Alz­hei­mer – und das Blin­den­geld

Auch schwerst Hirn­ge­schä­dig­te, die kei­ne visu­el­le Wahr­neh­mung haben, kön­nen grund­sätz­lich Anspruch auf Blin­den­geld haben. Dies gilt auch bei einer Erkran­kung an Alz­hei­mer.

Alz­hei­mer – und das Blin­den­geld

Dies ent­schied jetzt das Bun­des­so­zi­al­ge­richt in einem Fall, der das Blin­den­geld nach dem Baye­ri­schen Blin­den­ge­setz betrag.

Im ent­schie­de­nen Fall litt die Klä­ge­rin an einer schwe­ren Alz­hei­mer-Demenz und kann des­halb Sin­nes­ein­drü­cke kogni­tiv nicht mehr ver­ar­bei­ten. Das bean­trag­te Blin­den­geld nach dem Bay­BlindG lehn­te die Behör­de ab.

Anders als das Sozi­al­ge­richt hat das Baye­ri­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat den Rechts­streit nun zwar an die Vor­in­stanz zurück­ver­wie­sen.

Zur Sache hat es aber aus­ge­führt, dass bei cere­b­ra­len Stö­run­gen Blind­heit auch anzu­neh­men ist, wenn der Betrof­fe­ne nichts sieht, obwohl kei­ne spe­zi­fi­sche Seh­stö­rung nach­weis­bar ist. Liegt Blind­heit vor, wird Blin­den­geld zum Aus­gleich blind­heits­be­ding­ter Mehr­auf­wen­dun­gen als Pau­schall­eis­tung erbracht.

Kann ein blind­heits­be­ding­ter Auf­wand auf­grund der Eigen­art des Krank­heits­bil­des aber gar nicht erst ent­ste­hen, wird der Zweck des Blin­den­gelds ver­fehlt. In die­sen beson­de­ren Fäl­len darf der zustän­di­gen Behör­de der anspruchs­ver­nich­ten­de Ein­wand der Zweck­ver­feh­lung nicht ver­wehrt wer­den. Ob hier ein sol­cher Aus­schluss­grund zum Tra­gen kommt, hat die Vor­in­stanz noch fest­zu­stel­len und abschlie­ßend zu prü­fen 1.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 14. Juni 2018 – B 9 BL 1/​17 R

  1. Anschluss und Fort­füh­rung von BSG, Urteil vom 11.08.2015 – B 9 BL 1/​14 R[]