Ange­hö­ri­gen­miet­ver­trä­ge in der Grund­si­che­rung

Miet­ver­trä­ge zwi­schen Ange­hö­ri­gen sind nach einem aktu­el­len Urteil des Sozi­al­ge­richts Karls­ru­he für der Gewäh­rung von Leis­tun­gen zur Grund­si­che­rung nur dann maß­geb­lich, wenn sie wirk­sam geschlos­sen sind und dar­über hin­aus sowohl die Gestal­tung als auch die Durch­füh­rung des Ver­ein­bar­ten dem zwi­schen Frem­den Übli­chen ent­spricht.

Ange­hö­ri­gen­miet­ver­trä­ge in der Grund­si­che­rung

In dem vom Karls­ru­her Sozi­al­ge­richt zu ent­schei­den­den Fall begehr­te die 83jährige Klä­ge­rin als Bezie­he­rin einer Ren­te von monat­lich ca. 530 € ergän­zen­de Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung, nach­dem sie zuvor ihr Wohn­haus­ei­gen­tum schenk­wei­se auf ihren Sohn über­tra­gen und als Mie­te­rin in ein Ein­zim­mer­ap­part­ment ihrer Schwie­ger­toch­ter gezo­gen ist. Im Miet­ver­trag hieß es, dass Miet­ent­gelt wer­de solan­ge gestun­det, bis die Klä­ge­rin zu bean­tra­gen­de Leis­tun­gen der öffent­li­chen Hand (Wohn­geld/​Grundsicherung) erhal­te. Tat­säch­lich sind kei­ne Miet­zah­lun­gen erfolgt. Der ört­lich zustän­di­ge Sozi­al­hil­fe­trä­ger hat den Antrag mit der Begrün­dung abge­lehnt, der auf Eigen­tums­rück­über­tra­gung am Wohn­haus gerich­te­te Schen­kungs­her­aus­ga­be­an­spruch der bedürf­ti­gen Klä­ge­rin gehe dem Sozi­al­hil­fe­be­geh­ren vor.
Das Sozi­al­ge­richt hat die von der Klä­ge­rin dage­gen gerich­te­te Kla­ge abge­wie­sen und aus­ge­führt: Der zivil­recht­li­che Rück­for­de­rungs­an­spruch der Klä­ge­rin auf Her­aus­ga­be des schenk­wei­se über­tra­ge­nen Wohn­hau­ses allein recht­fer­ti­ge die Ableh­nung von ergän­zen­den Sozi­al­hil­fe­leis­tun­gen zwar nicht, weil es an der kon­kre­ten Ver­wert­bar­keit des Ver­mö­gens­rechts feh­le (kei­ne „berei­ten Mit­tel“). Die Klä­ge­rin kön­ne aber kei­ne Unter­kunfts­kos­ten aus Sozi­al­hil­fe­mit­teln gel­tend machen, weil sie von ihrer Schwie­ger­toch­ter unent­gelt­lich ein Ein­zim­mer­ap­par­te­ment zur Ver­fü­gung gestellt bekom­men habe. Der geschlos­se­ne Miet­ver­trag sei als Schein­ge­schäft zu beur­tei­len, weil er einem Fremd­ver­gleich nicht stand hal­te. Unter Frem­den hät­te sich kein Ver­mie­ter auf eine Ver­trags­klau­sel ein­ge­las­sen, die das „Ob“ der Miet­zah­lung vom Ein­tritt einer Bedin­gung – hier: Sozi­al­hil­fe­ge­wäh­rung – abhän­gig mache, auf die er selbst kei­nen Ein­fluss habe.

Sozi­al­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 29. Janu­ar 2009 – S 4 SO 5937/​07 (rechts­kräf­tig)