Arbeits­lo­sen­geld in die Nie­der­lan­de

Ein Anspruch auf Arbeits­lo­sen­geld besteht auch bei einem Wohn­sitz in den Nie­der­lan­den. Dies ent­schied das Bun­des­so­zi­al­ge­richt in dem Fall eines Klä­gers, der vom 1. Sep­tem­ber 2002 bis 31. August 2003 in Aachen wohn­te und arbei­te­te. Anschlie­ßend bezog er Erzie­hungs­geld bis 24. Janu­ar 2004. Seit Juli 2004 wohnt er grenz­nah in den Nie­der­lan­den. Am 6. Janu­ar 2006 mel­de­te er sich bei der beklag­ten Bun­des­agen­tur für Arbeit arbeits­los und bean­trag­te Arbeits­lo­sen­geld. Die Arbeits­agen­tur lehn­te den Antrag ab.

Arbeits­lo­sen­geld in die Nie­der­lan­de

Die Kla­ge war vor dem Sozi­al­ge­richt Aachen und dem Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len erfolg­los. Anspruch auf Arbeitslosen­geld bestehe, so das Lan­des­so­zi­al­ge­richt, nur für Per­so­nen mit Wohn­sitz im Inland. Auch kön­ne der Klä­ger nicht nach gemein­schaftsrechtlichen Grund­sät­zen Arbeits­lo­sen­geld bean­spru­chen, weil er kei­nen Grenz­gän­ger­sta­tus be­sitze und die Kin­der­er­zie­hungs­zeit vom 1. Sep­tem­ber 2003 bis 31. Janu­ar 2006 nicht als be­schäftigungsgleiche Zeit im Sin­ne der EWGV 1408/​71 gewer­tet wer­den kön­ne. Hier­ge­gen wand­te sich der Klä­ger mit sei­ner Revi­si­on zum Bun­des­so­zi­al­ge­richt und rügt einen Ver­stoß gegen das gemein­schafts­recht­li­che Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung von Arbeit­neh­mern.

Das Bun­des­so­zi­al­ge­richts ent­schied dar­auf­hin, dass § 30 Abs 1 SGB I ver­fas­sungs­kon­form dahin­ge­hend aus­zu­le­gen ist, dass der grenz­na­he Aus­lands­wohn­sitz dem Arbeits­lo­sen­geld­an­spruch eines zuvor in Deutsch­land wohn­haf­ten und bei­trags­pflich­ti­gen Arbeit­nehmers nicht ent­ge­gen­steht, wenn die übri­gen Leis­tungs­vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind. Auf das Ge­meinschaftsrecht kommt es inso­weit nicht an.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 7. Okto­ber 2009 – B 11 AL 25/​08 R