Arbeits­un­fall auf dem Kin­der­spiel­platz

Wer auf einem Spiel­platz in Abspra­che mit der Mut­ter einem Kind hilft und sich dabei ver­letzt, kann unter den Schutz der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung fal­len. Das hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len in einem jetzt ver­öf­fent­lich­ten Urteil ent­schie­den und damit eine Ent­schei­dung des Sozi­al­ge­richts Düs­sel­dorf bestä­tigt.

Arbeits­un­fall auf dem Kin­der­spiel­platz

Geklagt hat­te ein zum Unfall­zeit­punkt 14jähriger aus Wup­per­tal, der auf einem Spiel­platz in Wet­ter einem fünf­jäh­ri­gen Mäd­chen hel­fen woll­te. Das Kind war hin­ter einen Metall­zaun auf das anlie­gen­de Betriebs­ge­län­de eines Ener­gie­ver­sor­gers gera­ten und kam aus eige­ner Kraft nicht wie­der auf den höher gele­ge­nen Spiel­platz zurück. Es gelang dem jun­gen Hel­fer in Abspra­che mit der Mut­ter des Mäd­chens zwar, über den Zaun zu klet­tern und das laut wei­nen­de Kind wie­der zu sei­ner Mut­ter zu bug­sie­ren. Beim anschlie­ßen­den Zurück­klet­tern blieb der 14jährige aber unglück­lich mit der Hand hän­gen und ver­letz­te sich dabei so schwer, dass ihm Ärt­ze im Kran­ken­haus den rech­ten Mit­tel­fin­ger ampu­tie­ren muss­ten.

Anders als das Sozi­al­ge­richt Düs­sel­dorf hat das LSG NRW den Klä­ger zwar nicht als „Not­hel­fer“ nach § 2 Abs. 1 Nr. 13a Sozi­al­ge­setz­buch (SGB) VII ange­se­hen. Der Klä­ger habe nicht anneh­men kön­nen, dass eine erheb­li­che gegen­wär­ti­ge Gefahr für die kör­per­li­che oder see­li­sche Gesund­heit des Mäd­chens bestan­den habe, wie vom Gesetz vor­aus­ge­setzt. Nach Ansicht des Esse­ner Lan­des­so­zi­al­ge­richts kam dem Klä­ger trotz­dem Ver­si­che­rungs­schutz zu, weil er mit sei­ner Hilfs­ak­ti­on für die Mut­ter des Mäd­chens wie ein abhän­gig Beschäf­tig­ter tätig gewor­den sei, § 2 Abs. 2 iVm § 2 Abs. 1 Nr. 1 SGB VII. Die kur­ze Dau­er und der gerin­ge – wirt­schaft­li­che – Wert der Hil­fe­leis­tung stün­den nicht ent­ge­gen. Über unver­si­cher­te Hil­fe­leis­tun­gen wie Anschwung geben, Auf­fan­gen eines Kin­des nach einem Sprung oder Trös­ten eines Klein­kin­des nach einem Sturz sei das Han­deln des Klä­gers nach Art und Umfang deut­lich hin­aus­ge­gan­gen.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len, Urteil vom 27. Janu­ar 2009 – L 15 U 37/​08 (nicht rechts­kräf­tig)