Arbeits­un­fall durch Speer­wurf?

Ein töd­li­cher Speer­wurf ist kein Arbeits­un­fall, auch nicht für Kampf­rich­ter in der Leicht­ath­le­tik.

Arbeits­un­fall durch Speer­wurf?

Mit die­ser Begrün­dung hat jetzt das Sozi­al­ge­richt Düs­sel­dorf den Anspruch der Wit­we eines töd­lich ver­un­glück­ten Speer­wurf­kampf­rich­ters auf Leis­tun­gen aus der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung ver­neint.

Der 74-jäh­ri­ge Ehe­mann der Klä­ge­rin war lizen­sier­ter Kampf­rich­ter für Wett­kämp­fe der Leicht­ath­le­tik. Wäh­rend eines Speer­wurf­wett­kamp­fes wur­de er im August 2012 töd­lich durch einen Speer­wurf ver­letzt. Er ging, noch wäh­rend der Speer in der Luft war, auf die Stel­le zu, an der er den Auf­prall inner­halb des Ziel­sek­tors ver­mu­te­te. Die gesetz­li­che Unfall­ver­si­che­rung lehn­te die Aner­ken­nung des Unglücks als Arbeits­un­fall ab. Die Klä­ge­rin mach­te gel­tend, ihr Ehe­mann sei zwar nicht abhän­gig beschäf­tigt gewe­sen. Er sei jedoch als Kampf­rich­ter wie ein Beschäf­tig­ter vom Ver­si­che­rungs­schutz der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung umfasst. Das Sozi­al­ge­richt Düs­sel­dorf wies die Kla­ge ab:

Das Unglück gehö­re nicht zu den von der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung geschütz­ten Sach­ver­hal­ten.

Ein Arbeits­un­fall schei­de aus, da der Ehe­mann der Klä­ge­rin weder in einem Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis gestan­den, noch im öffent­li­chen Auf­trag gehan­delt habe und auch kein frei­wil­lig ver­si­cher­tes Mit­glied der Unfall­ver­si­che­rung gewe­sen sei.

Er sei auch kein soge­nann­ter "Wie-Beschäf­tig­ter" – also einem Beschäf­tig­ten gleich­zu­stel­len – gewe­sen.

Denn zum einen sei er ehren­amt­lich als Kampf­rich­ter tätig gewe­sen und habe ledig­lich eine gerin­ge Auf­wands­ent­schä­di­gung erhal­ten. Zum ande­ren gebe es kei­ne Berufs­grup­pe pro­fes­sio­na­li­sier­ter Kampf­rich­ter bei Leicht­ath­le­tik­sport­fes­ten. Es habe dem Ehe­mann der Klä­ge­rin frei­ge­stan­den, an bestimm­ten Wett­kämp­fen teil­zu­neh­men oder nicht.

Auch die beson­de­re Gefähr­lich­keit der Tätig­keit begrün­de kein en Ver­si­che­rungs­schutz in der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung. Letzt­lich ent­sprin­ge die ehren­amt­li­che Tätig­keit der Lie­be zum Sport und ähne­le als Frei­zeit­be­schäf­ti­gung kei­nes­wegs einem Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis.

Sozi­al­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 17. März 2015 – S 1 U 163/​13