Arbeits­lo­sen­geld­an­spruch bei Stu­di­en­be­ginn

Wenn ein Stu­di­en­an­fän­ger bis zum Beginn der Lehr­ver­an­stal­tun­gen nach­weis­lich nicht in stu­di­ums­re­le­van­te Akti­vi­tä­ten ein­ge­bun­den ist, steht er den Ver­mitt­lungs­be­mü­hun­gen der Agen­tur für Arbeit zur Ver­fü­gung und kann Arbeits­lo­sen­geld bean­spru­chen.

Arbeits­lo­sen­geld­an­spruch bei Stu­di­en­be­ginn

So das Hes­si­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer gelern­ten Kran­ken­schwes­ter, die bis zum Vor­le­sungs­be­ginn Arbeits­lo­sen­geld bean­tragt hat­te. Nach einer Zeit der Arbeits­un­fä­hig­keit mel­de­te sich die Mut­ter eines min­der­jäh­ri­gen Kin­des aus dem Land­kreis Hers­feld-Roten­burg arbeits­los. Sie bean­trag­te – unter Hin­weis auf ihre Ein­schrei­bung an einer Hoch­schu­le – Arbeits­lo­sen­geld bis zum Vor­le­sungs­be­ginn. Die Agen­tur für Arbeit gewähr­te ihr Arbeits­lo­sen­geld bis ein­schließ­lich August. Ab Sep­tem­ber kön­ne sie als ein­ge­schrie­be­ne Stu­den­tin nur eine ver­si­che­rungs­freie Beschäf­ti­gung aus­üben.

Gemäß § 138 SGB III (ehe­mals § 119 SGB III) kann Arbeits­lo­sen­geld nur bean­spru­chen, wer den Ver­mitt­lungs­be­mü­hun­gen der Agen­tur für Arbeit zur Ver­fü­gung steht. Die­se Ver­füg­bar­keit wird bei Schü­lern und Stu­den­ten einer Schu­le, Hoch­schu­le oder sons­ti­gen Aus­bil­dungs­stät­te regel­mä­ßig ver­neint, denn nach § 139 Abs. 2 SGB III (ehe­mals § 120 SGB III) wird ver­mu­tet, dass sie nur ver­si­che­rungs­freie Beschäf­ti­gun­gen aus­üben kön­nen. Aller­dings ist die Ver­mu­tung gemäß § 139 Abs.2 Satz 2 SGB III wider­legt, wenn dar­ge­legt und nach­ge­wie­sen wird, dass der Aus­bil­dungs­gang die Aus­übung einer ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen, min­des­tens 15 Stun­den wöchent­lich umfas­sen­den Beschäf­ti­gung bei ord­nungs­ge­mä­ßer Erfül­lung der in den Aus­bil­dungs- und Prü­fungs­be­stim­mun­gen vor­ge­schrie­be­nen Anfor­de­run­gen zulässt.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Hes­si­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt die Ent­schei­dung der Vor­in­stanz bestä­tigt und der Stu­den­tin Recht gege­ben: Hier­nach habe die Stu­den­tin nach­ge­wie­sen, dass sie bis zum Vor­le­sungs­be­ginn (Anfang Okto­ber). nicht durch uni­ver­si­tä­re Akti­vi­tä­ten gebun­den gewe­sen sei und des­halb eine Beschäf­ti­gung hät­te aus­üben kön­nen. Damit habe sie in die­ser Zeit der Arbeits­ver­mitt­lung zur Ver­fü­gung gestan­den und die gesetz­li­che Ver­mu­tung wider­legt.

Hes­si­sches Lan­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 21. Sep­tem­ber 2012 – L 7 AL 3/​12