der

In den zu ent­schei­den­den Fäl­len benö­ti­gen die jeweils sehr schwer erkrank­ten, beamt­mungs­pflich­ti­gen Kin­der eine 24-stün­di­ge Über­wa­chung ihrer Atmung. Die­se ist von einer Fach­kraft durch­zu­füh­ren und im Rah­men der häus­li­chen Kran­ken­pfle­ge von der Kran­ken­kas­se zu zah­len. Die Kran­ken­kas­se zog aller­dings den Zeit­auf­wand für die Grund­pfle­ge ab, die von den Eltern erbracht wird. Die Kos­ten hier­für sei­en von der Pfle­ge­ver­si­che­rung zu tra­gen. Deren Leis­tungs­pflicht ist jedoch in der Höhe begrenzt. Um den ent­spre­chen­den Anteil der Pfle­ge­kos­ten nicht selbst tra­gen zu müs­sen, ver­klag­ten die Eltern der inten­siv pfle­ge­be­dürf­ti­gen Kin­der die Kran­ken­kas­se. Die­se müs­se die gesam­ten Kos­ten für die 24-stün­di­ge Behand­lungs­pfle­ge über­neh­men.

Sowohl vor dem erst­in­stanz­lich hier­mit befass­ten Sozi­al­ge­richt wie auch vor dem Hes­si­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richt erhiel­ten die Eltern Recht: Es besteht ein Anspruch auf umfas­sen­de Behand­lungs­pfle­ge und Pfle­ge­geld. Soweit eine 24-stün­di­ge Behand­lungs­pfle­ge von einer Pfle­ge­fach­kraft erbracht wird, Grund­pfle­ge und haus­wirt­schaft­li­che Ver­sor­gung jedoch von Ange­hö­ri­gen geleis­tet wer­den, sei­en die gesam­ten Kos­ten für die Behand­lungs­pfle­ge von der Kran­ken­ver­si­che­rung zu tra­gen. Eine Anrech­nung der Grund­pfle­ge kom­me nur in Betracht, wenn Behand­lungs- und Grund­pfle­ge von der­sel­ben Fach­kraft erbracht wer­den. Auch das Pfle­ge­geld ist von der Kran­ken­kas­se nicht in Abzug zu brin­gen. Häus­li­che Kran­ken­pfle­ge und Pfle­ge­geld stün­den viel­mehr unein­ge­schränkt neben­ein­an­der.

Hes­si­sches Lan­des­so­zi­al­ge­richt, Urtei­le vom 9. Dezem­ber 2010 – L 1 KR 187/​10 und L 1 KR 189/​10