Anre­chung einer Ein­kom­men­steu­er­erstat­tung auf das Arbeits­lo­sen­geld II

Vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt blieb jetzt eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen die Anre­chung einer Ein­kom­men­steu­er­erstat­tung auf Arbeits­lo­sen­geld II ohne Erfolg.

Anre­chung einer Ein­kom­men­steu­er­erstat­tung auf das Arbeits­lo­sen­geld II

Die Beschwer­de­füh­re­rin wen­det sich gegen die Anrech­nung einer Ein­kom­men­steu­er­stat­tung auf das Arbeits­lo­sen­geld II. Ihre hier­ge­gen erho­be­ne Kla­ge blieb vor den Sozi­al­ge­rich­ten ohne Erfolg, weil eine nach Antrag­stel­lung auf Grund­si­che­rung zuge­flos­se­ne Ein­kom­men­steu­er­erstat­tung nicht Ver­mö­gen, son­dern Ein­kom­men dar­stel­le und daher bedarfs­min­dernd zu berück­sich­ti­gen sei. Die Beschwer­de­füh­re­rin sieht sich durch die ange­foch­te­nen Ent­schei­dun­gen des Grund­si­che­rungs­trä­gers und der Fach­ge­rich­te in ihrem Grund­recht auf Eigen­tum ver­letzt, da die­se nach ihrer Ansicht zu einer Rück­zah­lung der Ein­kom­men­steu­er­erstat­tung führ­ten.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men, weil die Vor­aus­set­zun­gen hier­für nicht vor­lie­gen. Ins­be­son­de­re wird die Beschwer­de­füh­re­rin durch die Anrech­nung der Ein­kom­men­steu­er­erstat­tung auf eine steu­er­fi­nan­zier­te Sozi­al­leis­tung nicht in ihrem Grund­recht auf Eigen­tum aus Art. 14 Abs. 1 GG ver­letzt.

Ein Ein­griff in den Schutz­be­reich des Eigen­tums liegt grund­sätz­lich nur dann vor, wenn der Bestand an indi­vi­du­ell geschütz­ten ver­mö­gens­wer­ten Rech­ten auf­grund einer gesetz­li­chen oder auf einem Gesetz beru­hen­den Maß­nah­me zu einem bestimm­ten Zeit­punkt ver­min­dert wird1. Vor­lie­gend geschieht dies jedoch nicht. Denn die mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de ange­grif­fe­nen Maß­nah­men ver­rin­gern nicht etwa den Steu­er­erstat­tungs­an­spruch der Beschwer­de­füh­re­rin, was geson­dert gerecht­fer­tigt wer­den müss­te, da die­ser Anspruch als Eigen­tum im Sin­ne des Art. 14 Abs. 1 GG geschützt ist2. Viel­mehr wird die Erstat­tung als Ein­kom­men nach Maß­ga­be der §§ 11 ff. SGB II, also nach § 11 Abs. 3 SGB II auch erst in dem Augen­blick, in dem es tat­säch­lich zufließt, auf die nach § 9 Abs. 1 SGB II grund­sätz­lich sub­si­diä­re Sozi­al­leis­tung ange­rech­net3. Die­se Anrech­nung ist ein Mit­tel, mit dem der Gesetz­ge­ber in Aus­nut­zung sei­nes wei­ten Gestal­tungs­spiel­rau­mes den aus Art. 20 Abs. 1 GG erwach­sen­den sozi­al­staat­li­chen Gestal­tungs­auf­trag erfüllt.

Eine für­sor­ge­ri­sche Sozi­al­leis­tung wie die Grund­si­che­rung ist nicht als Eigen­tum im Sin­ne des Art. 14 GG geschützt. Sozi­al­recht­li­che Ansprü­che genie­ßen viel­mehr nur dann grund­recht­li­chen Eigen­tums­schutz, wenn es sich um ver­mö­gens­wer­te Rechts­po­si­tio­nen han­delt, die nach Art eines Aus­schließ­lich­keits­rechts pri­vat­nüt­zig zuge­ord­net sind, auf nicht uner­heb­li­chen Eigen­leis­tun­gen beru­hen und der Exis­tenz­si­che­rung die­nen4. So ste­hen etwa sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­che Rechts­po­si­tio­nen in Form von Ansprü­chen aus der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung, soweit sie aus eige­ner Ver­si­che­rung der Leis­tungs­be­rech­tig­ten resul­tie­ren, grund­sätz­lich unter dem Schutz von Art. 14 Abs. 1 GG5. Dies ist hin­ge­gen bei steu­er­fi­nan­zier­ten Für­sor­ge­leis­tun­gen nicht der Fall6. Die Ver­rin­ge­rung die­ses Sozi­al­leis­tungs­an­spruchs ver­letzt die Beschwer­de­füh­re­rin hier eben­so wenig in ihrem Recht aus Art. 14 Abs. 1 GG wie die Anrech­nung der Ver­letz­ten­ren­te auf der­ar­ti­ge Ansprü­che7.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Urteil vom 8. Novem­ber 2011 – 1 BvR 2007/​11

  1. vgl. BVerfGE 87, 1, 42; BVerfGK 6, 266, 269
  2. vgl. BVerfGE 70, 278, 285
  3. vgl. BSG, Urteil vom 28.10.2009 – B 14 AS 64/​08 R; Urteil vom 03.03.2009 – B 4 AS 47/​08 R
  4. vgl. BVerfGE 69, 272, 300; 92, 365, 405; 97, 271, 284; 100, 1, 32 f.
  5. vgl. BVerfGE 76, 256, 293, m.w.N.; 100, 1, 33
  6. BVerfG, Beschluss vom 07.12.2010 – 1 BvR 2628/​07, NJW 2011, 1058, 1059 f.
  7. vgl. BVerfG, Beschluss vom 16.03.2011 – 1 BvR 591/​08, 1 BvR 593/​08